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Thomas Immanuel Steinberg   

Togo auf internationaler Agenda 

Unterschiedliche Interessen ehemaliger Kolonialmächte. Geostrategische Bedeutung des Landes und des Hafens von Lomé

 

Der kleine westafrikanische Staat Togo bleibt Zankapfel ehemaliger Kolonialmächte. Zunächst traf am Mittwoch eine Delegation der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS zu Gesprächen in Luxemburg ein, bei denen Togo eine Rolle gespielt haben dürfte. Dann wurde das Thema am gestrigen Donnerstag auf einem Gipfel unter Schirmherrschaft der Afrikanischen Union im nigerianischen Abuja verhandelt. Ergebnisse wurden bisher nicht veröffentlicht. Allerdings liegt die Bedeutung des Landes am Golf von Guinea für ausländische Mächte auf der Hand. So fragte jüngst Radio France International den grünen Abgeordneten der französischen Nationalversammlung, Noël Mamère, wie er sich das große französische Interesse am kleinen Togo erkläre. Erstens, antwortete Mamère, weil Frankreich dort mit anderen ehemaligen Kolonialmächten konkurriere; zweitens sei Togo geostrategisch bedeutend.

Die Rolle Frankreichs

Frankreich hat jahrzehntelang den Diktator Gnassingbé Eyadéma unterstützt und nach dessen Tod nichts dagegen unternommen, daß sich sein Sohn Fauré Gnassingbé im Februar 2005 an die Macht putschte. Dann wurde in Togo gewählt. Beobachter hielten die Wahlergebnisse für gefälscht, aber die französische Regierung erkannte den Putschisten dennoch als rechtmäßigen Präsidenten an. Vermutlich waren es Anhänger der von Franzosen protegierten herrschenden Gruppe, die das Goethe-Institut in der Hauptstadt Lomé am 29. April 2005 in Brand setzten. (junge Welt berichtete).

Warum konkurriert Frankreich mit dem anglo-amerikanischen Block und dem ehemaligen Kolonialherren Deutschland in Togo? Worin besteht die geostrategische Bedeutung des Landstreifens im Süden der westafrikanischen Beule, nirgends mehr als 160 Kilometer breit und reichlich von Savanne bedeckt? Phosphat, wichtig zum Düngen, ist der bedeutendste togolesische Bodenschatz. Der Phosphatabbau ist so hoch, daß er in Weltstatistiken gesondert aufgeführt wird. Die Reserven betragen aber nur drei bis fünf Tausendstel der Reserven Marokkos und der Westsahara. Auch Kakao und Kaffee, togolesische Exportprodukte, deren Weltmarktpreise inflationsbereinigt seit Jahrzehnten sinken, reichen kaum als Erklärung für das Interesse an dem Land.


Eine Gabunerin demonstriert mit dem Bild von Toussaint-L'Ouverture, dem haitianischen Sieger gegen Napoleon, für ein freies Togo. Paris, 8. Mai 2005  - Foto: tofoto

Dr. Kodzovi Kpomda, Arzt und Pariser Sprecher von OPESA.AT (Collectif des Personnels de Santé Actions Togo), meint, es gehe vielmehr um die wirtschaftspolitische Bedeutung des Hafens der togolesischen Hauptstadt Lomé. Dieser wurde in den sechziger Jahren mit Geld aus der Bundesrepublik Deutschland gebaut – und besitzt bis heute mit 12,5 Metern die größte Kaitiefe an der westafrikanischen Küste. Ein kürzlich fertiggestelltes Terminal kann bis zu 250 Container in der Stunde abfertigen – der Hafen gilt als der modernste Afrikas. Er ist aber nicht der größte. Der große Ölhafen Lagos in Nigeria ist nur 200 Kilometer entfernt, der größte Hafen Westafrikas, Abidjan in Côte d’Ivoire, rund 500 Kilometer. Doch sowohl Nigeria als auch Côte d’Ivoire werden von politischen Unruhen erschüttert. So sank der Umschlag von Abidjan um bis zu 50 Prozent. Der Warenaustausch mit den Ländern ohne Meerzugang Burkina Faso, Mali und Niger wurde umgeleitet, unter anderem auf Lomé. Wer über die Häfen verfügt, herrscht nicht nur über die Küste, sondern auch über das westafrikanische Hinterland.

Öl vor den Küsten

Hinzu kommt: Vor der Küste Nigerias sprudelt das Öl, vor den Küsten aller westlichen Nachbarländer wurden Rechte für Probebohrungen vergeben. Bei der nigerianischen Ölförderung fällt Erdgas an, das bisher zu drei Vierteln abgefackelt wird. Eine großenteils durchs Meer verlaufende küstennahe West African Gas Pipeline (WAGP) mit einer Gesamtinvestionssumme von 500 Millionen Dollar wird ab Juni 2005 die Küstenstadt Cotonu in Bénin und Lomé mit nigerianischem Erdgas bedienen, 2007 sollen drei ghanaische Häfen hinzukommen. Neben einer nigerianischen Gesellschaft sind Chevron und Shell Hauptinvestoren. 

Der Text ist am 20. Mai 2005 in der jungen Welt erschienen. http://www.jungewelt.de/2005/05-20/006.php 

T:I:S, 19. Mai 2005 

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