Euro greift Dollar an

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Siehe auch Der wahre Grund für den Untergang des Euro

Thomas Immanuel Steinberg

Der Dollar verliert seinen Status als Weltleitwährung 

Solange der größte Teil des Welthandels, insbesondere der Handel mit Öl, in US-Dollar abgewickelt wird, können die USA ihr Leistungsbilanzdefizit per Dollarvermehrung ausgleichen. Doch die Zeichen mehren sich, daß der Dollar seinen Leitwährungsstatus verliert. 

Gold

1. Die Zentralbanken der Welt haben 2012 mehr Gold gekauft als je in einem Jahr seit 1964. Sie trugen mit 12% zum Weltgoldumsatz bei, nach 10 % im Jahre 2011.

Central banks bought 534.6 metric tons of the precious metal last year – the most since 1964 – led by Russia, Brazil and Iraq. Net purchases by central banks accounted for 12 percent of overall demand in 2012, compared with a 10 percent share in 2011. CNBC vom 14. Februar 2013.

2. China hat im Monat Dezember 2012 mit 14,4 Tonnen den Allzeitrekord von Goldankäufen gebrochen. ZeroHedge, 5. Februar 2013 

3. Deutschland will sein im Ausland gelagertes Gold ins Inland zurückverlagern, bekommt aber nur das Gold aus Frankreich sofort (nicht das aus den USA und Großbritannien). Süddeutsche vom 15. Januar 2013

4. Die Türkei bezahlt dem Iran sein Erdgas in Gold. Wall Street Journal, 23. November 2012

Möglicherweise rechnen die Goldkäufer und –heimholer mit einem Zusammenbruch des Öl-Dollar-Systems oder fördern ihn damit sogar. The Economic Collapse, 12. Februar 2013  

Nationale Währungen und Barter-Geschäfte

1. China bezahlt das iranische Öl zum Teil in Yuan, zum Teil direkt mit Waren (sogenannte Barter-Geschäfte). Indien bezahlt das iranische Öl zu 40% in indischen Rupien, die der Iran zum Kauf indischer Waren nutzt. CommodityOnline  

2. Japan und Indien hatten sich schon Ende 2011 auf einen Swap zwishen ihren beiden Währungen im Wert von 15 Milliarden Dollar geeinigt, BBC, 29. Dezember 2011; 

3. Swap-Vereinbarung zwischen Brasilien und China im Juni 2012, Financial Times

4. dito zwischen China und Japan, BBC, 29. Mai 2012.

Die Staaten, die als erste das Dollar-System verlassen, werden im nächsten Kapitel der Weltgeschichte führend sein. 

Those who exit the USdollar system first will be the leading nations in the next global economic chapter. Silver Doctors  18. Januar 2013. 

T:I:S, 6. März 2013 (1)

Anmerkung

(1) Links aus GEAB Nr. 72 vom 15. Februar 2013

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/ueeurodollar.htm#Status  

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Goldman Sachs - Eine Bank lenkt die Welt

ORF-Fassung, Video, 45 Minuten. Zusammenfassung: Video, dreieinhalb Minuten

T:I:S, 5. September 2012

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/ueeurodollar.htm#Goldman  

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Soros: Eurostaaten werden durchgeschleppt

Milliardär George Soros sagt, das deutsche Kapital sei Gläubiger des übrigen europäischen, werde aber seine Schuldner stützen, um nicht selbst Rezessionsopfer zu werden. Es werde also den Euro samt Mitgliedern durchschleppen. 

Vorher erklärt Soros lang und breit, alles hänge mit allem zusammen; das hätte schon Karl Popper gesagt. Doll.

Hier gespiegelt, da das Original offenbar wenige Tage nach Veröffentlichung wieder vom Netz genommen wurde.

T:I:S, 7. Juni 2012

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/ueeurodollar.htm#Soros  

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Michael Payne

Der Anfang vom Ende des US-Dollars als Welt-Reservewährung

- Auszug -

* China und Iran sind dabei, ein System einzurichten, in dem iranisches Erdöl gegen importierte Produkte aus China ausgetauscht wird. Das ist ganz offensichtlich ein Abkommen, das darauf abzielt, die Sanktionen der Vereinigten Staaten von Amerika gegen den Iran auszuschalten, da China nicht die Absicht hat, den Import von iranischem Erdöl einzustellen. Neben dem Austauschsystem werden die beiden Länder Handel treiben und dafür den chinesischen Yuan, den iranischen Rial und Gold benutzen.

* China und Japan kündigten Pläne an, den Dollar zu umgehen und ihre eigenen Währungen in ihren Handelsbeziehungen zu verwenden. Gespräche bezüglich einer Partnerschaft betreffend den Währungsaustausch zwischen Südkorea und China haben ebenfalls begonnen. Das ist ein großer Schritt vorwärts, da China, Japan und Südkorea die dominanten Wirtschaftsmächte in dieser Region Asiens sind.

* China und Russland wickeln ihren Handel schon über ein Jahr lang ab, indem sie Rubel und Yuan benutzen.

* China und die Vereinigten Arabischen Emirate (UAE) haben ein Abkommen bekannt gegeben, nach dem der Yuan für den Handel mit Erdöl benutzt wird. Die chinesische Nationalbank teilte mit, dass dieses Abkommen im Wert von rund 5,5 Milliarden Dollar getroffen wurde, um „die finanzielle Zusammenarbeit zu stärken, Handel und Investitionen zu fördern und um beiderseits die finanzielle Stabilität der Region zu sichern.“

* Russland und der Iran haben beschlossen, Rubel als Währung in ihren Handelsbeziehungen zu verwenden. Russland widersetzt sich gemeinsam mit China den Sanktionen der Vereinigten Staaten von Amerika gegen den Iran und hat die Absicht, eine enge Beziehung zum Iran zu pflegen.  

* China wird den beiderseitigen Handel mit Russland und Malaysia ausbauen und dafür den Yuan, den Rubel und den Ringgit verwenden, je nachdem. 

* Die Länder der BRICS-Gruppe – Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika – einigten sich bei ihrem neulichen Gipfeltreffen in Sanya, China, darauf, gegenseitige Kreditlinien in den jeweiligen Währungen einzurichten. Das ist wiederum eine sehr bedeutende Entwicklung, da diese Gruppe von Ländern für einen sehr mächtigen Wirtschaftsblock der Zukunft steht.

