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Wortgefechte um Gas und Öl begleiten die blutigen Gefechte in der Welt. Was taugen die Argumente? SteinbergRecherche gibt Hinweise.

7. Folge

Öl- und Waffengeschäft puschen sich gegenseitig hoch.

Der Halliburton-Konzern hat den richtigen Mann am richtigen Platz. Sein ehemaliger CEO (Generaldirektor und Vorstandsvorsitzender) Richard Cheney ist Vizepräsident der USA. Halliburton steckt im Ölbohr- und -beförderungsgeschäft, läßt Militärlager bauen, sorgt für militärisches Catering und unterhält Privatarmeen. Im Irak hat Halliburton neben Bechtel von der US-Regierung die größten Aufträge erhalten, wie schon zuvor im Kosovo

So knapp wie das Öl, so reichlich wird gebombt werden: Die Aussichten für Halliburton sind fantastisch. Das weiß die Börse schon etwas länger. 

Quelle

Halliburton-Aktionäre sind heute über doppelt so reich wie vor einem Jahr. 

Dank für den Hinweis an Hans-Joachim Werner 

T:I:S, 19. September 2005

*

6. Folge

Ölteppiche auf einer Fläche so groß wie Sachsen

Greenpeace beschreibt die ökologischen Folgen der Errichtung und kürzlichen Vernichtung von Bohrinseln im Golf von Mexiko. Die US Energy Information Administration hält umfassend über die wirtschaftlichen Schäden auf dem Laufenden. Harold Meyerson versucht in der Washington Post zu erklären, warum soviele Leute in New Orleans starben: 

Manches davon ist institutioneller Rassismus, aber der Hauptschuldige ist der ökonomische Neo-Liberalismus, den der Präsident weiter vertritt, wenn er seine Social-Security-Tinktur verkauft. Vor allem der Neo-Liberalismus hat eine wunderbare Stadt in ein riesiges Leichenschauhaus verwandelt.

Na ja. Die Verharmloser des Tschernobyl-Unfalls waren keine Neo-Liberalen.

Dank für Hinweise an Norbert Tilmann und Rainer Rupp.

T:I:S, 19. September 2005

5. Folge

Wie kann der Ölverbrauch gesenkt werden?

Matthew R. Simmons, Anhänger der Peak-Oil-These, wurde gefragt, was er seinem Geschäftsfreund, dem US-Präsidenten raten würde, wenn er Energieminister wäre. Simmons antwortete Foreign Policy:

Erstens und hauptsächlich müßten alle Gütertransporte,  zum Beispiel ab 80 km, mit der Bahn statt mit dem LKW erledigt werden. Oder per Schiff. Zweitens empfiehlt Simmons Heimarbeit. Nicht jeder müsse jeden Tag ins Büro fahren, Video-Konferenzen, Internet und Handys täten's auch. Drittens müsse die Agrarindustrie energiesparendem lokalem Anbau weichen.

Na, dann hurtig Eisenbahnen gebaut - bevor das Dieselöl für die Baufahrzeuge zu teuer wird! Und die Agrarlobby auf den Mond schießen.   

T:I:S, 19. September 2005

*

4. Folge

Ölmangel: Chevron ergreift die Flucht nach vorn.

Die großen Ölfelder altern, neue werden nicht entdeckt. Der Öl-Riese Chevron versucht, mit ein ein paar Fakten zu punkten. 

"Die erste Billion Barrel haben wir in 125 Jahren verbraucht. Die nächste Billion werden wir in 30 Jahren verbrauchen. Was geht Sie das an?"

„Die Welt verbraucht doppelt soviel Öl, wie entdeckt wird. Sollten Sie sich darum kümmern?“

„2030 wird es anderhalbmal soviele Autos geben. Was geht Sie das an?“

„Mehr als die Hälfte des Welt-Öls lebt in fünf Ländern. Wo leben Sie?“ 

Die fünf Länder sind Saudi-Arabien, Iran, Irak, die Vereinigten Arabischen Emirate und Kuweit. Mark Griffiths, dem für den Hinweis auf die Chevron-Kampagne zu danken ist, merkt an: Na ja, nicht jeder will wohl an den Persischen Golf ziehen. SteinbergRecherche ergänzt: Aber die Soldaten, die Soldaten sind längst da.

