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Die Redaktion der deutschsprachigen Ausgabe von Le Monde diplomatique im Hause taz hat auf die erhobenen Vorwürfe ( Le Monde diplomatique und taz-Fälschungen 2002 und  jW- Interview reagiert – ohne sie zu entkräften. Stattdessen entdeckt sie die deutsche Volksseele in einer Französin. Auch dichtet sie Marie-Dominique Vernhes einen Aufruf zum Boykott Israels an. Die deutschen Le-Monde-diplomatique-Redakteure bemänteln ihren präventiven Antikommunismus (Arnold Schölzel) „antideutsch“ und verheddern sich. Sie haben nicht recherchiert. junge Welt vom 23. April 2005 anklicken. 

T:I:S, 23. April 2005

*

Dokumentation

Le Monde diplomatique - im Original und als taz-Beilage

Marie-Dominique Vernhes schreibt: "Einige Texte sind regelrecht gefälscht." Im folgenden hat sie dokumentiert:

1. Leitartikel von Le Monde diplomatique, April 2002: taz-Fassung, Korrektur der taz-Fassung, französisches Original (mit Korrespondenz)

2. Briefaustausch zwischen der taz und Marie-Dominique Vernhes  zu dem Artikel von M. Bishara

3.  Vergleich zwischen dem englischen Originaltext von Marwan Bishara und der deutschen Übersetzung in der taz-Le Monde diplomatique vom 12.10.2001

Weitere Kritik von Marie-Dominique Vernhes an der taz aus dem Jahre 2005 unter Le Monde diplomatique. Zum Interview mit Marie-Dominique Vernhes in der jungen Welt vom 8. April 2005 geht es hier.

T:I:S, 21. April 2005

 * 

1. Leitartikel von Le Monde diplomatique, April 2002 

1.1. Brief  an die Redaktion der TAZ-Beilage “Le Monde Diplomatique”, 12.4.2002 

Die Übersetzung des Leitartikels von Ignacio Ramonet ist falsch und entstellt die eigentliche Position von Ignacio Ramonet. Ich bitte Sie, auf meine Korrekturen einzugehen und insbesondere folgende drei Fragen zu beantworten;

1. Warum haben Sie nicht die Überschrift (La paix maintenant - Frieden jetzt) übernommen?

2. Warum haben Sie den ganzen letzten Absatz hinzugefügt, dessen zentrale Aussage wohl die ist, dass Israels militärische Aktionen eine Antwort auf “Selbstmordattentate” wäre - Wieder einmal müssen “Terroristen” als Begründung für Verbrechen an ein ganzes Volk herhalten?

Unabhängig von Ihrer Einschätzung, (die Sie bitte als solche zu kennzeichnen hätten!!!) - dieser letzte Absatz ist im Original nicht vorhanden. Dies Ignacio Ramonet zu unterschieben ist eine widerliche Fälschung.

3. Warum haben Sie Sätze aus dem Text von Ramonet herausgestrichen (Platz hätte es genügend gegeben!) 

Weiter:

Ebenfalls gefälscht ist der Leitartikel – auch von Ramonet – in der März-Ausgabe über „die Achse des Bösen“. 

Die Liste könnte ich fortführen. 

Ich hatte schon vor einigen Monaten auf eine noch umfangreichere Fälschung hingewiesen - (Artikel von Marwan Bishara, Le Monde Diplomatique von Okt. 2001). Auf eine Antwort warte ich immer noch. 

Ich schicke diesen Brief mit dem Textvergleich, meiner Kritik an der Übersetzung von M. Bishara und Ihrer  “Antwort” heute noch an die französische Redaktion von Le Monde Diplomatique und an interessierte Menschen. 

Gruß 

Marie-Dominique Vernhes

1.2. Erläuterungen zu den Texten 1 und 2 

Kursiv in der Fassung der TAZ: die falschen Übersetzungen.
Kursiv in meiner Übersetzung: die entsprechenden Berichtigungen.

Unterstrichen in der Fassung der TAZ: Die von der TAZ hinzugefügten Stellen.

Die von der TAZ nicht übersetzten Stellen sind mit (....) gekennzeichnet. Deren Übersetzung in meinem Text ist fett gedruckt.

 

Text 1: Artikel der TAZ- Beilage von Le Monde Diplomatique, 12.4.2002 

Sabotierter Friede

Von IGNACIO RAMONET

VOLLSTÄNDIGER Friede und Rückgabe aller besetzten Territorien: diesen Plan mit dem Vorteil großer Einfachheit unterbreitete im Februar dieses Jahres Prinz Abdallah von Saudi-Arabien und stellte ihn auf dem arabischen Gipfel von Beirut zur Diskussion: Israel zieht sich auf die Grenzen vom 4. Juni 1967 zurück, die Golanhöhen gehen wieder an Syrien, und im Gaza-Streifen, im Westjordanland und in Ostjerusalem entsteht ein palästinensischer Staat. Als Gegenleistung nehmen die 22 Mitglieder der Arabischen Liga volle diplomatische Beziehungen zu Israel auf, normalisieren die Handelsbeziehungen und verpflichten sich, die Sicherheit der israelischen Grenzen zu garantieren. (Von den arabischen Staaten haben lediglich Ägypten und Jordanien einen Friedensvertrag mit Israel abgeschlossen.)

Vollständiger Rückzug gegen vollständigen Frieden: diese schlichte Gleichung stieß bei allen Regierungen auf lebhaftes Interesse. Dabei ist der Vorschlag so neu nicht: Das Prinzip "Land gegen Frieden" ist bereits in den Resolutionen 242 und 338 des UN-Sicherheitsrats von 1967 und 1973 enthalten.(...) Auf dieser Grundlage beruhte bereits die Konferenz von Madrid 1991 und das - inzwischen obsolet gewordene - Osloer Abkommen zwischen Israelis und Palästinensern. Die Verhandlungen von Camp David im Juli 2000, kurz vor Ausbruch der zweiten Intifada, gingen ebenso von diesem Prinzip aus wie die als "letzte Chance" bezeichneten Gespräche in Taba vom Januar 2001.

Da die saudi-arabische Initiative also nichts wirklich Neues zu bieten hat, fragt man sich, weshalb sie solch große Hoffnungen geweckt hat. Weil sie zu einem Zeitpunkt vorgebracht wurde, als drei Dynamiken zum Stillstand gekommen zu sein schienen (...).

Die erste dieser Dynamiken ist die von General Scharon gewählte Gewaltstrategie, um die Palästinenser in die Knie zu zwingen und sie dazu zu bringen, im Namen eines religiös hergeleiteten Anspruchs auf ein "Großisrael" die Endgültigkeit der Besiedlung eines Teils der besetzten Gebiete zu akzeptieren, die international als palästinensisches Territorium anerkannt sind.(...) . Seit Februar 2001 sind im Zuge dieser Politik 34 neue Siedlungen gegründet worden.) Der unverhältnismäßige Einsatz von Kriegsschiffen, F-16-Jagdbombern, Kampfhubschraubern und Panzern gegen eine weitgehend waffenlose Bevölkerung hat nicht die von Scharon und seinem Generalstab gewünschte Wirkung gezeitigt.