* Die Konferenz der Vereinten Nationen über Handel und Entwicklung hat festgestellt, dass „das derzeitige System von Währungen und Kapitalbestimmungen, das die Weltwirtschaft bindet, nicht richtig funktioniert und weitgehend für die finanziellen und wirtschaftlichen Krisen verantwortlich war.“ Und weiter, dass „der Dollar durch eine Weltwährung ersetzt werden sollte.“   

* Der Internationale Währungsfonds (IMF) veröffentlichte vor kurzem eine Erklärung betreffend die Ablösung des Dollars als Weltreservewährung durch ein System von speziellen Ziehungsrechten unter der Bezeichnung SDRs, eine internationale Währungsvariante, die 1969 geschaffen wurde und im Prinzip ein „Korb von nationalen Währungen“ ist, der getragen wird vom vollen Glauben und Vertrauen der Regierungen der Mitgliedsländer.

antikrieg.com. Original: The Beginning of the End for the U.S. Dollar as the World Reserve Currency. OpEdNews, 4. Februar 2012. T:I:S, Hervorhebungen, 8. Februar 2012

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/ueeurodollar.htm#Hudson  

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Michael Hudson

Oligarchie der Finanz

Der Krieg der Banken gegen das Volk

Frankfurter Allgemeine, 3. Dezember 2011. Englisch unter dem Titel "Europe’s Deadly Transition From Social Democracy to Oligarchy", CounterPunch

T:I:S, 9. Dezember 2011. 

Ergänzung

Der Beitrag ist Teil einer bürgerliche Aufklärungsserie der Frankfurter Allgemeinen zu Finanzkrise und Demokratie. Alle Titel und Links auf den NachDenkSeiten. T:I:S, 11. Dezember 2011

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/ueeurodollar.htm#Hudson  

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Verschuldungsgrad der öffentlichen Hand nach Ländern

Quelle: Wikimedia; Datenbasis: CIA Factbook. Vergrößern

Die Verschuldigung der öffentlichen Hand, gemessen am Bruttosozialprodukt, ist in den Ländern der Welt sehr unterschiedlich. Stark verschuldet war 2010 zum Beispiel die öffentliche Hand in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den USA; niedrig verschuldet die öffentliche Hand in China, Iran, Rußland und dem Schlußlicht Libyen. Die japanische öffentliche Hand war vor allem bei (privaten) Inländern verschuldet und gefährdete daher nicht die übrige Welt.

Grosso modo hat sich die öffentliche Hand derjenigen Länder gefährlich verschuldet, in denen das Finanzkapital freie Hand hatte; siehe die folgende CIA-Tabelle.

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Country Comparison: Public debt

This entry records the cumulative total of all government borrowings less repayments that are denominated in a country's home currency. Public debt should not be confused with external debt, which reflects the foreign currency liabilities of both the private and public sector and must be financed out of foreign exchange earnings.

Rank – country – % of GDP

  1 Zimbabwe 234.10
  2 Japan 197.50
  3 Saint Kitts and Nevis 185.00  
  4 Greece 142.80
  5 Lebanon 133.80
  6 Jamaica 126.50
  7 Iceland 126.10
  8 Italy 119.10
  9 Singapore 105.80
  10 Barbados 102.10
  11 Belgium 100.90
  12 Ireland 96.70
  13 Portugal 93.00
  14 Sudan 92.60
  15 Canada 84.00
  16 Germany 83.20
  17 France 82.40
  18 Sri Lanka 81.90
  19 Hungary 80.20
  20 Belize 80.00
  21 Egypt 79.90
  22 Dominica 78.00  
  23 Nicaragua 78.00
  24 United Kingdom 76.10
  25 Israel 74.50
  26 Austria 71.00
  27 Malta 70.90
  28 Bahrain 65.80
  29 Cote d'Ivoire 63.80
  30 Jordan 63.20
  31 Netherlands 62.60
  32 United States 62.30
  33 Morocco 60.90
  34 Cyprus 60.80
  35 Spain 60.10
  36 Albania 59.30
  37 Brazil 59.00
  38 Croatia 58.00
  39 Bhutan 57.80
  40 Mauritius 57.70
  41 Vietnam 57.10
  42 Guyana 57.00
  43 Uruguay 56.30
  44 Philippines 55.40
  45 Seychelles 54.80
  46 Poland 52.80
  47 El Salvador 52.70
  48 Malaysia 52.40
  49 India 51.90
  50 United Arab Emirates 51.70
  51 Pakistan 50.70
  52 Tunisia 50.40
  53 Norway 48.90
  54 Finland 48.30
  55 Ethiopia 47.90
  56 Mozambique 47.70
  57 Kenya 47.50
  58 Aruba 46.30  
  59 Colombia 45.40
  60 Argentina 45.10
  61 Latvia 44.70
  62 Denmark 43.40
  63 Panama 43.30
  64 Thailand 43.10
  65 Turkey 42.80
  66 Costa Rica 42.70
  67 Slovakia 41.00
  68 Ukraine 40.10
  69 Sweden 39.80
  70 Bolivia 39.70
  71 Serbia 39.50
  72 Malawi 39.30
  73 Bosnia and Herzegovina 39.10
  74 Switzerland 38.70
  75 Lithuania 38.70
  76 Czech Republic 38.70
  77 Montenegro 38.00
  78 Mexico 36.80
  79 Dominican Republic 36.80
  80 Yemen 36.10
  81 Bangladesh 35.20
  82 Tanzania 34.40
  83 Cuba 34.30
  84 Ghana 34.00
  85 Taiwan 33.90
  86 Senegal 33.30
  87 Slovenia 33.00
  88 South Africa 32.30
  89 Mali 32.10
  90 Romania 30.80
  91 New Zealand 30.30
  92 Guatemala 29.70
  93 Trinidad and Tobago 29.40
  94 Honduras 29.10
  95 Syria 28.60
  96 Venezuela 26.90
  97 Zambia 26.70
  98 Australia 26.60
  99 Papua New Guinea 26.30
  100 Indonesia 25.50
  101 Macedonia 24.80
  102 Peru 23.90
  103 Ecuador 23.20
  104 Korea, South 22.70
  105 Moldova 21.30
  106 Gabon 21.10
  107 Uganda 21.10
  108 Botswana 20.90
  109 Angola 20.80
  110 Namibia 20.10
  111 Paraguay 19.00
  112 China 18.90
  113 Hong Kong 17.20
  114 Saudi Arabia 17.10
  115 Iran 16.60
  116 Bulgaria 16.20
  117 Cameroon 15.80
  118 Kazakhstan 15.50
  119 Luxembourg 15.20
  120 Kuwait 11.90
  121 Nigeria 11.90
  122 Qatar 10.80
  123 Chile 9.20
  124 Russia 9.00
  125 Gibraltar 7.50
  126 Uzbekistan 7.50
  127 Estonia 6.60
  128 Algeria 6.60
  129 Wallis and Futuna 5.60  
  130 Equatorial Guinea 5.30
  131 Azerbaijan 4.60
  132 Oman 4.00
  133 Libya 3.30  

                           Quelle: CIA Factbook

T:I:S, 17. Oktober 2011

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/ueeurodollar.htm#Verschuldungsgrad  

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OECD fordert Zerschlagung der Großbanken

Die OECD fordert eine Abtrennung des Investmentbanking vom Filial- und Kreditgeschäft, um die Risiken auf den internationalen Finanzmärkten abzubauen. 