T:I:S, 13. Juli 2005 

*

3. Folge

Ergänzung 2: Die OPEC wird die voraussichtliche Nachfrage des Westens nach Öl in 10 bis 15 Jahren nicht decken können, verlautete aus offizieller saudischer Quelle. 

Quelle: Carola Hoyos: OPEC CAN'T MEET WEST'S OIL DEMAND, SAY SAUDIS. Financial Times (UK), July 6, 2005

T:I:S, 12. Juli 2005

Ergänzung 1: Das Ölangebot werde steigen und der Ölpreis bald sinken, behaupten die Cambridge Energy Research Associates (CERA) in ihrer neusten Studie über den Welt-Ölmarkt. Kjell Aleklett hingegen, Professor für Physik in Schweden und Präsident der Association for the Study of Peak Oil & Gas, hält den CERA-Bericht für unangemessen optimistisch. Einer seiner Studenten hätte darin Doppelzählungen entdeckt. Außerdem meinte er: „Mich verunsichert der Bericht nicht. In den nächsten Jahren wird man neue Ölfelder finden, aber danach wird man sich damit schwer tun.”  

Quelle: Ron Scherer: One energy forecast: Oil supplies grow. Christian Science Monitor, 22. Juni 2005

T:I:S, 6. Juli 2005   

*

Kann Saudi-Arabien immer mehr Öl fördern? 

Das US-Department of Energy behauptet, Saudi-Arabien besitze ein Viertel der nachgewiesenen Weltölreserven, etwa 264 Milliarden Barrel. Darüber hinaus seien mehrere Hundert Milliarden Barrel saudische Reserven wahrscheinlich. Die um über die Hälfte steigenden Weltjahresnachfrage bis 2025 könne befriedigt werden, denn Saudi-Arabien werde die zusätzliche Nachfrage zu einem Viertel decken. Es werde seinen Ölausstoß in den nächsten Jahren verdoppeln können. 

Matthew Simmons bezweifelt das. Der saudische Ölausstoß werde sogar sinken. Simmons begründet seine Vorhersage in einem Buch. Hat Simmons Recht, dann wird das Öl auf der Welt nicht reichen. Der Ölpreis werde stark steigen, weit über den heutigen Preis hinaus. Transport und Verkehr, ja, die gesamte Weltproduktion werde sich verteuern: die Nahrungsmittel – Saat, Düngung, Ernte, Verarbeitung und Vertrieb sind vom Ölpreis abhängig; die Farben, Plastikartikel, Brennstoffe, Pharmazeutika, Kosmetik – bestehen aus Öl. Eine ungekannt große Weltwirtschaftskrise rollt auf uns zu, falls Simmons Recht hat. So jedenfalls sieht das Michael T. Klare, Rezensent des Simmons-Buches und Kenner der geopolitischen Geschichte und Gegenwart rund um das Öl. 

Wer ist dieser Simmons, der die US-Prognosen bezweifelt? 

Matthew R. Simmons ist Chef der Öl-Investment-Bank Simmons & Company International, die in den letzten Jahrzehnten Milliarden von Dollar in Ölsuche und Ölfeldentwicklung gesteckt hat. Führende Ölmanager und Politiker sind seine Geschäftspartner und Freunde, darunter George W. Bush und Richard Cheney. Simmons verfügt über Informationen zu den größten Ölfeldern der Welt, über die Aussichten für Neuentdeckungen und über die Folgen von Fördertechniken. Deshalb muß seine Aussage verheerend klingen in den Ohren der Vertreter der offiziellen Version in US-Regierung und -Verwaltung.

Matthew R. Simmons, President

Simmons schreibt: „Die saudische Produktion ist nahe am oder schon auf dem Gipfel  einer dauerhaft realisierbaren Jahresfördermenge...  Sie wird wahrscheinlich in sehr naher Zukunft sinken.“ Die Zeit einfacher Förderung – Bohren, und der von Natur aus vorhandene Druck von unten preßt das Öl in die Leitungen – das sei auf allen sieben saudischen Riesenfeldern vorbei. Um die Fördermenge trotzdem aufrecht zu erhalten, werde Wasser mit Druck unter die Erde gepreßt. Ein Wasser-Öl-Gemisch trete an die Oberfläche, dessen Wasser-Anteil mit den Jahren immer mehr zugenommen habe. Neue Ölfelder würden sehr wahrscheinlich nicht mehr entdeckt werden. Nur sie könnten die Fördermengen-Abnahme auf den vorhandenen Feldern ausgleichen. 

