Iran

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Zu Öl und Gas im Iran siehe auch Israel, Trita Parsi, Erdgas und Geburtswehen; detaillierte Beiträge zu den Ahmadinedschad-Äußerungen und ihrer Fälschung siehe Bundeszentrale für politische Bildung. Zur Rolle des Iran in Afghanistan siehe Niels Annen, Hamburg-Eimsbüttel

Der Fortschritt im christlichen Abendland ist nicht aufzuhalten. Fragt der Inquisitor. "Hexe, hast Du's mit dem Teufel getrieben?" "Nein!", fleht die Frau. Sagt der Inquisitor: "Du steitest ab, das tun alle Hexen. Daran erkennen wir sie. Aber ich will gnädig sein: Beweis' mir doch, daß Du's nicht mit ihm getrieben hast!" Der Westen fordert vom Iran nicht nur den Beweis, daß er keine Bombe baut, einen Beweis, den der Iran aus rein logischen Gründen nicht erbringen kann, sondern darüber hinaus, daß er keine Bombe bauen will. Die Hexe soll brennen. T:I:S

 

Afsane Bahar

Der west-östliche Divan

Eine aktualisierte Version

West-östlicher Divan, doc-Datei, T:I:S, 15. März 2010. Zum Hintergrund: "Der parlamentarische Staatssekretär Christian Schmidt (CSU) wird im Bundestag von MdB Inge Höger (Linke NRW) zur Iran Situation befragt. Das Ergebnis ist ein selten offener Einblick in die, trotz Kunduz-Affäre und Kunduz-Spendenskandal, akute Gefahrenlage durch Regierung und Militärapparat." Warum die Bundeswehr Persisch lernt

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Peter Casey

Read the IAEA Reports on Iran

Peter Casey hat die Artikel in der New York Times und in der Times über den jüngsten Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) gelesen und sie mit dem Bericht selbst verglichen. Er schließt: 

For almost seven years, the IAEA has been issuing reports roughly every quarter on the findings, issues, and open items from its inspections of Iran’s nuclear activities. Three basic facts can be found in its reports. First, all of Iran’s nuclear material has been and remains under IAEA "containment and surveillance." Second, Iran does not have nuclear weapons or the means to make them. Third, there is no definitive evidence that Iran in fact has or ever had a nuclear weapons program. For as long as the IAEA has been issuing its reports, however, the major American media have been doing their utmost to twist, torque, and torture them into a nightmarish revelation of ghoulish mullahs feverishly building a doomsday machine as they plan to create a nuclear empire, wipe Israel from the face of the map, and conquer the world.

A couple of years ago I suggested that everyone should read the IAEA reports because an educated public might help avert another unnecessary war based on lies. That, however, probably wasn’t inspiring enough. So let me suggest this: If you read the reports and then read the newspaper accounts of them, you can experience firsthand that galvanic shot of astonishment from discovering just how bad – how shamelessly bad – the American media has become.

antiwar.com, 1. März 2010. T:I:S, 1. März 2010

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Muslim-TV

 Iran-Konferenz in Hamburg am 11. Februar 2010

Video, 29 Minuten, mit Statements unter anderem von Jürgen Elsässer und Thomas Immanuel Steinberg

Muslim-TV, T:I:S, 28. Februar 2010. Zum dort verlesenen vollständigen Text von T:I:S hier

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Der israelische Botschafter in Washington

Michael Oren, der israelische Botschafter in Washington, fälscht auf CNN erneut eine Aussage von Ahmadinedschad. Juan Cole. Die Aussage im Original hier (Farsi)

T:I:S, 28. Februar 2010. Ältere Fälschungen unter Bundeszentrale für politische Bildung 

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Frankfurter Allgemeine

Zu Gunsten der Medienhyänenmeute hier der Link nur auf die FAZ, eine gelegentlich korrekt berichtende Zeitung. Doch auch sie schürt grundlos die Angst vor einem iranischen Atombomben- oder Atomsprengkopfprogramm, siehe die Analyse des jüngsten IAEA-Berichts auf Iran Affairs mit Link zum Bericht, auf den die FAZ sich bezieht, den sie aber offensichtlich nicht angerührt hat. Stattdessen schreibt sie: 

In dem Bericht heißt es nach Angaben mehrerer Nachrichtenagenturen, es gebe "in sich schlüssige und glaubhafte Informationen",  die die Besorgnis aufkommen ließen über "frühere oder derzeitige Aktivitäten, die mit der Entwicklung einer nuklearen Sprengladung für eine Rakete in Zusammenhang stehen." 