FAZ, 13. Oktober 2011

Gesucht: der Schläger, der schwerer und härter ist als die Großbanken.

Übrigens: Die Antideutschen waren einst mit der Auschwitzkeule zur Stelle ("raffendes gegen schaffendes Kapital"), kaum daß vom Finanzkapital nur die Rede war. Haben sie sich aufgehängt, oder ist die OECD antisemitisch? 

Bitte melden. T:I:S, 13. Oktober 2011

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/ueeurodollar.htm#OECD    

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GEAB / Peer Steinbrück

Seit nunmehr zwei Jahren kochen interessierte Kreise immer wieder das Süppchen von der griechischen Krise und dem dadurch verursachten Ende des Euros hoch, ohne dass viel passieren oder die geringsten ihrer Vorhersagen eintreten würden. GEAB 

Peer Steinbrück spricht mit zwei Spiegel-Redakteuren. Online auf Englisch, Kurzfassung auf Französisch.

T:I:S, 18. September 2011

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/ueeurodollar.htm#GEAB    

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Martin Zeis

Börsennotiertes Kapital gegen den Rest

Anmerkungen zur Lage

.pdf-Datei, 11. September 2011. Die dortige Abkürzung GEAB steht für GlobalEurope Antizipations-Bulletin. T:I:S, 12. September 2011

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/ueeurodollar.htm#Zeis    

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Heiner Flassbeck und Friederike Spiecker

Monetarismus und "Wettbewerb der Nationen" sind Totengräber des Euro

... Offensichtlich sind die Logik einer Währungsunion und damit die Voraussetzungen für ihre Funktionstüchtigkeit ebenso unverstanden geblieben wie ihr Zweck. Eindrucksvoller hätte man das nicht belegen können als mit dem Satz „Wir können nicht eine Währung haben, und der eine kriegt ganz viel Urlaub und der andere ganz wenig“, mit dem Bundeskanzlerin Merkel jüngst aufwartete.

Ohne Verständnis für die relevanten Zusammenhänge lässt sich jedoch weder eine erfolgreiche Rettungsstrategie entwickeln noch glaubwürdig argumentieren, warum der Euro rettungswürdig ist. Es hilft nicht, seine politische Bedeutung für Europa zu bemühen, wenn er die Staatengemeinschaft vor ökonomische Probleme stellt, die den Verantwortlichen wie den Wählern nicht nachhaltig lösbar erscheinen.

Die beiden Fragen, die es folglich zu klären gilt, lauten: Wie muss eine Währungsunion aufgebaut sein, damit sie langfristig funktioniert, und wozu braucht man sie?...

Wirtschaftsdienst 2011/6, Seite 377 - 381, .pdf-Datei

Kommentar

Flassbeck und Spiecker zeigen: Der Euro läßt sich nur aufrecht erhalten, wenn die Lohnstückkosten im Währungsgebiet einander angeglichen werden. Egbert Scheunemanns Argument, auch ein nationales Währungsgebiet weise regionale Lohnstückkostenunterschiede auf ohne auseinanderzufallen, sticht nicht: Den Versuchen etwa, in der alten Bundesrepublik via Strukturpolitik regionale Lohnstückkostenunterschiede (zum Beispiel durch Zonenrandgebietsförderung) auszugleichen, war wenig Erfolg beschieden. Die späteren Maßnahmen zur Förderung der annektierten Bundesländer zeigten erst nach zwei Jahrzehnten Wirkung.

Stattdessen sind in beiden Fällen die Arbeitskräfte massenhaft abgewandert und die Lohnstückkostenunterschiede lange Zeit groß geblieben. Gleichzeitig wurde der Osten deindustrialisiert. Die Produktivität je Beschäftigten beträgt im Osten zur Zeit 80% der Westproduktivität (1). Auf Euroland übertragen heißt das: Die Griechen, Portugiesen und Spanier müßten massenweise nach Deutschland, Frankreich und Holland strömen. Zurück bliebe für lange Zeit ein südeuropäisches MeckPomm.

T:I:S, 24. Juni 2011. Geringfügig korrigiert, T:I:S, 12. September 2011

Anmerkung

(1) Siehe Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie. Wirtschaftsdaten Neue Bundesländer, Mai 2011, S. 8, Grafik "Gesamtwirtschaft"

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/ueeurodollar.htm#Flassbeck   

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Stephan Kaufmann

"Verkauft doch eure Inseln, ihr Pleite-Griechen!" Bildzeitung, 27. Februar 2010

20 beliebte Irrtümer in der Schuldenkrise

Rosa-Luxemburg-Stiftung, .pdf-Datei, Juni 2011. T:I:S, 20. Juni 2011

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/ueeurodollar.htm#Kaufmann  

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Die Mär von der Euro-Krise

Egbert Scheunemann, .pdf-Datei. T:I:S, 26. Mai 2011. Siehe Kommentar

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/ueeurodollar.htm#Maer 

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US Treasury Bonds

Der Markt für US-Schatzanleihen (treasury bonds) wird Mitte bis Ende 2011 zusammenbrechen. 

GEAB, 17. März 2011. T:I:S, 20. März 2011

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/ueeurodollar.htm#Bonds

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Jenseits des Dollar? 

Rainer Rupp, 4. November 2008

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Das Imperium wird zurückschlagen

Pepe Escobar über die Kish-Börse, die iranische Ölbörse, die zunächst in heimischer Währung, später in Rubel verrechnen will.

T:I:S, 21. Februar 2008

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Es bedarf nur eines kleinen Anstoßes:

Saudi-Arabien fakturiert in Euro, statt in Dollar  - und die US-Wirtschaft bricht zusammen. Chalmers Johnson, Kurzvideo bei antiwar.com; unten auf der Seite Audio, 30 Minuten; Aufsatz bei tomdispatch

Siehe auch die Rezension des Buches von Emmanuel Todd: Weltmacht USA. Ein Nachruf. Vom März 2003 (!). Grund des Zusammenbruchs des Imperiums: die Rüstung. 

Der Strudel dürfte als erstes das reine Rüstungsland Israel mitreißen.