Ganz im Gegenteil: Nie zuvor hatten die Israelis so hohe Verluste an Menschenleben zu beklagen (...), nie zuvor war die Unsicherheit im Land selbst so groß. Überdies haben die Verbrechen der Armee bei der Besetzung der Städte des Westjordanlandes dem internationalen Ansehen Israels sehr geschadet und sogar bei der israelischen Bevölkerung Widerwillen hervorgerufen. Die Menschenrechtsorganisation B'Tselem erklärte schon am 12. März: "In allen Städten und Flüchtlingslagern, in die die Armee einmarschiert ist, haben die israelischen Soldaten hemmungslos geschossen und unschuldige Zivilisten getötet, sie haben absichtlich die Wasser-, Strom- und Telefonleitungen zerstört, sie haben Privathäuser gestürmt und zerstört, sie haben auf Krankenwagen geschossen und die medizinische Versorgung von Verletzten verhindert." In den Reihen der Armee finden immer mehr israelische Offiziere den Mut, Nein zu sagen zu diesem Vorgehen, Nein zu sagen zur Besetzung Palästinas. Laut der Jerusalemer Tageszeitung Ma'ariv vom 15. März sprechen sich 60 Prozent der Israelis für einen Rückzug aus bestimmten besetzten Gebieten aus, 63 Prozent sind für die Schaffung eines palästinensischen Staats und 67 Prozent sind mit General Scharon nicht einverstanden.

DIE zweite Dynamik, die sich langsam zu erschöpfen schien, war der Widerstand der Palästinenser. Die Bevölkerung ist am Ende, auch wenn sie es nicht eingestehen mag. Sie hat schwere Schläge aushalten müssen, viele Führer bewaffneter Organisationen fielen den "gezielten Hinrichtungen" der Israelis zum Opfer, und die Infrastruktur des entstehenden palästinensischen Staats liegt in Trümmern. Die Saat der Verzweiflung ging auf und brachte die verbrecherische Strategie der Selbstmordattentate gegen israelische Zivilisten hervor - zum Entsetzen der internationalen Gemeinschaft. Dem Unternehmen Scharons bringt sie Unterstützung unter den israelischen Bürgern. Die palästinensischen Führer, die immer noch auf die Karte des Terrorismus setzen, verkennen den demokratischen Charakter der israelischen Gesellschaft, die ihre Regierung frei wählen kann.

Je grausamer der Terror, desto stärker die Tendenz, Hardliner an die Staatsspitze zu wählen. Es ist daher an der Zeit, dass sich in der palästinensischen Gesellschaft eine starke gewaltfreie Bewegung entwickelt, die mit der Friedensbewegung Israels an einem Strang zieht.(...) Alle Meinungsumfragen bestätigen es: Es gibt in beiden Völkern eine Mehrheit von Bürgern, die Frieden und Versöhnung wünschen.

Die dritte Dynamik, die am Ende zu sein schien, war die einseitige Parteinahme der USA für Israel. Vizepräsident Richard Cheney konnte sich auf seiner kürzlichen Rundreise durch die arabischen Staaten ein Bild davon machen, wie sehr die Haltung Washingtons auf radikale Kritik stößt und den Volkszorn in den arabischen Ländern erregt. Und dass das nötige Bündnis für einen Großangriff auf den Irak auf diese Weise wohl nicht zustande kommen kann.

(...)

Einmal mehr scheinen alle Voraussetzungen für ein Ende des Konflikts gegeben. Mit angehaltenem Atem hoffen die Völker in der Region auf ein Wunder. Doch im Dunkeln lauern die Saboteure des Friedens. Mit der groß angelegten Offensive gegen die palästinensische Autonomiebehörde und all ihre Institutionen als Antwort auf ein durch die Hamas verübtes Selbstmordattentat - wobei kein israelischer Angriff gegen die Hamas stattgefunden hatte - hat die Regierung Scharon mit Billigung der US-Amerikaner ihre Wahl getroffen: alle Friedenshoffnungen zu begraben, sein Land und Palästina in ein mörderisches Mahlwerk zu stürzen und die ganze Region an den Rand des Krieges zu bringen. 

Le Monde diplomatique Nr. 6723 vom 12.4.2002, 175 Zeilen, IGNACIO RAMONET


Text 2: Korrektur der TAZ-Fassung (=Meine Übersetzung) 

Frieden jetzt

Von IGNACIO RAMONET

VOLLSTÄNDIGER Friede gegen Rückgabe aller besetzten Territorien: diesen Plan mit dem Vorteil großer Einfachheit unterbreitete im Februar dieses Jahres Prinz Abdallah von Saudi-Arabien und stellte ihn auf dem arabischen Gipfel von Beirut zur Diskussion: Israel zieht sich auf die Grenzen vom 4. Juni 1967 zurück, die Golanhöhen gehen wieder an Syrien, und im Gaza-Streifen, im Westjordanland und in Ostjerusalem entsteht ein palästinensischer Staat. Als Gegenleistung nehmen die 22 Mitglieder der Arabischen Liga volle diplomatische Beziehungen zu Israel auf, normalisieren die Handelsbeziehungen und verpflichten sich, die Sicherheit Israels zu garantieren. (Von den arabischen Staaten haben lediglich Ägypten und Jordanien einen Friedensvertrag mit Israel abgeschlossen.)

Vollständiger Rückzug gegen vollständigen Frieden: diese schlichte Gleichung stieß bei allen Regierungen auf lebhaftes Interesse. Dabei ist der Vorschlag so neu nicht: Das Prinzip "Land gegen Frieden" ist bereits in den Resolutionen 242 und 338 des UN-Sicherheitsrats von 1967 und 1973 enthalten. Es gibt übrigens einen Präzedenzfall, denn dieses Prinzip wurde schon zwischen Israel und Ägypten nach der historischen Reise von Anur El-Sadat in Jerusalem 1977 und dem Friedensabkommen zwischen beiden Ländern angewandt. Israel gab die Sinai-Halbinsel zurück und baute trotz des Widerstandes der Extremen Rechten die dort errichteten Siedlungen ab. Auf dieser Grundlage beruhte ebenfalls die Konferenz von Madrid 1991 und das - inzwischen obsolet gewordene - Osloer Abkommen zwischen Israelis und Palästinensern. Die Verhandlungen von Camp David im Juli 2000, kurz vor Ausbruch der zweiten Intifada, gingen ebenso von diesem Prinzip aus wie die als "letzte Chance" bezeichneten Gespräche in Taba vom Januar 2001.

Da die saudi-arabische Initiative also nichts wirklich Neues zu bieten hat, fragt man sich, weshalb sie solch große Hoffnungen geweckt hat. Weil sie zu dem passenden Zeitpunkt vorgebracht wurde, als gleichzeitig drei Dynamiken zum Stillstand kommen, die in dem saudi-arabischen Plan plötzlich ein Mittel finden, ihren jeweiligen Misserfolg zu tarnen.

Die erste dieser Dynamiken ist die von General Scharon gewählte Gewaltstrategie, um die Palästinenser in die Knie zu zwingen und sie dazu zu bringen, im Namen eines religiös hergeleiteten Anspruchs auf ein "Großisrael" die Endgültigkeit der Besiedlung eines Teils der besetzten Gebiete zu akzeptieren, die international als palästinensisches Territorium anerkannt sind. ((Im Widerspruch zu den Empfehlungen des Mitchell-Reports, der das Stoppen von Besiedlungen empfiehlt, sind seit Februar 2001 im Zuge dieser Politik 34 neue Siedlungen gegründet worden.) Der unverhältnismäßige Einsatz von Kriegsschiffen, F-16-Jagdbombern, Kampfhubschraubern und Panzern gegen eine weitgehend waffenlose Bevölkerung hat nicht die von Scharon und seinem Generalstab gewünschte Wirkung gezeitigt.