Nach dem Muster: 

Der Michi soll von der Lisa gehört haben, daß die Moni mit dem Wolfgang was hat, echt!

T:I:S, 19. Februar 2010 

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Strategie der Zitatfälschung findet kein Ende

Gespiegelt aus Arbeiterfotografie 



AF, 12.2.2010 -- Am 28.1.2010 ist in der 'Süddeutschen Zeitung' bezogen auf Irans Geistlichen Führer Ali Chamenei zu lesen: "Er beschwor den Tag herauf, an dem die Region 'die Vernichtung' Israels erleben werde." (sueddeutsche.de) Die Agentur AFP bringt am 27.1.2010 in Umlauf, Chamenei habe geäußert, "Israel sei der 'Zerstörung' geweiht". (de.news.yahoo.com) Die 'Rheinische Post' schreibt am 27.1.2010, Chamenei habe gesagt, es werde "ein Tag kommen, an dem die Nationen der Region sich bei der Zerstörung des zionistischen Regimes helfen werden". (rp-online.de)

Gemäß einer englischsprachigen Meldung vom 26.1.2010 auf der website von Irans geistlichem Oberhaupt Ali Chamenei hat dieser im Gespräch mit dem Präsidenten Mauretaniens Ould Abdel Aziz die Verbrechen des zionistischen Regimes in Gaza, wegen derer Mauretanien die diplomatischen Beziehungen zu Israel abgebrochen hat, verurteilt und u.a. geäußert:

"The Zionist regime seeks to remove the Islamic face of Palestine through relentless pressure, siege and genocide... It is certain that the day will come for the regional nations to witness the collapse of the Zionist regime. Whether the day gets closer or farther to us depends on the performance of the Islamic countries and Muslim nations." (Das zionistische Regime trachtet danach, das islamische Gesicht Palästinas durch unaufhaltsamen erbarmungslosen Druck, Belagerung und Genozid zu entfernen. Es ist sicher, daß der Tag kommen wird, an dem die Nationen der Region Zeuge des Zusammenbruchs des zionistischen Regimes werden. Ob der Tag näher oder weiter weg von uns liegt, hängt vom Vorgehen der islamischen Länder und der muslimischen Nationen ab.) (leader.ir)

Eine unabhängige, wortgetreue Übersetzung aus dem Farsi-Original kommt zu folgendem Ergebnis: "Es wird sicherlich ein Tag kommen, an dem die Völker der Region Zeuge der Nichtexistenz des zionistischen Regimes sein werden." (leader.ir) Eine deutsche Übersetzung auf der website Chameneis verwendet statt 'Nicht-Existenz' und 'Zusammmenbruch' den Begriff 'Untergang'. (leader.ir) Auch das Wort (amalkard) im nachfolgenden Satz, das im Englischen mit 'performance' und in der deutschen Fassung mit 'Vorgehen' übersetzt ist, meint kein Vernichtungs- oder Zerstörungshandeln, sondern ein effektives bzw. fruchtbares (Leistungs-)Handeln.

Chamenei droht also nicht mit Vernichtung oder Zerstörung, sondern verurteilt das Israel bzw. Palästina beherrschende zionistische Regime, ist sich sicher, daß dieses Regime, das das Ziel verfolgt, die letzten Reste Palästinas zu beseitigen, in Abhängigkeit vom Verhalten der islamischen Länder früher oder später nicht mehr existieren wird, und ist demzufolge zuversichtlich, daß das brutale, völkerrechtswidrige Vorgehen gegenüber der palästinensischen Bevölkerung in absehbarer Zeit ein Ende haben wird.