T:I:S, 3. Februar 2008

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Death of the Dollar

Video von Aljazeera bei Information Clearing House

Recht verständliche Darlegung der Gründe für den Dollarverfall von Paul Craig Roberts. Der zweite Teil endet stimmungvoll auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise. Spazieren Sie dort, auf der Suche nach der verlorenen Zeit, unter dem Buchstaben P zum Grab von Marcel Proust, und schließlich zu Cóilín Nunan, der das alles schon 2003 erklärt hat. 

Die Zerstörung des Irak, die Kriegsdrohung gegen den Iran und die Hetze gegen Venezuala haben nichts mit angeblichen Massenvernichtungswaffen, Humanität oder Judäophobie zu tun, sondern ausschließlich mit Herrschaft – also mit Ihrer Unterdrückung. Als Abrundung eignet sich Milan Rai.

T:I:S, 25. Dezember 2007

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/ueeurodollar.htm#Death

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Iran: Der Dollar ist nackt! Saudi-Arabien: Pst, nicht weitersagen! 

Agence France-Presse, T:I:S, 19. November 2007

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Die US-Streitkräfte am Persischen Golf tragen auch zur Sicherung der eigenen Währung bei. Ohne den erwünschten Schutz der USA hätte manch ein Golfland seine Dollarbestände bereits stärker abgebaut. Auf lange Sicht ist eine breitere Währungsstreuung der globalen Devisenreserven aber unvermeidlich.

Handelsblatt, 19. Oktober 2007

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Dollar-Crash-Gefahr. Die Asiatische Entwicklungsbank - Asian Development Bank - schlägt Alarm. 

International Herald Tribune, 28. März 2006

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Tomdispatch: Also können Sie sich vorstellen, daß die chinesische, die japanische und die europäische Wirtschaft ohne uns laufen - und nicht mit uns abstürzen.
Chalmers Johnson: Vollkommen richtig, das könnten sie...
Tomdispatch: Wie lange, glauben Sie, wird der Dollar die  internationale Währung bleiben? Ich habe kürzlich vernommen, daß der Iran droht, auf den Euro umzusteigen.
Chalmers Johnson: Ja, sie versuchen, eine Ölbörse auf Euro-Basis aufzubauen. Jedes Land könnte das tun. In der volkswirtschaftlichen Anfängervorlesung an jeder amerikanischen Universität können Sie hören, daß ein Land, das das größte Außenhandelsdefizit der Wirtschaftsgeschichte fährt, einen Preis zahlen muß, wenn das Weltwirtschaftssystem wieder ins Gleichgewicht gebracht werden soll. 

Interview Teil 2; Teil 1.  T:I:S, 24. März 2006

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Iranische Ölbörse. Replik von Winfried Wolf (.rtf-Datei) auf die Kritik von Ralph Kutza   

T:I:S, 24. März 2006 

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Ralph Kutza: Eine Replik auf den Beitrag “Iran-Krieg wegen Dollar?” in der jungen Welt vom 22.03.06 von Winfried Wolf. Winfried Wolfs Beitrag und Ralph Kutzas Replik, jetzt auch im Saar-Echo 

 T:I:S, 23. und 26. März 2006

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Siehe auch: Rainer Sommer: Iranische Öl-Börse. Unfug oder Bedrohung für die Dollar-Hegemonie? Telepolis, 16.03.2006 

T:I:S, 22. März 2006

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Thomas Immanuel Steinberg

In der Dollar-Klemme

Die iranische Ölbörse – Gefahr oder Panikmache?

Öl wird in US-Dollar gehandelt, ebenso wie ein Großteil der übrigen Welthandelsgüter. Doch im Juni 2004 verkündete der Iran, er plane eine Ölbörse auf Euro-Basis.(1) Nach älteren Pressemeldungen sollte sie am vergangenen 20. März 2006 ihre Tore öffnen, doch der Termin wurde verschoben.

Könnte die Teheraner Börse späterhin einen Dollar-Crash oder gar eine Weltwirtschaftskrise auslösen? Droht deshalb der Westen dem Iran mit Krieg? Im Netz kursieren solche Behauptungen. Die Financial Times Deutschland hat versucht, sie zurückzuweisen, mit guten und mit schlechten Argumenten.(2) 

Die Lage der Weltwirtschaft

Unstrittig ist die weltwirtschaftliche Lage: Die USA führen 50% mehr Waren ein als aus. Die EU, China und ein paar andere Länder führen in die USA mehr aus, als sie von dort einführen. Das – übrigens ständig wachsende – Außenhandelsdefizit der USA bedeutet: Europäer und Chinesen stellen mehr Güter her, als sie verbrauchen, und US-Amerikaner verbrauchen mehr Güter, als sie herstellen. Das ständige und ständig wachsende Außenhandelsdefizit ist ein ständiges zinsloses Darlehen Europas und Chinas an die USA. Die Gläubigerländer gewähren den USA deshalb den Dauer-Kredit, weil zum einen ihre exportorientierten Industriellen davon profitieren; zum andern bildet er eine Kompensation für US-amerikanische Kriegs-Aufwendungen  im weltkapitalistischen Interesse. Die Hersteller der Waren, die arbeitenden Chinesen und Europäerinnen, haben das Nachsehen; die US-amerikanischen Verbraucher haben insoweit einen Vorteil, als ihnen die herrschende Klasse von teilweise kreditierten Waren zu leben gestattet, von Gütern also, die sie nicht hergestellt haben. 

Die Crash-Gefahr

Freilich bezahlen die US-amerikanischen Importeure die Ware, und zwar in Dollar. Die ausländischen Exporteure kaufen vom Dollar-Erlös Anlagen in den USA: Immobilien, Fabriken und Besitztitel über Immobilien und Fabriken, also Anleihen und Aktien. Solange der Dollar seinen Wert behält oder sogar steigt, vermehren sie ihr Vermögen. Sinkt er, werden sie ihr Vermögen zu sichern versuchen, die Werte verkaufen, die erlösten Dollar zum Beispiel in Euro umtauschen und Werte in Euro-Land kaufen. Dadurch würde der Dollar, weil stärker angeboten und weniger nachgefragt, im Wert sinken. US-amerikanische Importeure könnten wegen des niedrigen Dollar-Werts nicht mehr soviel einkaufen. In die USA importierte Ware würde dort teurer werden, und die US-Verbraucher könnten nicht mehr soviel davon erwerben. Entsprechend könnten europäische und chinesische Exporteure nicht mehr soviel an die USA verkaufen. Fehlt es gleichzeitig in Europa an Binnennachfrage, sprich: fehlt den Leuten und dem Staat das Geld zum Ausgeben im Lande, wie zur Zeit der Fall, müßten hier Fabriken schließen, noch weniger Leute hätten Geld zum Einkaufen, und die Steuereinnahmen würden sinken. Das wäre der große Crash. Und daß er droht, steht außer Frage.(3)

Die irakische Euro-Ölbörse 

Eine Teheraner Ölbörse, an der das wichtige Wirtschaftsgut Öl in Euro statt in Dollar gehandelt wird, könnte der Auslöser für rasche Währungsumschichtungen in den Export-Überschuß-Gebieten sein, also vor allem in China und der EU. Der Dollar-Wert würde sinken, mit den beschriebenen Folgen. 