Ganz im Gegenteil: Nie zuvor hatten die Israelis so hohe Verluste an Menschenleben zu beklagen (zu der Zeit der Wahl von Scharon, im Februar 2001 waren 50 Israelis durch die Intifada getötet worden; Ende März 2002 sind es über 350 Tote), nie zuvor war die Unsicherheit im Land selbst so groß. Überdies haben die Verbrechen der Armee bei der Besetzung der Städte des Westjordanlandes dem internationalen Ansehen Israels sehr geschadet und sogar bei der israelischen Bevölkerung Widerwillen hervorgerufen. Die Menschenrechtsorganisation B'Tselem erklärte schon am 12. März: "In allen Städten und Flüchtlingslagern, in die die Armee einmarschiert ist, haben die israelischen Soldaten hemmungslos geschossen und unschuldige Zivilisten getötet, sie haben absichtlich die Wasser-, Strom- und Telefonleitungen zerstört, sie haben Privathäuser gestürmt und zerstört, sie haben auf Krankenwagen geschossen und die medizinische Versorgung von Verletzten verhindert." In den Reihen der Armee finden immer mehr israelische Offiziere den Mut, Nein zu sagen zu diesem Vorgehen, Nein zu sagen zur Besetzung Palästinas. Laut der Jerusalemer Tageszeitung Ma'ariv vom 15. März sprechen sich 60 Prozent der Israelis für einen Rückzug aus bestimmten besetzten Gebieten aus, 63 Prozent sind für die Schaffung eines palästinensischen Staats und 67 Prozent sind mit General Scharon nicht einverstanden.

DIE zweite Dynamik, die sich langsam zu erschöpfen schien, war der Widerstand der Palästinenser. Die Bevölkerung ist am Ende, auch wenn sie es nicht eingestehen mag. Sie hat schwere Schläge aushalten müssen, viele Führer bewaffneter Organisationen fielen den "gezielten Hinrichtungen" der Israelis zum Opfer, und die Infrastruktur des embryonalen palästinensischen Staats liegt in Trümmern. Die Saat der Verzweiflung ging auf und brachte die verbrecherische Strategie der Selbstmordattentate gegen israelische Zivilisten hervor – welche die internationale öffentliche Meinung entsetzt und einen Teil der israelischen Bürger dem Einfluss Scharons ausliefert. Diejenigen unter den palästinensischen Führern, die immer noch auf die Karte des Terrorismus setzen, verkennen den demokratischen Charakter der israelischen Gesellschaft, die ihre Regierung frei wählen kann.

Je grausamer der Terror, desto stärker die Tendenz, Hardliner an die Staatsspitze zu wählen. Es ist daher an der Zeit, dass sich in der palästinensischen Gesellschaft eine starke gewaltfreie Bewegung entwickelt, die mit der Friedensbewegung Israels an einem Strang zieht. Das ist der Sinn der Initiative von Yasser Abed Robo und Yossi Beilin (s. Le Monde Diplomatique, März 2002). Alle Meinungsumfragen bestätigen es: Es gibt in beiden Völkern eine Mehrheit von Bürgern, die Frieden und Versöhnung wünschen.

Die dritte Dynamik, die sich erschöpft, ist die einseitige Parteinahme der USA für Israel. Vizepräsident Richard Cheney konnte sich auf seiner kürzlichen Rundreise durch die arabischen Staaten ein Bild davon machen, wie sehr die Haltung Washingtons auf radikale Kritik stößt und den Volkszorn in den arabischen Ländern erregt. Und dass das nötige Bündnis für einen Großangriff auf den Irak auf diese Weise wohl nicht zustande kommen kann.

Aus diesem Grund haben die USA mit Interesse den saudi-arabischen Vorschlag zur Kenntnis genommen und ihn sogar aufgegriffen, indem sie dem UN-Sicherheitsrat die Resolution 1397 vorgelegt haben, in der die “die Vision einer Region, in der zwei Staaten - Israel und Palästina - nebeneinander leben, innerhalb von anerkannten und sicheren Grenzen” vertreten wird.

Einmal mehr scheinen alle Voraussetzungen für ein Ende des Konflikts gegeben. Mit angehaltenem Atem hoffen die Völker in der Region auf ein Wunder. Doch im Dunkeln lauern die Saboteure des Friedens…

Le Monde diplomatique Nr. 6723 vom 12.4.2002, 175 Zeilen, IGNACIO RAMONET 

Text 3, das Original: Der französische Text 

La paix maintenant, par IGNACIO RAMONET  

 La paix, toute la paix, contre les territoires, tous les territoires. Proposé en février dernier par le prince Abdallah et soumis au sommet arabe de Beyrouth, le plan saoudien a le mérite de la simplicité. Israël se retire sur ses frontières du 4 juin 1967, la Syrie récupère le Golan, un Etat palestinien est créé à Gaza, Cisjordanie et Jérusalem-Est, et, en échange, les vingt-deux Etats de la Ligue arabe établissent des relations diplomatiques et commerciales complètes avec Israël, dont ils s'engagent à garantir la sécurité (1).  

Retrait total contre paix totale. Cette équation limpide a suscité dans l'ensemble des chancelleries internationales un intérêt passionné. La proposition pourtant n'est pas neuve : le principe d'échange de paix contre territoires est inscrit dans les résolutions 242 (de 1967) et 338 (de 1973) adoptées par le Conseil de sécurité des Nations unies. Un précédent existe d'ailleurs, car ce principe fut déjà appliqué entre Israël et l'Egypte après le voyage historique d'Anouar Al-Sadate à Jérusalem en 1977 et la signature de la paix entre les deux pays. Israël restitua la péninsule du Sinaï et, malgré l'opposition de l'extrême droite, démantela les colonies qui y avaient été implantées.  

C'est également sur la base de ce postulat que furent conduite la Conférence de Madrid en 1991 et signé l'accord d'Oslo, désormais déchiré, entre Israéliens et Palestiniens. Les négociations de Camp David en juillet 2000, juste avant l'explosion de la seconde Intifada, puis celles dites de la « dernière chance » à Taba (2), en janvier 2001, reposaient aussi sur ce principe.  

Pourquoi cette initiative saoudienne suscite-t-elle néanmoins un si grand espoir ? Parce qu'elle arrive au bon moment. Quand simultanément trois dynamiques s'épuisent qui trouvent soudain dans le plan saoudien un prétexte pour masquer leur échec respectif.  

En premier lieu, la stratégie de violence choisie par le général Ariel Sharon pour faire plier les Palestiniens et les contraindre à accepter, au nom du « Grand Israël », la colonisation définitive (3) d'une partie des territoires internationalement reconnus comme appartenant à la Palestine. L'usage exagéré de la force, avec emploi de moyens de combat disproportionnés (navires de guerre, chasseurs F16, hélicoptères blindés, chars lourds) contre une population civile largement désarmée n'a pas produit l'effet recherché. Au contraire. Jamais les Israéliens n'ont eu autant de pertes humaines (4), jamais l'insécurité, à l'intérieur même d'Israël, n'a été aussi grande.  