T:I:S, 16. Februar 2010

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Thomas Immanuel Steinberg

Iran-Konferenz 

Ein Bericht wie er sich gehört

Auszüge aus dem Neuen Deutschland, nur heute am Kiosk, nicht im Netz (1):

Am Hamburger Hafen demonstrierten etwa 80 iranische Oppositionelle – darunter auch Schah-Anhänger – und »antideutsche« Gruppierungen mit Iran-, Israel- und Deutschland-Fahnen sowie roten Bannern gegen »die Kollaboration mit dem Regime«...

 ... der linke Publizist Thomas Immanuel Steinberg ... in seinem Vortrag vor den rund 100 geladenen Gästen an Bord der »Mississippi Queen« ...1982 seien Tausende iranischer Kommunisten brutal verfolgt worden, erklärte Steinberg seine politische Distanz. »Bis heute inhaftieren die iranischen Herrscher politische Gegner oder richten sie hin.« Steinberg war im Vorfeld der Konferenz von Springer- und anderen Medien unterstellt worden, »Bewunderung für die Mullahs« zu empfinden und »antisemitische Äußerungen« gemacht zu haben. Belegt wurden diese Behauptungen nicht.

Er sei zu der Konferenz gekommen, begründete Steinberg seine Teilnahme, um »Zitatfälscher« zu entlarven. So habe Irans Präsident Ahmadinedschad laut Bundeszentrale für politische Bildung geäußert, er wolle »Israel von der Landkarte tilgen« – eine »Lüge«, so Steinberg. Diese und andere Gerüchte dienten in den USA, Israel und in der deutschen Presse dazu, ein »Gemetzel an den Iranern« im Voraus zu rechtfertigen...

Westliche Medien arbeiteten derzeit unter Hochdruck daran, Präsident Ahmadinedschad das »Hitler-Etikett aufzukleben«, warnte der Autor Jürgen Elsässer. Die Beispiele Milosevic und Saddam Hussein belegten, dass solche Propaganda stets eine alarmierende Vorstufe für rational nicht vertretbare Angriffskriege sei. »Der Iran hat den Atomwaffensperrvertrag unterschrieben – im Gegensatz zu Israel«, sagte Elsässer, der wegen seiner offensiven Parteinahme für die iranische Regierung in der Kritik steht.

»Wir haben unseren guten Willen zur Kooperation gezeigt«, findet Botschafter Attar. Sein Land habe zwischen 2003 und 2005 alle Aktivitäten zur Entwicklung von Nuklearwaffen eingestellt und damit »die rote Linie des Westens« akzeptiert. Die »rote Linie« der iranischen Regierung hingegen sei die Bedrohung der Fortexistenz der islamischen Republik. »Wir müssen unsere roten Linien gegenseitig respektieren«, so Attars Appell...

Attar wies auch alle Antisemitismusvorwürfe zurück und betonte, dass seine Regierung trotz Feindschaft mit Israel ein friedliches Zusammenleben mit den Juden in der Region anstrebe.

Warum betreibt sie dann immer wieder die Klitterung der jüdischen Leidensgeschichte und verletzt damit vorsätzlich die Gefühle vor allem der Opfer und ihrer Nachkommen? »Der Holocaust war ein Verbrechen«, erklärte Attar hierzu gegenüber ND. Er verwahre sich lediglich dagegen, dass die israelische Militärgewalt gegen die palästinensische Bevölkerung auf dem Gaza-Streifen mit dem NS-Genozid in Europa gerechtfertigt werde. Die Antwort auf die Frage, warum seine Regierung 2006 berüchtigte Shoah-Leugner wie Robert Faurisson und andere Rechtsextremisten zu einem Stelldichein unter dem Titel »Überprüfung des Holocaust« nach Teheran geladen hatte, blieb der iranische Botschafter schuldig.

Ein kleiner Fehler steht im Text: Nicht iranische, sondern deutsche Studenten wurden vor der Deutschen Oper an der Bismarckstraße in Westberlin am 2. Juni 1967 verprügelt, von „Jubelpersern“ des Schahs und von der Westberliner Polizei. Ich entging den Prügeln knapp, weil ich in einem Pulk aus der sogenannten „Leberwurst“ (Polizeispruch: „An beiden Enden dicht machen und in die Mitte reinstechen“) gequetscht wurde. Die links und rechts neben mir traf’s. 