Ob die Ölbörse tatsächlich der Auslöser sein wird, ist fraglich. Zum einen hat der Beauftragte des iranischen Ölministers für die Errichtung der Teheraner Ölbörse,  Mohammad Javad Asemipur, laut Globe and Mail vom 14. März 2006 die Eröffnung nun erst für Mitte des Jahres 2006 angekündigt.  Zunächst sollen dort petrochemische Produkte gehandelt werden, und nach drei Jahren wahrscheinlich auch Rohöl. In welcher Währung gehandelt werde, würden die Marktteilnehmer entscheiden, nicht die iranische Regierung.(4) Zum anderen macht der Ölhandel zwar einen wichtigen, aber nur einen kleinen Teil der Weltwarenströme aus, wie die Financial Times zutreffend bemerkt. 

Eine Kettenreaktion auf den Schwenk zum Euro im gesamten Weltölhandel ist dennoch denkbar, wie Cóilín Nunan im Jahre 2003 dargelegt hat. Auch verwies Nunan im November 2004 darauf, wann Großbritannien und die USA den Irak überfielen, nämlich als Saddam Hussein Verträge über Öl nur noch in Euro abzuschließen begann. Und als Venezuela Teile seines Öls als Barter-Geschäft (Ware gegen Ware) abzuwickeln anfing, um sich ebenfalls aus dem Dollar zurückzuziehen, entkam Hugo Chávez nur knapp einem Attentat. Der Europäischen Union, so Cóilín Nunan, käme eine Umstellung des Ölhandels auf Euro zupaß, zöge sie dann doch die gleichen Vorteile aus dem Welthandel wie jetzt die USA: Sie könnte Öl und andere Waren für das Geld einführen, das sie selbst macht, statt für Dollar zugunsten allein der USA. Die EU, meint Cóilín Nunan, befürchte zwar eine abrupte Verschiebung vom Dollar auf den Euro wegen der drohenden Weltwirtschaftskrise. Eine allmähliche Verschiebung geriete ihr aber zum  Vorteil. (5)

Sebastian Dullien hält in der Financial Times Deutschland entgegen, die chinesische Zentralbank sei in den letzten Jahren der wichtigste Käufer von US-Wertpapieren gewesen und habe dadurch den Dollar gestützt; US-Finanzminister John Snow fordere jedoch China andauernd dazu auf, diese Stützkäufe einzustellen. „Wenn Washington erreichen will, daß der Rest der Welt weiter Dollar kauft, warum sollte es dann Druck auf den besten Treasury-Kunden (den besten Anleihen-Käufer, T:I:S) ausüben, die Dollar-Käufe einzustellen?“ Mit Cóilín Nunan ist die Antwort so einfach wie plausibel: Die USA können einen Rückzug ausländischer Investoren auf Dauer nicht verhindern und plädieren für das kleinere Übel: den allmählichen Rückzug. Auch sie fürchten einen Crash bei plötzlichem Rückzug aus dem Dollar.

Krieg um die Leitwährungsfunktion? 

Ein Krieg gegen den Iran, so die Financial Times weiter, würde die US-Staatsausgaben in die Höhe treiben; ohne gleichzeitige Steuererhöhung würde sich das Handelsbilanzdefizit der USA sofort weiter erhöhen. Die USA hätten daher kein Interesse an einem Krieg aus diesem Grunde. Das stimmt – kurzfristig. Langfristig stimmt das Argument nur für den Fall einer Niederlage. Siegen die USA und können sich den iranischen Reichtum einverleiben, so, wie sie es jetzt im Irak versuchen, dann sind sie reicher und mächtiger, also kreditwürdiger, und können den bisherigen Kurs fortsetzen. Ein siegreicher Krieg über den Iran würde den USA tatsächlich für einige Zeit aus der Patsche helfen.

Die EU in der Dollar-Klemme 

Die Financial Times meint zudem, die EU hätte ein Interesse an einer kräftigen US-Nachfrage. Ohne starken Export wäre, wegen der geringen Binnennachfrage, die eigene Produktionskapazität nicht ausgelastet. Bei einer Dollar-Abwertung würde die Außen-Nachfrage wegbrechen und die Arbeitslosigkeit in der EU steigen. Auch dieses Argument stimmt - beim gegenwärtigen Sachstand. Wie ausgeführt, fehlt auch europäischen Kapitalisten und deren Regierungen das Interesse an einem Dollar-Crash. Bekäme jedoch die europäische Bevölkerung, vor allem die untere Einkommensschicht, mehr Geld, und würden die europäischen Regierungen die Steuermittel auf inländische Aufgaben lenken, weg von der Export- und Exportindustrieförderung, dann könnte die EU ohne größere Gefahr vom Handel in Dollar auf den Handel in Euro umsteigen und im gleichen Zuge den Exportüberschuß gegenüber den USA abbauen. 

Vereinfacht und ohne den Geldkreislauf betrachtet: Die Gütermasse der EU, die jetzt in die USA ausgeführt wird, ohne daß ihr eine entsprechende Einfuhr gegenüber steht, also der dauernd überschießende Teil des Außenhandels, bliebe in der EU und stünde hier zum Verbrauch zur Verfügung. Die Arbeiter und Angestellten würden die gleiche Gütermasse herstellen wie gegenwärtig, aber selber mehr davon haben (wenn ihnen Kapitalisten und Staat sie nicht auf andere Weise vorenthalten). Der europäische Außenhandelsüberschuß ist nichts anderes als die Gütermasse, die den europäischen Staaten und ihren Bewohnern zur eigenen Verwendung entzogen wird. 