Simmons’ Buch, so der Rezensent Klare, besteht großenteils aus detaillierten Berichten über die ausgedehnte Öl-Infrastruktur Saudi-Arabiens. Simmons hat sich auf technische Expertisen saudischer Geologen und Öl-Ingenieure gestützt, die erstmals öffentlich zugänglich sind. Simmons hält eine Verdoppelung der dauerhaften saudischen Ölfördermenge, wann auch immer, für ausgeschlossen. 

Klare meint: Wird weltweit nicht sofort der Ölverbrauch gesenkt, kommen grimmige Zeiten auf uns zu. Diese Meinung vertreten schon lange einige Führungskräfte aus der Ölwirtschaft – seit sie pensioniert sind. Simmons ist der erste Big Shot der Branche, der sich ihnen schon vorher angeschlossen hat.

T:I:S, 4. Juli 2005 

Quelle: Michael Klare on a Saudi Oil Bombshell - Rezension von Matthew R. Simmons' Twilight in the Desert: The Coming Saudi Oil Shock and the World Economy , 2005. Im Mai 2002 war Simmons offenbar noch gegenteiliger Ansicht, siehe Bund der Energieverbraucher
Siehe auch Peak Oil auf dieser Internetseite und Michael T. Klare: Blood and Oil: The Dangers and Consequences of America's Growing Petroleum Dependency sowie Michael T. Klare: Resource Wars. The New Landscape of Global Conflict. New York: Henry Holt and Company 2001/ 2002

*

2. Folge

Kosten-Nutzen-Analyse

"Der Irak-Krieg kostet die USA mehr, als das irakische Öl je einbringen wird. Wenn es im Irak um Öl gegangen wäre, hätten die USA andere Wege als den Krieg gewählt."

So oder milder ("Es ging jedenfalls nicht nur um Öl") wird das Öl-Argument angegangen. Die dabei vorausgesetze Hellsicht sei den Kriegsführern einmal zugestanden. Anthony Cordesman, ein gewichtiger Vertreter US-amerikanischer und Golfstaatsinteressen, argumentierte mit dem Schaden, den ein Überfall den Ölkonzernen zufügen würde  - SteinbergRecherche schloß aus seiner Analyse noch kurz vor Kriegsbeginn, der Irak würde nicht angegriffen werden.

Doch wer führte und führt Krieg gegen den Irak?  Es ist die US-Regierung. Es sind nicht die Konzerne, weder die Öl-Riesen, noch die Waffenproduzenten. Die Regierung sorgt nicht dafür, daß es den Leuten im Lande gut geht (allenfalls unter Zwang). Sie wägt nicht, wie ein idealer sozialistischer Staat, vor jeder Maßnahme ab, ob der Nutzen für das Land den Schaden überwiegt. Die Regierung eines kapitalistischen Landes sorgt grundsätzlich dafür, daß das Kapital Profit machen kann. Sie wägt nicht einmal sorgfältig ab, ob der Nutzen für das Kapital den Schaden für das Kapital des Landes überwiegt. Vielmehr folgen ihre Eingriffe dem je konkreten Macht- und Interessengeflecht derer, die das Land beherrschen. Im Ergebnis kann es den Beherrschten schlechter gehen, als zuvor - wie zur Zeit. Aber auch wesentliche Teile des Kapitals können sich schlechter stellen, weil Partikularinteressen einzelner Fraktionen des Kapitals in der Gesellschaft dominierten und in den Regierungsapparat hinreichten; manchmal auch, weil das Volk sich wehrt. Kapitalismus ist unplanbar.