T:I:S, 15. Februar 2010 (2)

Anmerkungen

(1) Iran-Konferenz in Hamburg am 11. Februar 2010, siehe Vortrag von T:I:S.- Susann Witt-Stahl: Keine Zeit für Barmherzigkeit. Hamburger Iran-Konferenz wich auf Dampfer aus, der Medienschelte entkam sie nicht. Neues Deutschland, 15. Februar 2010, heute am Kiosk, im Netz nur für Abonnenten oder gegen Einzelzahlung. T:I:S, 15. Februar 2010

(2) Presseerklärung der Veranstalter der Iran-Konferenz vom 14. Februar 2010, .pdf-Datei

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/iran.htm#ND

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Thomas Immanuel Steinberg

Ein Ministerium als Zitatfälscher

Vortrag, vorgelesen am 11. Februar 2010, Iran-Konferenz in Hamburg, "Mississippi Queen", Überseebrücke


Mehr Fotos von der Konferenz bei Arbeiterfotografie

"Vorab in Kürze der Zusammenhang, in dem ich die bekannte Fälschung des Ahmadinedschad-Zitats  vom 26. Oktober 2005 sehe. 

1979 stürzte die iranischen Opposition das Schah-Regime. Am Sturz war die kommunistische Tudeh-Partei beteiligt, jedoch nicht an führender Stelle. Drei Jahre später verhafteten die Kräfte, die heute noch im Iran herrschen, Tausende Anhänger der Tudeh-Partei. Viele richteten sie hin. Bis heute inhaftieren die iranischen Herrscher politische Gegner oder richten sie hin. Darin gleichen sie ihren außenpolitischen Gegnern. Die US-amerikanischen und die israelischen Herrscher sperren ebenfalls politische Gegner in ihrem Herrschaftsbereich in Gefängnisse oder Lager, oder bringen sie um.

Der Staat Iran hat jedoch, anders als die Vereinigten Staaten und der Staat Israel, zumindest in diesem und im vorigen Jahrhundert, kein fremdes Staatsgebiet angegriffen oder gar erobert und besetzt. Die Vereinigten Staaten und der Staat Israel unterstellen nunmehr dem Staat Iran, er wolle den Staat Israel angreifen und das Land vernichten. Sie stützen sich dabei auf Aussagen des iranischen Präsidenten Ahmadinedschad, vor allem auf die Behauptung, Ahmadinedschad habe am 26. Oktober 2005 in Teheran gesagt, er wolle Israel von der Landkarte tilgen.

Ich habe mich mit dieser Behauptung befaßt, weil sie in den USA, in Israel und in der deutschen Presse dazu dient, einen Angriff der US-amerikanischen und der israelischen Streitkräfte auf den Iran im Vorhinein zu rechtfertigen. 

Was die deutsche Presse anlangt, vermerkte  Arbeiterfotografie im Frühjahr 2006:

Israel dem Erdboden gleichmachen, zerschlagen, vernichten, zerstören, tilgen, ausradieren, von der Landkarte löschen – das habe der iranische Präsident gefordert – lesen oder hören wir Ende Oktober 2005 in der 'taz', in der 'Berliner Zeitung', der 'Welt', im 'stern', im 'Spiegel', in der 'Zeit', in der F.A.Z., der Frankfurter Rundschau, beim ZDF, in der Tagesschau und bei N24. (1)

Doch was hatte der iranische Präsident Mahmud Ahamdinedschad tatsächlich am 26. Oktober 2005 gesagt? Er hatte zustimmend den Revolutionsführer Ruhollah Musavi Chomeini zitiert mit dem Satz:

Dieses Regime, das Jerusalem besetzt hält, muß von der Seite der Geschichte (wörtlicher: von der Seite der Zeit / des Zeitenlaufs) verschwinden.

Ahmadinedschad hat also in seiner Rede weder angekündigt, etwas zu tun, noch dazu aufgefordert, etwas zu tun. Er hat dringend gewünscht.

Was hat er dringend gewünscht? Weder hat er dringend gewünscht, daß etwas von der Landkarte gelöscht, noch, daß es getilgt, zerschlagen oder gar vernichtet wird; sondern: daß etwas verschwindet.