De surcroît, les crimes commis par l'armée lors des occupations des villes de Cisjordanie ont beaucoup dégradé, à l'échelle internationale, l'image d'Israël, écoeurant même ses propres citoyens (5). L'organisation humanitaire B'Tselem, par exemple, a déclaré le 12 mars dernier : « Dans chaque ville ou camp de réfugiés dans lesquels ils sont entrés, les soldats israéliens ont répété les mêmes actes : tirer sans retenue et tuer des civils innocents, détruire intentionnellement les conduites d'eau potable et les infrastructures d'électricité et de téléphone, envahir et endommager des maisons privées, tirer sur des ambulances et empêcher de porter des soins aux blessés... » Au sein de l'armée, le nombre d'officiers courageux qui disent « non » ne cesse de croître (6). Enfin, les enquêtes d'opinion confirment que 60 % des Israéliens sont en faveur de l'évacuation de certaines colonies, 63 % pour l'établissement d'un Etat palestinien, et 67 % mécontents du général Sharon (7).  

Deuxième dynamique qui s'épuise, la résistance des Palestiniens. Même si elle ne veut pas l'admettre, la population est à bout. Les coups reçus ont été considérables, de nombreux dirigeants d'organisations armées ont été liquidés, victimes d'« exécutions ciblées », et les infrastructures de l'embryon d'Etat palestinien sont en ruine. Le désespoir ainsi semé alimente la stratégie criminelle des attentats-suicides contre les civils en Israël, qui choque l'opinion publique internationale et maintient sous l'emprise de M. Sharon une partie des citoyens israéliens.  

Ceux des dirigeants palestiniens qui misent encore sur le terrorisme continuent d'ignorer le caractère démocratique d'une société israélienne qui choisit librement ses gouvernants. Plus elle sera terrorisée, plus elle aura tendance à les choisir parmi les intransigeants. Il est temps que s'épanouisse, au sein de la société palestinienne, un puissant mouvement non-violent qui pourra faire la jonction avec le mouvement pacifiste israélien. C'est le sens de la démarche de M. Yasser Abed Rabbo avec M. Yossi Beilin. Tous les sondages le montrent : il y a, dans les deux peuples, une majorité qui souhaite avancer vers la paix et la réconciliation.  

Enfin, la troisième dynamique qui s'épuise est celle de la partialité des Etats-Unis en faveur d'Israël. Le vice-président Richard Cheney a pu mesurer, lors de sa récente tournée dans les pays arabes, combien l'attitude de Washington faisait l'objet de critiques radicales, au point de remobiliser la « rue arabe ». Et empêchait la mise sur pied de l'indispensable alliance qui devrait précéder la grande attaque contre l'Irak...  

C'est pourquoi les Etats-Unis ont non seulement accueilli avec intérêt la proposition saoudienne, mais l'ont relancée en faisant voter, par le Conseil de sécurité des Nations unies, la résolution 1397 qui défend « la vision d'une région dans laquelle deux Etats, Israël et la Palestine, vivent côte à côte, à l'intérieur de frontières reconnues et sûres ».  

Les conditions semblent encore une fois réunies pour avancer vers la fin du conflit. Le souffle suspendu, les peuples de la région espèrent le miracle. Mais les saboteurs de paix guettent dans l'ombre... 

IGNACIO RAMONET. 

 --------------------------------------------------------------------------------

(1) L'Egypte et la Jordanie sont les seuls Etats arabes ayant signé un traité de paix avec Israël.

(2) Lire Le Monde diplomatique, septembre 2001.

(3) Depuis que le général Sharon a été élu premier ministre, et alors que les affrontements israélo-palestiniens n'ont pas cessé, la colonisation juive de Gaza et la Cisjordanie s'est poursuivie. Contrevenant aux recommandations du rapport Mitchell qui exige un gel des implantations de colons, 34 nouvelles colonies ont été créées depuis février 2001. (Cf. International Herald Tribune, 20 mars 2002.)

(4) Lors de l'élection de M. Sharon, en février 2001, l'Intifada avait fait 50 morts parmi les Israéliens : ce chiffre dépasse 350 à la fin mars 2002.

(5) Ha'aretz, Tel Aviv, 13 mars 2002.

(6) International Herald Tribune, 12 mars 2002.

(7) Maariv, Tel Aviv, 15 mars 2002

(www.monde-diplomatique.fr)  

 

2. Briefaustausch zwischen der TAZ und Marie-Dominique Vernhes  zu dem Artikel von M. Bishara 

16.11.2001

Liebe Frau Knott,

Ich hatte in meinem Mail vom 26.10. u.a. die Übersetzung des Artikels von
Marwan Bishara kritisiert (Le Monde Diplomatique vom 12.10.01)

(Ihre Antwort:

„Sehr geehrte Frau Vernhes,

danke sehr für Ihren Brief mit Ihrer ausführlichen Übersetzungskritik.
Sie haben sich einen merkwürdigen Text herausgesucht, an dem man lange
und ausführlich das Dilemma des "nachahmens" einer fremden Zeitung
beschreiben kann. Was wir machen, ist immer fragil. In diesem Bewußtsein
arbeiten wir und der Dialog darüber, ob uns der kleine Grenztransport
von Frankreich nach Deutschland gelingt, welche Zollgebühren wir
entrichten usw. ist innerhalb der Redaktion ein permanenter Prozess.

Doch nun zu Ihrem Beispiel:

a) Der Text war glaube ich ursprünglich auf Englisch geschrieben und im
übrigen noch länger als das, was Sie in der französischen Zeitung
gelesen haben. Wir übersetzen aber die Texte lange bevor die französische
Zeitung fertig vorliegt, und passen dann an. Daher erklären sich die
Teile, die Sie als "hinzugefügt" identifiziert haben.
b) Damit der Text in die deutsche Zeitung passte, mußte er
offensichtlich gekürzt werden, und dabei haben wir offensichtlich teils
andere und vor allem mehr STellen gekürzt, als die Franzosen. eine
"Verfälschung" läge weder in IHrem (Leser) noch in unserem Interesse.

Im Detail kann ich momentan aus zeitlichen Gründen nicht antworten. Was
die Überschriften anbetrifft, so könnte man darüber ganze Abhandlungen
verfassen, was im Deutschen geht, was nicht, was die journalistischen
Gepflogenheiten beider Länder an Hindernissen im Grenztransport einbauen
usw.
Ich glaube, neben verschiedenen anderen Kriterien (innerfranzösische
Belange/ Kentnisstand, Interesse im deutschsprachigen Raum) spielt
sicher auch die Frage der WIederholung eine Rolle.

Jede Abweichung ist Differenz.Mit freundlichen Grüßen,

Marie Luise Knott“) 


Sie schreiben (16.11.): "Der Text war glaube ich ursprünglich auf Englisch geschrieben
und im übrigen noch länger als das, was Sie in der französischen Zeitung gelesen haben (...) Daher erklären sich die Teile, die Sie als "hinzugefügt" identifiziert haben."

Ich habe die englische Originalversion herunter geladen. Der englische Text wäre länger als der französische, sagen Sie. Es ist falsch. Die französische Version stimmt Satz für Satz mit der englischen Version überein.
Oder meinen Sie vielleicht einen anderen englischen Text? Dann würde ich ihn gern - und rasch - erhalten.

Ich habe mir (s. den Anhang) die Mühe gemacht, die Passagen im englischen Text hervorzuheben, die im deutschen Text nicht erscheinen. Der deutsche Text in der Ausgabe vom 12.10. ist keine Kürzung - zumal der Umfang der Textpassagen, die hinzugefügt worden sind, den Streichungen entspricht - sondern eine FÄLSCHUNG! Das sieht man nicht nur daran, dass Sätze hinzugefügt werden, sondern auch an der Veränderung der Haupttendenzen des Artikels. Die Deutlichkeit der Kritik an die USA und Israel geht im Artikel verloren,
den Pathos angesichts "des Terrorismus" gibt es im englischen Text nicht, am Ende des Artikels gibt es einige erfundene Sätze anstatt einer Zuspitzung der Analyse u. a. m.