Eine derartige – keynesianische – Politik müßte gegen das ausfuhrorientierte und ausfuhrabhängige Kapital durchgesetzt werden; und gegen das Kapital insgesamt, das die dafür erforderlichen Lohnerhöhungen und die dafür erforderliche Stärkung der staaatlichen Binnennachfrage wegen der zugleich drohenden Gewinneinbußen fürchtet. Doch Exportkapital und Gesamtkapital werden täglich stärker: Die europäischen Regierungen stecken in der Dollar-Klemme. Um den Crash zu vermeiden, der auch das heimische Kapital treffen würde, müssen sie den Dollar – gegen das langfristige Interesse des heimischen Kapitals – bis auf weiteres stützen.

Staatskapitalistische Lösung in China 

Auch chinesische Arbeiter produzieren viel mehr, als sie verzehren, nicht allein wegen des Unternehmergewinns, sondern vor allem wegen des chinesischen Außenhandelsüberschusses (von dem natürlich das exportorientierte chinesische Kapital immens profitiert). Chinesische Partei- und Staatsführung haben kürzlich wegen der Crash-Gefahr und der entstandenen systemgefährdenden Vermögens- und Einkommensunterschiede Kurs auf verstärkte inländische Verwendung der eigenen Fertigung genommen. Sie dürften damit ihre Export- und Dollar-Abhängigkeit mindern. (6)

Den EU-Ländern fehlt die zentrale Regulierungsinstanz, über die China verfügt. Eine Umsteuerung nach chinesischem Vorbild dürfte schwierig sein. Teile der EU-Herrschaftselite dürften begrüßen, daß der Iran Ölprodukte in Euro verrechnen will, statt in Dollar. Daß der andere Teil die Ölbörse für einen möglichen Crash-Auslöser hält, ist fraglich; und noch fraglicher, daß er aus diesem Grunde eine Beteiligung am  Krieg gegen den Iran wünscht und auch durchsetzt. 

Die US-Herrschaftselite zielt mit ihrer Kriegsdrohung gegen den Iran auf die Beherrschung allen Öls in der Welt. Die Teheraner Ölbörsen-Planung könnte ihr dabei in die Quere kommen. Doch zur Zeit ist sie kein herausragender Kriegsgrund. 

T:I:S, 21. März 2006

Anmerkungen:

(1) Terry Macalister: Iran takes on west's control of oil trading. Guardian,  Wednesday June 16, 2004
(2) Sebastian Dullien: Krieg um den Dollar. Internetforen zufolge werden die USA Iran angreifen, um den Dollar zu stützen - ein gefährlicher Mythos. Financial Times Deutschland, 17. März 2006, S. 32
(3) Für wie groß die Gefahr gehalten wird, belegt Sebastian Dullien (FTD) in einer Sündenbock-Volte: "Verschwörungstheorien" im Internet könnten auf die europäische Herrschaftselite übergreifen und das weltkapitalistische Krisen-Pulver zünden.  
(4)  John Partridge: Launch of Iranian oil trading hits wall. Globe and Mail.com March 14, 2006

(5) Cóilín Nunan: Petrodollar or Petroeuro? A new source of global conflict. In: Growth: The Celtic Cancer, the second Feasta Review, November 2004

(6)  Nationaler Volkskongreß billigt den 11. Fünfjahresplan.China.org.cn, 15. März 2006

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/ueeurodollar.htm#T

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Zur iranischen Ölbörse siehe auch Reinhard Blomert: Iran, der Dollar und das Öl. Das auf die USA zugeschnittene System der Weltwährung gerät aus den Fugen. berlin online, 18. März 2006. T:I:S, 21. März 2006 

Von Sand im Getriebe, dem attac-Rundbrief, ist die Nummer 49 als .pdf-Datei erschienen, mit den Aufsätzen zur iranischen Ölbörse von Ron Paul, S. 19, und von Krasimir Pedrov, S. 23. T:I:S, 15. März 2006

1958:  „... das Vereinigte Königreich betont, seine finanzielle Stabilität wäre ernsthaft gefährdet, wenn das Petroleum aus Kuwait und dem Persischen Golf-Gebiet vom Vereinigten Königreich nicht zu vernünftigen Bedingungen erhältlich wäre, wenn das Vereinigte Königreich der umfangreichen Investitionen dieser Region im Vereinigten Königreich beraubt wäre und wenn das Pfund Sterling der Unterstützung durch das Öl vom Persischen Golf entbehren müßte.“ siehe Milan Rai in der Übersetzung von T:I:S, 13. März 2006

Jérôme Guillet, auf dessen Gazprom-Kenntnisse SteinbergRecherche seine Einschätzung der jüngsten ukrainisch-russischen Gaspreis-Kontroverse gestützt hat, hält die Etablierung einer iranischen Euro-Ölbörse (siehe Iran Daily - Domestic Economy - 030606  für unwahrscheinlich. Auch würde sie dem Dollar als Welt-Leitwährung nichts anhaben können. Eine andere Sache sei es, wenn mehrere große Hydrokarbon-Lieferanten ihre Währungsreserven von Dollar auf Euro umschichten würden. Guillet hält offenbar eine iranische Euro-Ölbörse nicht für den Funken, der einen derartigen Flächenbrand auslösen könnte und den deshalb die US-Regierung durch Krieg löschen wolle. T:I:S, 13. März 2006   

Ron Paul aus Texas, republikanisches Mitglied im Repräsentantenhaus, teilt die Meinung, daß die vom Iran angekündigte Euro-Ölbörse ein Grund für die US-Kriegsdrohungen gegen den Iran ist, wenn auch nicht der einzige. T:I:S, 11. März 2006 (Dank für den Hinweis an Wolf Thom)

Ist Bush der Dollar wurscht? "Um zu glauben, die US-Regierung plane einen Angriff auf den Iran in Abwehr der Bedrohung des Dollar durch eine iranische Ölbörse auf Euro-Basis, muß man zunächst glauben, daß die Bush-Regierung sich um solche Sachen kümmert – und dafür spricht wenig." (Gwynne Dyer, Iran, Oil and Euros: The War Scenario). T:I:S, 10. März 2006

Auf neuerem Stand: Petrodollar Warfare. Dollars, Euros and the Upcoming Iranian Oil Bourse by William R. Clark, T:I:S, 5. August 2005 - Gegenposition und Debatte hier. T:I:S, 13. März 2006

Als Einführung eignet sich der kleine Vortrag zum Thema  Reservewährung . T:I:S, 3. August 2003

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Cóilín Nunan

Das Öl, die Währung und der Krieg gegen den Irak

Oil, Currency and the War on Iraq.  FEASTA - The Foundation for the Economics of Sustainability. Dublin  2003 http://www.feasta.org/documents/papers/oil1.htm 

Übersetzung von Thomas Immanuel Steinberg

Jeder weiß, daß die USA ökonomisch und militärisch die Welt beherrschen. Aber die genauen Mechanismen, die zur amerikanische Hegemonie geführt haben und sie nun absichern, sind möglicherweise weniger gut durchschaut worden, als sie es sein sollten. Ein Werkzeug mit großer Wirkung war der Dollar. Doch seine Wirksamkeit ist bedroht, seit Europa kürzlich den Euro eingeführt hat.