Was sollte verschwinden? Weder sollte Israel verschwinden, noch die Israelis, noch gar, wie einige behaupten, die Juden. Vielmehr hat der Präsident dringend das Verschwinden des Regimes gewünscht, das Jerusalem besetzt hält. Das ist jenes Regime, das zur Zeit die Palästinenser quält, Gaza belagert, die syrischen Golanhöhen beherrscht und das Westjordanland sowie Ostjerusalem Schritt für Schritt annektiert.

Aus dem dringenden Wunsch des Präsidenten nach dem Verschwinden dieses Regimes machte die deutsche Presse eine Aufforderung zur Vernichtung Israels. Auch eine Dienststelle der Bundesregierung, die Bundeszentrale für politische Bildung, verbreitete die Lüge. Sie roch genauso wie all die Lügen, die den Vietnamkrieg vorbereitet und begleitet hatten; die Unterstützung des Schahregimes; die Zerschlagung Restjugoslawiens; die Invasion Afghanistans und die Zertrümmerung des Irak. Diese Dienststelle der Bundesregierung, die Bundeszentrale für politische Bildung, stellte ihrem Internet-Dossier mit dem Titel "Antisemitismus" den Satz voran:

Mit seiner Äußerung, Israel von der Landkarte tilgen zu wollen, sorgte Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad im Oktober 2005 weltweit für Empörung.

Ich monierte am 15. Januar 2008 die Falschübersetzung bei der Bundeszentrale unter Verweis auf Arbeiterfotografie. Da das Falschzitat unmittelbar unter der Überschrift "Antisemitismus" stand, schrieb ich zum Schluß:

Sie, sehr geehrte Damen und Herren, erweisen überdies mit Ihrer fehlerhaften Wiedergabe der Ahmadinedschad-Äußerung dem Kampf gegen Judäophobie einen Bärendienst.

Auf diese und drei weitere offene Mails zur Zitatfälschung reagierte die Bundeszentrale nicht. Ich schrieb deshalb an die Fachaufsicht der Bundeszentrale beim Bundesinnenministerium, die Ministerialrätin Dagmar Hesse: 

Bitte teilen Sie mir .. mit, ob Sie fach- und dienstaufsichtlich billigen ... daß die Bundeszentrale für politische Bildung dem Präsidenten eines Landes in einem Krisengebiet eine Aussage zuschreibt, die er nicht gemacht hat und deren Verfälschung geeignet ist, die Krise zu verschärfen...

Zudem wandte sich Arbeiterfotografie mit einer Petition an den Bundestag. Arbeiterfotografie bat um Korrektur des Fehlers der Bundeszentrale.

Da Frau Hesse auf meinen Brief nicht antwortete, wandte ich mich mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde über den Leiter der Bundeszentrale, Thomas Krüger, und über seine Vorgesetzte, Dagmar Hesse, an den Minister des Innern, Dr. Wolfgang Schäuble. Am 20. Februar 2008, gut einen Monat nach meiner ersten Mail, reagierte im Namen des Ministeriums Frau Hesse mit einem Brief, der schloß:

[Es] besteht keine Veranlassung für die von Ihnen gewünschte Korrektur. 

Kein Anlaß zur Korrektur bestehe dem Bundesinnenministerium zufolge deshalb, weil Bundesregierung, Europäische Union und Vereinte Nationen wiederholt ihre Haltung zum Holocaust und zum Existenzrecht Israels deutlich gemacht und jede Drohung gegen Israel verurteilt hätten.

Ich antwortete:

Sie halten an der Lüge fest: Andere ja auch. Das kennen wir aus der deutschen Geschichte.

Die Petition von Arbeiterfotografie schließlich veranlaßte den Bundestag, seinen Sprachendienst einzuschalten. Eckart Schiewek vom Sprachendienst des Deutschen Bundestages machte sich an die Arbeit – und übersetze falsch. Die strittige Passage gab er laut Bundeszentrale, Datum 22. April 2008, so wieder:

Das Regime, das Jerusalem besetzt hält, muss aus den Annalen der Geschichte [safha-yi rōzgār] getilgt werden.