Ich will Ihnen auch mitteilen, dass ich erschrocken war, als ich den deutschen Text mit dem englischen Text verglich: Welche Journalisten leisten sich eine solche Fälschung?? Wer kann sich als Übersetzer erlauben, so schlecht zu übersetzen - sinnentstellend!! Wo bleibt die intellektuelle Integrität?

Ich wäre erleichtert, in diesem Punkt Unrecht zu haben. Daher hoffe ich, dass Sie sich bald Zeit nehmen werden, darauf zu antworten.

Ich möchte Sie jedoch schon darauf hinweisen, dass andere Texte ebenfalls entstellt worden sind (Bericht über Handelsabkommen in Amerika, April 2001, u. a. m. ).

Ebenfalls staune ich darüber, dass in der November-Ausgabe (heute erschienen) folgende Artikel NICHT erscheinen:
- Jean Ziegler: Une lutte sans moyens contre la faim - Schizophrénie des Nations Unies
- Olivier Cyran:Tolérance Zéro, mais pour qui? Violences policières impunies
- Monique Chemillier-Gendreau: Démission du Conseil de Sécurité
- Nasser Negrouche: Alibi terroriste pour racisme antimaghrébin
- Haro sur l´asile / Le "proconsul" (S.21)
- Philippe Rivière: Si ´c´est écrit...
- L´OMC enrôlée dans la coalition / rechte Spalte S. 23
- Alain Gresh: Islamophobie.
Welche Begründung gibt es dafür, gerade DIESE Artikel zu streichen?

Ich habe auf Grund vieler Vergleiche folgende These entwickelt: Drei Themen werden von der TAZ nicht so gern behandelt, und wenn, dann werden die Aussagen der französischen Ausgabe abgeschwächt und z.T. entstellt: Die Politik der USA und Israels/ die neoliberale Globalisierung / die Bewegungen gegen diese Globalisierung.
Habe ich Unrecht?

Gruß.                                                   Marie-Dominique Vernhes 

Bis heute – 12.4.2002 – habe ich immer noch keine Antwort erhalten.




3. Vergleich zwischen dem englischen Originaltext von Marwan Bishara und der deutschen Übersetzung in der TAZ -Le Monde Diplomatique vom 12.10.2001

Die englischen Textbestandteile, die in der deutschen Übersetzung fehlen, sind kursiv und fett gedruckt.

Die Zeichen <> weisen auf Sätze/Absätze hin, die im deutschen Text hinzugefügt worden sind - ohne Entsprechung im englischen Text.

 

WAR OF THE WORLDS

An enemy with no forwarding address

by MARWAN BISHARA *

<>September 11 was the end of the era in which the United States perfected its zero-dead approach to conflict, with minimum casualties to the US and maximum damage to the enemy. President George W Bush had to declare the US at war before nominating an enemy. The new enemy is mobile, transnational, or sub-national. So now begins the era of asymmetric conflicts. <>

For decades the US spent trillions of dollars to ensure minimum casualties in any confrontation. In the Vietnam war, it spent hundreds of thousands of dollars for each dead Vietnamese fighter. In the Gulf war, it kept US casualties low. With rapid, massive bombardment from afar (the Colin Powell doctrine), the US hoped for zero casualties in future symmetrical wars. Its missiles and superior fighters, supported with the most sophisticated airborne intelligence, could guarantee such a result by inflicting unbearable destruction on the enemy.<>

But now we have the asymmetric war scenario some American strategists have warned against in the last few years: one that hit where it hurt most, hit the pride of America's might, the Pentagon and Wall Street. Washington, trying to adapt to an evolving, globalising world, had been introducing a revolution in military affairs (RMA).

There were two distinct concepts. The first was fourth generation warfare, stateless or asymmetric, to be fought by an opponent who might have a non-nation-state base, such as an ideology or religion. In February 2001, before a Senate committee on world threats (1), CIA director George Tenet said what struck him most forcefully was the accelerating pace of change in so many arenas that affect our nations interests. To the US, asymmetry means Osama Bin Laden and other international terrorists, mafiosi and drug dealers. But the idea also covers non-state actors like those the US has already encountered in Somalia, Kosovo, and Lebanon in 1983, when a bomb killed 239 US Marines. Those analysts who think the future will be asymmetrical propose a rethink of the usefulness of billion-dollar fighter planes and advanced frigates if two men and a boat could kill 17 men and damage the USS Cole, (12 October 2000 in Aden).<>

The second concept has been the anti-missile defence shield Star Wars to protect America from incoming ballistic missiles carrying chemical, biological or nuclear weapons. The Bush administration, with vice-president Dick Cheney and defence secretary Donald Rumsfeld, has concentrated its efforts on this, which has the merit of subsidising the military-industrial complex. There was international condemnation of this return to policies of proliferation, so Bush explained that his shield was not against other nuclear powers, but against rogue states or, worse, groups capable of launching missiles against American soil or interests abroad.

Both of these ideas and their believers seemed to converge into a coherent strategy to fight a new war against an asymmetric enemy. But who, aside from Bin Laden, is the enemy? Not mafias and drug-dealers: hostilities are bad for business. Unless Washington intends to bomb one of the rogue states, why would their leaders launch a missile against the US when they would be punished like Libya, or Iraq over the last decade? To what extent has America created new enemies, and just how dangerous, beyond the 11 September outrage, are they? How is this terrorism different from that which Arab nations or certain European countries have faced over 20 years? Is it a qualitative difference or just (if one can say just) quantitative?

Asymmetry must be distinguished from di-symmetry, meaning a quantitative difference in firepower and force, a strong state against a weak one (the US against Iraq). Asymmetry is about the qualitative difference in the means, values and style of the new enemies. Once a power like the US insists on exclusive superiority in world affairs as well as in conventional warfare, its disadvantaged enemies resort to unconventional asymmetrical means to fight it, avoiding its strengths and concentrating on its vulnerabilities. <>

Not fighting fair

The Pentagon says the new enemies don't fight fair; their strategy, based in a globalised world, uses all possible sophisticated modern means: communication, transportation, information, psychological terror, international media and the internet. In their arsenal are also such low-tech weapons as penknives, fishing boats, homemade explosives and civilian planes. As we have seen, these work.<> Even though these enemies must be based somewhere, no permanent location can be assigned to them, because they have no permanent home, their network is dispersed. The world is both their address and area of operation.<>

Asymmetric enemies <>have a common interest: weakening state sovereignties and boosting international market forces. In this they are like McDonalds, CNN and AOL. All use the grey areas in a globalised world, the gaps in the legal structure, to ensure maximum profits and escape the accountability that results from constitutional or democratic legitimacy. In this sense, asymmetric enemies are creatures of the neo-liberal version of globalisation. They have more room for manoeuvre than states. That is why the American media describe Bin Laden not just as a political Islamist, rooted in a particular society, but as the representative of a new cosmopolitan Islam that is a global threat, like the Islamist movement of Hassan al-Turabi (now in prison in Sudan). This movement is thought to be confronting the US, to weaken or destroy its power.