Der Dollar ist faktisch die Welt-Reservewährung: Etwa zwei Drittel aller offiziellen Währungsreserven werden in Dollar gehalten. Mehr als vier Fünftel aller Außenwirtschaftstransaktionen und die Hälfte der Weltausfuhr werden in Dollar abgewickelt. Außerdem werden alle Kredite des Weltwährungsfonds in Dollar gewährt. Doch je mehr Dollar außerhalb der USA zirkulieren oder von außländischen Eignern in den USA angelegt werden, umso mehr auch muß der Rest der Welt die USA im Austausch für diese Dollar  mit Gütern und Dienstleistungen beliefern. Die Herstellung von Dollar kostet die USA nahezu nichts. Die Tatsache, daß die Welt den Dollar auf diese Weise gebraucht, heißt also, daß die USA große Mengen an Gütern und Dienstleistungen praktisch umsonst importieren.

Da eine so große Menge Dollar im ausländischen Besitz nicht für amerikanische Güter und Dienstleistungen ausgegeben werden, sind die USA offenbar in der Lage, Jahr für Jahr ohne größere wirtschaftliche Folgen ein riesiges Außenhandelsdefizit anzuhäufen. Die jüngst veröffentlichten Zahlen zum Beispiel zeigen, daß im November letzten Jahres (2002, d. Ü.) die US-Einfuhr  48 Prozent mehr wert war als die Ausfuhr.[1] Kein anderes Land kann sich ungestraft ein so großes Außenhandelsdefizit leisten. Die Finanz-Medien erklären uns, daß die USA als „consumer of last resort“ („der Verbraucher-Wenn-alle-Stricke-reißen“) fungieren. Uns wird damit nahe gelegt, daß wir den USA dankbar sein sollten. Aber mehr einleuchten würde eine Beschreibung  des Sachverhalts als gewaltiges zinsloses Darlehen, das die übrige Welt den USA gewährt.

Die Position der USA scheint unangreifbar, aber bedenken wir: Je mehr einer hat,  desto mehr hat er zu verlieren. Und kürzlich gab es Anzeichen dafür, wie zum ersten Mal seit langem die USA anfangen könnten zu verlieren.

Eines der anerkannten Wirtschaftsziele, und vielleicht das vorrangige bei seiner Einführung war, den Euro zu einer Reservewährung zu machen, die dem Dollar gegenüberträte, sodaß auch Europa für nichts etwas bekommen würde.

Aber das eben wäre ein Desaster für die USA.  Nicht nur würden die USA einen Großteil ihrer jährlichen Subventionen, bestehend aus praktisch kostenlosen Gütern und Dienstleistungen, verlieren, sondern außerdem würden auch die Länder, die vom Dollar zum Euro als Reservewährung übergehen, den Wert der US-Währung beeinträchtigen. Einfuhren würden nach und nach die Amerikaner eine Menge mehr kosten, und da eine wachsende Zahl derer, die Dollar haben, sie nach und nach ausgeben, müßten die USA anfangen, ihre Schulden zurückzuzahlen, indem sie Güter und Dienstleistungen ins Ausland liefern. Damit aber würden sie den amerikanischen Lebensstandard senken. Wenn Länder und Unternehmen ihre Dollar-Anlagen in Euro-Anlagen umwandeln, dann wird ohne Zweifel die US-Immobilien- und Wertpapier-Blase platzen. Die Federal Reserve Bank wäre nicht mehr im Stande, mehr Scheine zu drucken, um die Blase wieder aufzupusten, wie sie es zur Zeit offen erwägt. Denn ohne eine Menge Ausländer, die scharf darauf sind, die Dollarscheine weg zu putzen, käme es zu einer ersthaften Inflation, die ihrerseits die Ausländer noch stärker davor zurückschrecken lassen würde, die US-Währung zu behalten, und so würde sich die Krise weiter vertiefen.

Aber auf diesem Weg liegt ein größeres Hindernis: Öl. Öl ist nicht  nur bei weitem das wichtigste internationale Handelsgut, es ist der Lebenssaft aller modernen industrialisierten Volkswirtschaften. Hast du kein Öl, mußt du es kaufen. Und wenn du Öl auf den internationalen Märkten kaufen willst, mußt du normalerweise Dollar haben. Bis vor kurzem waren alle OPEC-Länder sich darüber einig, Öl nur gegen Dollar zu verkaufen. Solange wie das der Fall war, war es unwahrscheinlich, daß der Euro Hauptreservewährung werden könnte: Es hat nicht viel Sinn, Euros vorzuhalten, wenn sie in Dollar gewechselt werden müssen, sobald Öl gekauft werden muß. Diese Regelung hieß auch, daß die USA tatsächlich den gesamten Welt-Ölmarkt teil-beherrschten: Öl konnte nur kaufen, wer Dollar hatte, und nur ein Land hatte das Recht Dollar zu drucken - die USA.

Wenn andererseits die OPEC entscheiden würde, nur Euro für ihr Öl zu akzeptieren (unterstellt, ihr würde erlaubt, so zu entscheiden), dann wäre es vorbei mit der amerikanischen Wirtschaftsdominanz. Nicht nur würde Europa nicht mehr so viele Dollar benötigen, sondern auch Japan, das 80 Prozent seines Öls aus dem Nahen Osten bezieht, würde es für vernünftig ansehen, einen Großteil seiner Dollar-Guthaben in Euro-Guthaben umzuwandeln. (Japan subventioniert die USA am meisten, weil es so viele Dollar-Investitionen getätigt hat.) Die USA andererseits, als weltgrößte Ölimporteure, würden einen Außenhandelsüberschuß erzielen müssen, um Euros zu erlangen. Der Wechsel von einem Handelsbilanzdefizit zu einem Handelsbilanzüberschuß müßte in einem Augenblick vollzogen werden, in dem ihre Immobilien- und Börsenpreise zusammenbrechen und das inländische Angebot an Öl und Gas dahin schwindet. Es wäre eine sehr schmerzliche Umstellung.