Ich merkte dazu an, und werde die Anmerkung sogleich erläutern:

Der Sprachendienst übersetzt wort- und kontextwidrig das intransitive Farsi-Verb "mahv shodan" – zu Deutsch: verschwinden – und das passivische Verschwinden mit dem transitiven "tilgen", respektive der aktivischen "Eliminierung", für welche es in Farsi durchaus die transitive, aktivische Wendung "mahv kardan" gibt – die aber im gesamten Ahmadinedschad-Text nicht vorkommt. 

Zur Verdeutlichung: Das Verb „verschwinden“, weil intransitiv wie „erscheinen“, „aufhören“ oder „auftreten“, erlaubt kein Akkusativobjekt. Die Sonne „verschwindet“, der Redner „tritt auf“, basta. Die Sonne kann nicht „jemanden“ oder „eine Sache“ „verschwinden“, der Redner kann nicht „jemanden“ oder „eine Sache“ „auftreten“. Dagegen verlangt das Verb „tilgen“, weil transitiv, ein Akkusativobjekt. Wenn es heißt, jemand tilge, so schließt sich die Frage an, wen oder was er denn tilge. Das transitive Verb „tilgen“ besitzt deshalb auch eine Passivform: Jemand oder etwas kann „getilgt werden“. Das intransitive Verb „verschwinden“ dagegen kennt kein Passiv, da nichts „verschwunden werden“ kann. (2)

Statt nun den iranischen Präsidenten richtig zu übersetzen: das Besatzungsregime müsse „verschwinden“ (intransitives Verb), wählte der Sprachendienst fehlerhaft die Passivform des transitiven Verbs „tilgen“ – das Besatzungsregime müsse „getilgt werden“. Dieser falschen Übersetzung zufolge hätte Ahmadinedschad zu einem Eingreifen aufgefordert – während er tatsächlich ohne jeden Hinweis auf irgendein Handeln das bloße Verschwinden dringend gewünscht hat. Der Sprachendienst des Bundestags, und mit ihm die Bundeszentrale für politische Bildung, haben nicht übersetzt, sondern fantasiert.

Dank der unermüdlichen Arbeit der Arbeiterfotografen haben sich zwar Spiegel, dpa und Zweites Deutsches Fernsehen von der Falschübersetzung distanziert. Doch die Falschübersetzung steht bis heute auf der Seite der Bundeszentrale. Und weiterhin wimmelt es in der Presse von noch fantasievolleren Fälschungen. Auf sie stützen sich die israelischen, US-amerikanischen und bundesdeutschen Sanktions- und Kriegsdrohungen gegen den Iran.

Kann das Gemetzel an den Iranern verhindert werden? Ich hoffe es. Deshalb bin ich hier."

T:I:S, 11. Februar 2010. Siehe auch Strategie der Zitatfälschung findet kein Ende

Anmerkungen 

(1) Alle Zitate sind unter Bundeszentrale für politische Bildung, teils durch Faksimile, belegt. Arbeiterfotografie hat eine Chronik ihrer Interventionen gegen die Falschzitierung auch gedruckt vorgelegt, siehe Rezension. Außerdem Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann (Arbeiterfotografie): Does Iran's President Want Israel Wiped Off The Map - Does He Deny The Holocaust? Translation to English: Erik Appleby. Information Clearing House, zur Zeit 221 Kommentare, T:I:S, 11. Februar 2010

(2) So auch Juan Cole und Jonathan Steele: Lost in Translation, Guardian, 14. Juni 2006

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/iran.htm#Konferenz     

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Kurzmeldungen und Links

Kein Wahlbetrug. Analyse mehrerer Meinungsumfragen ergab keinen Hinweis auf Wahlbetrug. Joachim Guilliard

Die Lüge zum Tage. Mit 20-prozentigem Uran lässt sich noch keine Atombombe bauen, dazu ist eine Reinheit von 85 Prozent nötig. Doch Ahmadinedschad arbeitet daran: Innerhalb eines Jahres will er zehn neue Uran-Anreicherungsanlagen errichten, wie der Leiter der iranischen Atombehörde, Ali Akbar Salehi, ankündigte. Bildzeitung

Dagegen noch nicht völlig verrottet die New York Times Indeed, Mr. Salehi was quoted by Reuters (...) He also said a previously announced plan to build 10 new enrichment plants would begin in the next Iranian year starting on March 21, Reuters reported.