If you put together all the characteristics that the American strategists attribute to the new model asymmetric enemy, they add up to a profile of Osama Bin Laden. If he didn't exist, it would be necessary to invent him. As we all now know, he was groomed by the CIA in the 1980s, only to turn against his creator after the Gulf war. Should an asymmetric enemy be distinguished from a state and that state's intelligence network? Is it possible to organise a movement of international violence without some state support? It is not clear how a new enemy could reduce its operations to being only virtual. And even enemies whose heartland is an ideology need physical space somewhere for their logistics and tools. Their bank accounts have to be kept somewhere, too.

What about the rogue or failed states? The intervention in Somalia taught the US a hard lesson. When, in October 1993, Hussein Aydid humiliated the US, killing 17 American soldiers,<> the Clinton administration became convinced that it could not manage, let alone win, a war against militias not accountable to the conventions of a state.

Operation Just Cause in Panama in December 1989 was also an asymmetric war, even though it was the largest American operation since Vietnam. It was meant to recapture Manuel Antonio Noriega and it succeeded. The US went on to target Saddam Hussein, Slobodan Milosevic and Radovan Karadzic, all of whom it considered to be more like bandits than heads of state. Such operations were no different from US operations during the cold war targeting South American or the Middle Eastern leaders. What is new?

Perhaps what is new is the possibility of deploying many new non-orthodox methods of prevention and dissuasion that were impossible, or illegitimate, before 11 September. Less than a week after, Congress lifted the ban on assassinating foreign leaders (2). An upgraded level of American violence is now possible.

Learning from Israel

Strategies against a new enemy have centred on the need for new precise weaponry of maximum deadliness. Intelligence services must be reinforced with software reconnaissance and satellite spies, and also human spies. Police work, including racial profiling, is recommended. The strategists want to spy on potential sources of support for the new enemy, including NGOs and charities, expatriate communities and internet sites. A US senator complained recently that the CIA was replacing the State Department in diplomacy.

The missile defence shield is now possible too, since who knows what an asymmetric devil is planning for the next attack? Congress has given the president new powers: the Senate voted unanimously and the House of Representatives approved the authorisation by a 420-1. The one dissident, Democrat Barbara Lee, insisted that military action would not prevent further acts of international terrorism against the US (3). Most of the material about asymmetry focuses on the US and, since the second intifada, on Israel. The US has been working with Israel for a long time on projects including the Arrow anti-missile missile. Israel's fighting style, especially in the West Bank and Gaza are of special interest to US experts, who detect asymmetry in Israel's wars.

Under the headline How to Fight an Asymmetric War, General Wesley Clark, commander of Nato forces in Kosovo, explained that the Palestinians inside Israel (somebody remind Clark that West Bank and Gaza are not in Israel) learned how to resist using non-lethal force. It was a tactic aimed at exploiting world sensitivities, forcing Israeli security forces to overreact. Occasionally non-lethal force was supplemented with armed men among the rock throwers or terror bombings. Responding with fighter planes, tanks and artillery was impossible; responding with troops on the ground risked casualties. No society is more reluctant than Israel to accept losses, so the country developed new equipment, forces and tactics. To secure its borders, Israel deployed more heavily armoured tanks and troop-carrying vehicles and procured Apache helicopters, unmanned aerial vehicles and very long-range optics. To protect itself internally, Israel issued its infantrymen plastic bullets and riot-control gear. Special security forces were organised to help relieve the conventional Israeli units of responsibility for keeping order (4).

Clark's admiration for Israel's skills is deeply worrying: this policy has led to nearly 700 Palestinian dead, and thousands injured. And in the absence of an Israeli political or diplomatic option, force has not improved security. Anthony Cordesman, defence analyst at the Centre for Strategic and International Studies, suggested that Israel was forcing the Palestinian Authority to suppress Palestinians and curb democratic freedoms to attain stability. When the intifada continued, he said the Palestinians had two options: peace with violence or war. Cordesman described a situation in which Israel would do the dirty work for the PA and against it: that is also asymmetric warfare. It means more social control, more assassinations and crippling of the economy.

<>Listening to Bush, it is clear that US strategy is heading towards Israeli-style asymmetric warfare, even though it failed in Palestine. This choice would be a catastrophe. The world's grey areas created by war, globalisation and impoverishment are danger zones. Public institutions and development are more necessary in grey areas than are military interventions. The events of 11 September reflect a transformation of the world that we must try to understand. The response that has been made to them is in service of a strategy that aims to impose an international security order in the interests of the US. Will we see the same behaviour that followed the victory over Iraq, which favoured the advance of radical Islamist groups? The new asymmetric enemy cannot be beaten by force, even less by technology without a political project. <> 

* Researcher at L'Ecole des hautes études en sciences socials, lecturer at the American University of Paris, and author of Palestine/Israel: Peace or Apartheid (Zed Press, London)

(1) "Worldwide Threat 2001: National Security in a Changing World <http://www.cia.gov/cia/public_affairs/speeches/UNCLASWWT_02072001.html>".

(2) Le Monde, 18 September 2001.

(3) She afterwards endured vilification reminiscent of the worst McCarthyism.

(4) Time, 23 October 2000.

Original text in English  

ALL RIGHTS RESERVED © 1997-2001 Le Monde diplomatique 

siehe http://mondediplo.com/2001/10/03asymmetry 

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Deutsche Fassung – eine Fälschung!

 

(Die Textstellen, die dem Originaltext hinzugefügt worden sind, sind unterstrichen.

Grauzonen einer globalen Welt

Von MARWAN BISHARA *

* Wissenschaftler an der École des Hautes Études en Science Sociales, Dozent an der American University in Paris. Sein letztes Buch, "Palestine Israel: Peace or Apartheid", erschien bei La Découverte, Paris, und Zed Press, London.

DIE USA befinden sich im Krieg! Am 11. September 2001 ist Amerikas schlimmster Albtraum Wirklichkeit geworden. Paradoxerweise geschah dies zu einem Zeitpunkt, als die US-Regierung gerade eine Zero-Dead-Strategie für künftige Konflikte verkündet hatte. Was bedeutet: maximaler Schaden für den Feind bei minimalen Opfern auf Seiten der USA.

Amerika befindet sich im "Krieg", erklärt Präsident Bush. Doch der neue Feind ist kein Staat. Er ist vielmehr mobil, transnational (oder subnational) und anonym.  Es handelt sich um gesichtslose Täter ohne festen Wohnsitz, und sie fühlen sich weder an die Normen der UN-Charta gebunden noch irgendeiner irdischen Autorität rechenschaftspflichtig.

Jahrzehntelang hat Amerika Billionen von Dollar ausgegeben, um in künftigen Konflikten die Zahl der Opfer zu verringern. Im Vietnamkrieg kostete jeder tote US-Soldat noch hunderttausende Dollar. Indem man danach zwanzig Jahre lang weitere Billionen ausgegeben hat, konnte man die eigenen Menschenverluste im Golfkrieg auf ein Minimum reduzieren. Die Powell-Doktrin - massive Luftschläge aus sicherer Entfernung - versprach für künftige "symmetrische" Kriege schnelle Siege ohne eigene Verluste (zero casualties), dank überlegener Technologie in Gestalt von Marschflugkörpern und Kampfflugzeugen.

Jetzt haben Flugzeugentführer, mit Taschen- und Teppichmessern ausgerüstet und bereit, für ihre Sache zu sterben, vier vollgetankte Zivilflugzeuge in hochexplosive Geschosse verwandelt. Das ist nicht die Schlacht, für die sich die USA gerüstet hatten. Und doch haben einige amerikanische Strategen bereits seit Jahren gerade vor Szenarien eines "asymmetrischen Krieges" gewarnt, der auf die verwundbarsten Punkte der USA zielt: auf die Tatsache, dass die militärische und ökonomische Supermacht nur wenige eigene Opfer verkraftet (egal ob an Zivilisten oder an Soldaten), und auf die Symbole seiner Macht - die Wall Street und Washington.