Die rein wirtschaftlichen Argumente dafür, daß  die OPEC zumindest für eine Weile auf den Euro umzusteigt, scheinen sehr überzeugend. Die Euro-Zone häuft weder ein riesiges Außenhandelsdefizit auf, noch ist sie beim Rest der Welt schwer verschuldet, wie die USA, und die Zinsen liegen in der Euro-Zone merklich höher. Die Euro-Zone hat einen höheren Anteil am Welthandel als die USA und ist der Haupthandelspartner des Nahen Ostens. Und nahezu alles, was man für Dollar kaufen kann, kann man auch für Euro kaufen - außer natürlich Öl. Zudem, wenn die OPEC ihre Dollar-Anlagen in Euro-Anlagen umwandelt und dann die Bezahlung des Öls in Euro verlangt, so würden ihre Anlagen sofort im Wert steigen, weil öleinführende Länder ebenfalls gezwungen wären, Teile ihrer Guthaben zu konvertieren, was die Preise hochtreiben würde. Für die OPEC wäre die Stärkung des Euro eine sich selbst erfüllende Prophezeihung. Die OPEC könnte dann zu einem späteren Zeitpunkt zu einer anderen Währung übergehen, vielleicht zurück zum Dollar, und wieder riesige Gewinne machen.

Aber natürlich ist das keine rein wirtschaftliche Entscheidung.

Bisher hat es erst ein OPEC-Land gewagt, zum Euro überzugehen: Irak im November 2000[2],[3]. Es besteht wenig Zweifel daran, daß es sich hierbei um einen bewußten Versuch Saddams gehandelt hat, gegen die USA zurückzuschlagen. Wirtschaftlich hat es sich als ein gewaltiger Erfolg herausgestellt: Zum Zeitpunkt der irakischen Umstellung war der Euro 83 US-Cent wert. Jetzt liegt er über 1,05 Dollar  (Anm. d. Übers.: Mitte März  2003 über 1,10 Dollar). Aber diese Entscheidung könnte auch andere Folgen haben.

Ein anderes OPEC-Land hat seit 1999 öffentlich über einen möglichen Wechsel zum Euro gesprochen: Iran[4], ein Land, das seitdem zu George W. Bushs „Achse des Bösen“ gehört.

Ein drittes OPEC-Land, daß sich kürzlich mit der US-Regierung entzweit hat, ist Venezuela, und auch dieses Land hat sich illoyal zum Dollar verhalten. Unter Hugo Chavez’ Regierung hat Venezuela Barter-Geschäfte (Anm. d. Übers.: Ware gegen Ware) mit zwölf lateinamerikanischen Ländern und mit Kuba vereinbart. Das heißt, den USA entgeht ihre übliche Subvention, und das mag erklären, warum die Amerikaner Chávez gehen sehen wollen. Auf dem OPEC-Gipfel im September 2000 trug Chávez den OPEC-Regierungschefs den Bericht über das „Iinternational Seminar on the Future of Energy“ vor, einer Konferenz, die Chávez im gleichen Jahr über das zukünftige Angebot an fossiler und erneuerbaren Energie einberufen hatte. Eine der beiden zentralen Empfehlungen war, daß die „OPEC  sich den hochtechnisierten elektronischen Barter- und Bilateral-Austausch ihres Öls mit ihren Entwicklungsländer-Kunden zu Nutze machen solle“[5], das heißt, die OPEC solle sowohl den Dollar als auch den Euro bei vielen Geschäften meiden.

Und letzten April hielt ein führender OPEC-Repräsentant in Spanien während der spanischen EU-Präsidentschaft einen Vortrag, in dem er verdeutlichte, daß die OPEC zwar noch nicht plane, Öl für Euros anzubieten, aber daß es eine Möglichkeit sei, die in Betracht gezogen würde und die durchaus von wirtschaftlichem Vorteil für viele OPEC-Länder sein könnte, vor allem die im Nahen Osten.[6]

Die Ölproduktion in den meisten ölproduzierenden Ländern sinkt. In den kommenden Jahren wird daher die Bedeutung der großen Ölproduzenten, besonders derer im Nahen Osten steigen und steigen.[7]

Der Irak, dessen Ölproduktion durch die Sanktionen stark beschnitten worden ist, ist eines der wenigen Länder, die den drohenden Mangel an Öl lindern helfen können. Europa, ebenso wie der Rest der Welt, wünscht sich eine friedliche Lösung der Spannungen zwischen den USA und dem Irak und eine schrittweise Aufhebung der Sanktionen. Das würde seinen Interessen sicher am meisten dienen. Doch da irkisches Öl in Euro gehandelt wird, könnte seine größere Verfügbarkeit den Würgegriff des Dollar lockern und  möglicherweise der US-amerikanischen wirtschaftlichen Gesundheit mehr schaden als nützen.

All das sind schlechte Nachrichten für die US-Wirtschaft und den Dollar. Washington muß befürchten, daß künftig nicht nur der Ölpreis nicht in Ordnung ist, sondern auch das Zahlungsmittel nicht. Was vielleicht erklären hilft, warum die USA sich verstärkt ihrem zweiten großen Werkzeug zur Beherrschung der Weltgeschäfte zuwenden: der militärischen Gewalt.[8]

T:I:S, im März 2003

[1] Anon., ‘Trade Deficit Surges to a Record High’, Reuters, (January 17, 2003), http://www.centredaily.com/mld/centredaily/news/4970891.htm

[2] Recknagel, Charles, ‘Iraq: Baghdad Moves to Euro’, Radio Free Europe (November 1, 2000), http://www.rferl.org/nca/features/2000/11/01112000160846.asp

[3] Anon., ‘A Look At The World's Economy’, CBS Worldwide Inc., (December 22, 2000), http://www.cbsnews.com/stories/2000/12/22/2000/main259203.shtml

[4] Anon., ‘Iran may switch to euro for crude sale payments’, Alexander Oil and Gas, (September 5, 2002), http://www.gasandoil.com/goc/news/ntm23638.htm

[5] Hazel Henderson, ‘Globocop v. Venezuela’s Chavez: Oil, Globalization and Competing Visions of Development’, InterPress Service, (April 2002), http://www.hazelhenderson.com/Globocop%20v.%20Chavez.htm

[6] Javad Yarjani, ‘The Choice of Currency for the Denomination of the Oil Bill’, (April 14, 2002), http://www.opec.org/NewsInfo/Speeches/sp2002/spAraqueSpainApr14.htm

[7] The Association for the Study of Peak Oil, Newsletter 26, (February 2003), http://www.asponews.org

[8] Weiterführende Lektüre: William Clark, ‘The Real Reasons for the Upcoming War With Iraq: A Macroeconomic and Geostrategic Analysis of the Unspoken Truth’, (January 2003), http://www.ratical.org/ratville/CAH/RRiraqWar.html

Siehe auch den einführenden Vortrag zum Thema "Reservewährung" von Thomas Immanuel Steinberg

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