Eine methodische Abwägung zwischen Kosten und Nutzen (oder genauer: Schaden und Nutzen - denn der Gegenbegriff zu Kosten ist in der deutschen Betriebswirtschaftslehre die Leistung) nennt man Cost-Benefit-Analyse. Unternehmen stellen Cost-Benefit-Analysen an: Welche Wirkungen der Maßnahme steigern den eigenen Gewinn, welche mindern ihn? Dabei lassen Unternehmen den Schaden, den sie andern zufügen könnten, außer Acht, es sei denn, Sanktionen drohen. Der Nutzen für andere ist ihnen aus Reklamegründen eine Betrachtung wert. 

Staatsapparate sperren sich gegen die Cost-Benefit-Methode: 1. weil sie formal an Ausgaben und Einnahmen, nicht, wie die Unternehmen, am Beitrag zur eigenen Kapitalbildung ausgerichtet sind; Staatsapparate sollen kein Eigenkapital bilden, sondern Kapitalisten Kapitalbildung ermöglichen; 2. weil allzu leicht publik würde, wer profitieren und wer verlieren wird. 

Der Regierung der USA kann es mit dem Irak-Krieg um Öl gegangen sein, selbst wenn sie gewußt haben sollte, daß die Kriegsschäden - sei es für die Bürger, sei es für einige Kapitalfraktionen der USA - höher liegen würden als der Nutzen für andere. Wahrscheinlich war die Regierung weder in der Lage zu einer methodischen Abwägung, noch darauf aus. 

Profiteure des Irak-Kriegs sind zur Zeit Halliburton (Öltechnologie, Militär-Catering, Privatarmeen); Bechtel, ein Bau- und Maschinenkonzern; und alle Rüstungsproduzenten. Die Ölriesen ersaufen fast in ihren Gewinnen, nicht im Irak, aber auch wegen des Irak-Kriegs. Verlierer sind die meisten Iraker, das eigene und andere Völker.

T:I:S, 30. April 2005

*

1. Folge

Öl einfach kaufen!

 

"Wenn es im Irak um Öl gegangen wäre, hätten die USA es doch einfach kaufen können -  zum Beispiel von Saddam Hussein; oder von Rußland."

Der zunächst verblüffende Gedanke steht auf zahllosen Internetseiten. Der Bluff beruht auf der Vorstellung, Ölgefechte würden im macht- und herrschaftsfreien Raum ausgetragen - es ginge, fern jeder Gesellschaft, um den Gebrauchswert des Rohstoffs zur Herstellung nützlicher Dinge. In Wirklichkeit bekommt der Ölverkäufer Geld für das Öl. Er ist nach Bezahlung stärker, als wenn er das Öl ohne Gegenwert hätte weggeben müssen.

Saudi-Arabien und andere US-konforme Ölländer verkaufen ihr Öl. Der Kaufvertrag lautet auf US-Dollar. Für US-Dollar können die Ölländer nur US-Waren und -Werte kaufen, oder solche, die ihrerseits mit US-Dollar erworben wurden. Das Geld der USA kehrt direkt oder auf Umwegen in die USA zurück , die Ölverkäufer erwerben dafür Vermögenstitel oder Waren, vor allem Waffen, vor allem aus US-Produktion. Die Herrschaftselite Saudi-Arabiens profitiert vom Geschäft, das Volk leidet. Am meisten profitieren die US-amerikanischen und andere Öl- und Rüstungskonzerne im Windschatten der USA.

Saddam Hussein hat den Kreislauf zu durchbrechen versucht. Er wollte die Verträge über Euro oder eine andere Währung abschließen. Die US-Regierung überfiel den Irak und besetzte ihn. Jetzt bestimmt sie die Bedingungen irakischer Ölverträge, genauso wie in Saudi-Arabien. Auch Venezuela unter Chávez versucht, die Ölkontrakte auf Euro oder Barter-Geschäfte (Ware gegen Ware) umzustellen. 

Der Saudi-Araber Ossama bin Laden hat ebenfalls versucht, den militärisch abgesicherten Kreislauf des Ölgeldes  zu  durchbrechen. In einem vermutlich echten Appell forderte er die USA auf, ihre Festungen in Saudi-Arabien zu schleifen und ihren Vorposten Israel nicht mehr zu stützen. US-Regierung und saudische Herrschaftselite husteten ihm was.

Warum Öl kaufen, kann man dem Bluff-Argument im Internet entgegnen, wenn Klauen auch geht?

T:I:S, 30. April 2005  

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