Das Ende des Kalten Krieges zwang Washington, seine Abschreckungsstrategie zu überdenken und sich auf neue Gefahren einzustellen. Dabei bildeten sich zwei unterschiedliche Denkschulen heraus. Die erste sprach von einer vierten Generation der Kriegführung, auch "staatenloser" oder asymmetrischer Krieg genannt. Sie richtet sich gegen einen Feind, dessen Basis womöglich nicht ein Staat, sondern eine Ideologie oder eine Religion ist. Damit wären Leute wie Bin Laden und andere international agierende Terroristen gekennzeichnet, aber auch Mafiamitglieder und Drogenhändler oder andere nichtstaatliche Akteure, die den USA etwa in Somalia, im Kosovo und in den 1980er-Jahren schon im Libanon entgegengetreten waren. Die Vertreter dieser Schule fragten, was es bringt, Milliarden von Dollar für neue Kampfflugzeuge und hoch entwickelte Fregatten auszugeben, wenn zwei Menschen und ein Boot ausreichen, um eine Fregatte der US Navy anzugreifen und 17 Mann zu töten. Gegen Gegner vom Typ der vierten Generation seien hoch technologische Waffen wirkungslos.

Die zweite Schule konzentrierte sich auf ein Raketenabwehrsystem, das die USA vor ballistischen Raketen mit chemischen, biologischen oder nuklearen Waffen schützen soll. Die Bush-Administration setzte auf dieses zweite Konzept, das den militärisch-industriellen Komplex begünstigt, für den sich Regierungsmitglieder wie Cheney, Rumsfeld und Powell stark machen. Um die internationale Kritik zu entkräften - etwa wegen der Kündigung des Atomwaffensperrvertrags -, erklärte Bush allerdings, der Raketenabwehrschirm solle nicht gegen Atommächte schützen, sondern gegen gewisse "Schurkenstaaten", aber auch gegen Gruppen, die US-Ziele innerhalb wie außerhalb der USA mit Raketen beschießen könnten.

Beide Denkrichtungen schienen in einer kohärenten Strategie für den neuen Krieg gegen den asymmetrischen Feind zusammenzulaufen. Doch gegen wen soll der Raketenabwehrschirm schützen? Warum sollten zum Beispiel die so genannten Schurkenstaaten eine Rakete gegen die USA richten, wenn sie eine ähnliche Bestrafung zu erwarten hätten wie Libyen oder der Irak in den letzten Jahren?

Weitere Fragen bleiben unbeantwortet. Wie weit hat sich Amerika seine Feinde selbst geschaffen? Wie bedrohlich sind diese Feinde, unabhängig von den Terroristen vom 11. September? Was unterscheidet diese Attentate von früheren Terrorangriffen auf arabische, französische oder britische Ziele? Was bedeutet bei den unterschiedlichen Formen des Terrorismus jeweils die Kategorie "asymmetrisch"?

Asymmetrie ist etwas anderes als Dissymmetrie, also die quantitative Differenz hinsichtlich Macht bzw. Waffenstärke. Asymmetrie meint die qualitativen Merkmale hinsichtlich des Wertsystems, der Mittel und des Stils, die den neuen Feind auszeichnen. Asymmetrie kann auch als Resultat von Disymmetrie gesehen werden: Wenn die USA auf ihrer exklusiven Überlegenheit - auch in der konventionellen Kriegführung - bestehen, greifen ihre unterlegenen Feinde und Opfer auf unkonventionelle oder asymmetrische Mittel zurück. Der asymmetrische Feind tritt nicht in Gestalt einer typischen Staatsarmee an. Er stellt sich dem übermächtigen Gegner nicht, vielmehr greift er bedenken- und gnadenlos dessen Schwachstellen an. Er kämpft klandestin gegen besonders verletzliche Ziele oder in belebten Stadtzentren, und zwar mit allen tödlichen Waffen, die er sich verschaffen kann.

Wie US-Strategen schon vor dem 11. September erkannt haben, fusioniert in der Strategie des asymmetrischen Feindes eine Glaubenslehre oder Ideologie mit hochtechnologischen Mitteln. Der neue asymmetrische Feind denkt strategisch im Kontext der globalisierten Welt. Er benutzt die globalen Transportmittel, das Internet dient ihm als Instrument im Informationskrieg. Da er bereit ist, sein Leben zu opfern, genügen ihm einfachste Gewaltmittel: Messer und selbst gebastelte Sprengstoffe statt hoch entwickelter Waffen; eine entführte Passagiermaschine statt Kampfflugzeugen. Ein Gegner, der auf solche Instrumente setzt, ist schwer einzuschätzen und zu bekämpfen, gegen ihn bleiben Vorbeugung und Abschreckung unwirksam.

Selbst wenn sich ein solcher Feind geografisch lokalisieren lässt, ist er kaum einzuordnen oder zahlenmäßig zu erfassen. Er verfügt über ein weitmaschiges Netzwerk und hat keine permanente Anschrift. Auch in diesem Punkt ist er ein Produkt der Globalisierung. Wie bei multinationalen Konzernen, Mediengurus und Internetgiganten ist das Operationsgebiet des asymmetrischen Feindes die ganze Welt. Die Selbstmordbomber von New York und Washington lebten an verschiedenen Orten, benutzten verschiedene Adressen und eine Vielzahl gefälschter Pässe.

Die asymmetrischen Gegner - also weltweite terroristische Netzwerke, aber auch internationale Drogenhändler und Mafiabanden - verfolgen alle dasselbe Interesse: Sie wollen die souveränen Staaten schwächen und ihre Macht auf den internationalen Märkten stärken. Man könnte sogar sagen, dass sie einiges mit McDonalds, CNN und AOL gemeinsam haben. Sie alle agieren in den Grauzonen einer globalisierten Welt, wo sie ihre Gewinne maximieren können, ohne irgendwelchen Gesetzen verantwortlich zu sein, denn auf globaler Ebene mangelt es an konstitutioneller bzw. demokratischer Legitimität. Sie alle sind in gewisser Hinsicht die neuen Produkte der neoliberalen Version von Globalisierung.

Der asymmetrische Feind ist also die Kehrseite des globalen Prozesses, der grenzübergreifende Wirtschaftsräume schafft. Aus diesem Grund hat Bin Laden in den US-Medien nicht nur das Image des "politischen Islamisten", der sich auf eine bestimmte Gesellschaft beschränkt. Vielmehr wird seine Organisation als neuer Typus eines kosmopolitischen Islam wahrgenommen. In den Augen der USA sind diese Bewegungen entschlossen, die westliche Hegemonie anzufechten, zu schwächen oder sogar die USA zu besiegen.

Gibt es eine wasserdichte Trennung zwischen dem "asymmetrischen Feind" und staatlichen Systemen und ihren Geheimdiensten? Ist es tatsächlich machbar, eine neue Bewegung der "internationalen Gewalt" ohne staatliche Unterstützung und geografische Verankerung zu organisieren? Wie dieser neue Feind seine Operationen fast "virtuell" durchführen soll, ist völlig unklar. Auch Ideologien brauchen als Operationsbasis ein geografisches Territorium, kommen nicht ohne logistische Strukturen aus. Dieser neue Feind kann nicht über einen längeren Zeitraum völlig verdeckt agieren.

Aus Sicht der USA gibt es noch andere Formen von Asymmetrie, verkörpert durch so genannte Schurkenstaaten oder auch gescheiterte Staaten. Ein Beispiel ist Somalia, wo die USA 1992-93 in Sachen asymmetrischer Konflikte sozusagen ihr Urerlebnis hatten. Im Oktober 93 wurden 17 amerikanische Soldaten von Milizen des Generals Aidid getötet. Die Fernsehbilder, die zeigten, wie sie durch die Straßen von Mogadischu geschleift wurden, brachte die Clinton-Administration zu der Einsicht, dass ein Krieg gegen eine stammesmäßig organisierte Miliz, die das Gebot der Fairness missachtet und sich an ke Feind" und staatlichen Systemen und ihren Geheimdiensten? Ist es tatsächlich machbar, eine neue Bewegung der "internationalen Gewalt" ohne staatliche Unterstützung und geografische Verankerung zu organisieren? Wie dieser neue Feind seine Operationen fast "virtuell" durchführen soll, ist völlig unklar. Auch Ideologien brauchen als Operationsbasis ein geografisches Territorium, kommen nicht ohne logistische Strukturen aus. Dieser neue Feind kann nicht über einen längeren Zeitraum völlig verdeckt agieren.

Aus Sicht der USA gibt es noch andere Formen von Asymmetrie, verkörpert durch so genannte Schurkenstaaten oder auch gescheiterte Staaten. Ein Beispiel ist Somalia, wo die USA 1992-93 in Sachen asymmetrischer Konflikte sozusagen ihr Urerlebnis hatten. Im Oktober 93 wurden 17 amerikanische Soldaten von Milizen des Generals Aidid getötet. Die Fernsehbilder, die zeigten, wie sie durch die Straßen von Mogadischu geschleift wurden, brachte die Clinton-Administration zu der Einsicht, dass ein Krieg gegen eine stammesmäßig organisierte Miliz, die das Gebot der Fairness missachtet und sich an keinerlei internationale Konventionen hält, weder zu führen noch zu gewinnen ist. Ähnlich bittere Erfahrung hatten die USA bereits 1983 im Libanon gemacht.

Wie lässt sich aus Sicht der USA ein asymmetrischer Feind bekämpfen? Die Antwort lautet: Von Israel lernen! Die Bekämpfung des asymmetrischen Feindes erfordert vor allem mobilere, präzisere, intelligentere militärische Hardware, etwa neue Präzisionsschusswaffen von absolut tödlicher Wirkung. Auch empfehlen die US-Strategen die Verstärkung der Geheimdienste nicht nur durch raffiniertere Überwachungssoftware und Spionagesatelliten, sondern auch durch menschliche Intelligenz, also etwa die Kooperation mit der Polizei, um Täterprofile nach ethnischen Kriterien zu ermitteln. Die nachrichtendienstliche Arbeit soll sich auf das Spektrum potenzieller Unterstützer des neuen Feindes richten: auf NGOs, karitative Einrichtungen, Emigrantenvereinigungen, Internetsites usw. Aber auch für das ersehnte Raketenabwehrsystem finden sich Argumente: Man weiß ja nie, welches Ziel der asymmetrische Teufel für seinen nächsten Anschlag aussuchen wird. Washington arbeitet mit seinem israelischen Verbündeten schon lange an dem Raketenabwehrsystem "Arrow" und an anderen Programmen zur asymmetrischen Kriegführung. Insgesamt haben der Kampfstil und die militärischen Fähigkeiten der Israelis das Interesse der US-Experten an asymmetrischer Kriegführung geweckt.

General Wesley Clark, ehemaliger Nato-Oberbefehlshaber, analysierte unter dem Titel "Wie man einen asymmetrischen Krieg führt" im Time Magazin die Intifada. Die Palästinenser hätten gelernt, mit nicht tödlichen Waffen wie Steinen und Knüppeln Widerstand zu leisten, womit sie die israelischen Geheimdienste zu Überreaktionen zwingen, um die internationale Öffentlichkeit aufzurütteln. Auf so einen Feind, der bewaffnete Soldaten unter die Steinewerfer mische und auch zum Bombenterror greife, könne man unmöglich mit Kampfflugzeugen, Panzern und Artillerie reagieren. Der Einsatz von Bodentruppen wiederum würde Todesopfer kosten, wozu keine Gesellschaft weniger bereit sei als die israelische.

Israels Antwort seien also neue Waffen, neue Kräfte und eine neue Taktik. Zum Beispiel bessere Panzer- und Truppentransportfahrzeuge zur Sicherung seiner Grenzen, aber auch Apache-Helikopter und unbemannte Flugzeuge; Plastikgeschosse für israelische Infanteristen, die gegen die Straßenaufstände eingesetzt werden; Spezieleinsatzgruppen an der Seite der konventionellen Sicherheitskräfte. Clarks Bewunderung für die militärischen Fähigkeiten der Israelis, die über 600 Menschen getötet und Tausende verletzt haben, klingt erschreckend. Zumal dieser Gewalteinsatz inzwischen jeder Logik entbehrt, weil es Israel - insbesondere mangels einer politischen oder diplomatischen Alternative - nicht gelungen ist, die Palästinenser abzuschrecken.

Auch Anthony Cordesman, Verteidigungsanalytiker im Center for Strategic International Studies, bewundert die Strategie Israels in dem "asymmetrischen Konflikt" mit den Palästinensern. Mit diesem Begriff bezeichnet er eine Situation, in der die Israelis die "schmutzige Arbeit" der Intifada-Unterdrückung für - und gegen - die Palästinensische Autonomiebehörde erledigen müssen.

Natürlich kann man den Widerstand der Palästinenser in Palästina gegen die Okkupation nicht mit dem New Yorker Anschlag gleichsetzen. Ariel Scharons Vergleich zwischen Bin Laden und Jassir Arafat stieß überall auf taube Ohren, außer in Amerika. Dennoch sehen die Israelis ihre eigenen bewaffneten Aktionen in dem asymmetrischen Konflikt namens Intifada als gerechtfertigt an. Aus der Redeweise von Bush ist heute ziemlich eindeutig herauszuhören, dass sich die USA auf eine asymmetrische Kriegführung nach israelischem Muster einstellen, obwohl die israelische Strategie in Palästina gescheitert ist.

Wenn sich die Gemüter in New York, im Westjordanland (und in Afghanistan?) irgendwann beruhigt haben, werden wir allerdings erkennen, dass der Kampf gegen den Terrorismus nicht nur eine Sache des Militärs und der Nachrichtendienste ist. Malaria bekämpft man nicht, indem man ein paar lästige Mücken erledigt. Man muss vielmehr Massenimpfungen vornehmen und die Sümpfe trockenlegen. Man muss sich das Leid der isolierten, unterdrückten und ausgeschlossenen Menschen vor Augen halten, wenn man den Terroristen potenzielle Anhänger und Sympathie entziehen will. Dissymmetrie ist am ehesten zu beheben, wenn man die globale Ungleichheit und die Ausschließung ganzer Völker bekämpft. Mehr Gewalt wird nur weitere Gewalt erzeugen.

dt. Bodo Schulze

Le Monde diplomatique Nr. 6572 vom 12.10.2001, 360 Zeilen, MARWAN BISHARA

Marie-Dominique Vernhes, 12.4.2002

 

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