Holland auf dem Weg zur Atombombe - oder fast. Holland ist nämlich in der Uran-Anreicherungstechnologie genauso weit fortgeschritten wie Deutschland und wie es der Iran sein will, wenn ihm kein angereichertes Uran geliefert wird - für die Nuklearmedizin. More Nuclear Scaremongering about Iran from Clinton; Neocons Quake at Ahmadinejad threat to make . . . gasp . . . Medical Isotopes. Juan Cole

Worum es geht. Gemeinsame Aggressionen gegen das iranische Militärregime gelten transatlantischen Kräften als letzte Chance, die westliche Hegemonie am Persischen Golf vor einem weiteren Erstarken der Volksrepublik China durchzusetzen. gfp

Lügen bis der Krieg kommt. "Irans Diktator Mahmud Ahmadinedschad hat Befehl gegeben, hochangereichertes Uran zur Entwicklung von Atomwaffen im eigenen Land herzustellen." Bildzeitung

Israelisches Millionengeschäft mit Teheran. Die israelische Firma Daronet hat mit der Teheraner Stadtverwaltung über ihre Filiale in Brüssel ein Millionengeschäft abgeschlossen. Daronet ist auf die Gestaltung von Webseiten im Internet und die Programmierung von kundenfreundlichen Automatisierungsprozessen spezialisiert, zum Beispiel für die Tankstellen in ganz Indien. Die Stadtverhaltung von Teheran habe schon 200.000 Dollar für die Übersetzung des Programms ins Persische vorab bezahlt und werde in Raten insgesamt eine Million Dollar für das israelische Programm entrichten, verriet der Finanzchef der Firma, Jakob Harpaz, dem israelischen Rundfunkreporter Schimon Vilnai... 
Weiter bei Ulrich W. Sahm, israelnetz.com . Mehr über Sahm unter Anti-Palästina-Lobby und darüber. Zu den teils intensiven Geschäftsbeziehungen zwischen Iran und Israel siehe Trita Parsi

T:I:S, 4. bis 13. Februar 2010

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Kein Hinweis auf Wahlbetrug

Der Vergleich dreier Befragungen der iranischen Wähler liefert keinen Hinweis darauf, daß Ahmadinedschad dank Wahlbetrug weiter Präsident ist. 

World Public Opinion, A project managed by the Program on International Policy Attitudes at the University of Maryland, USA. 

Deutsche Erläuterung bei Arbeiterfotografie. Siehe auch Trittbrettfahren

T:I:S, 5. Februar 2010

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Geschäftsräson

Die deutschen Exporte nach Iran sind von Januar bis Oktober 2009 im Vergleich zum Vorjahr um neun Prozent auf 2,9 Milliarden Euro gesunken. Aber die Zahlen verlieren an Aussagekraft, weil Firmen weltweit wegen des politischen Drucks zunehmend Geschäfte über Drittstaaten wie etwa China abwickeln. Dies soll auch für US-Firmen gelten.

Besonders alarmiert sind deutsche Unternehmen, weil die Kanzlerin Anfang der Woche angedeutet hatte, Deutschland werde notfalls neue Iran-Sanktionen auch ohne Uno-Beschluss zusammen mit befreundeten Staaten verhängen. Nicht einmal ein gemeinsames Vorgehen in der EU ist sicher. In der Uno bremst China Sanktionen, in der EU sträuben sich etwa die Spanier, Italiener und Skandinavier.

Von dem „Entmutigungs“-Kurs der Bundesregierung, nach dem sich deutsche Firmen auch ohne Sanktionsbeschlüsse freiwillig aus dem Iran-Geschäft zurückziehen sollen, hält die Industrie aber in Krisenzeiten wenig: „Die deutsche Wirtschaft hält sich an die bisher beschlossenen Sanktionen und wird auch mögliche künftige Verschärfungen umsetzen“, betonte BDI-Außenhandelsexperte Oliver Wieck. „Aber in einem Rechtsstaat wie Deutschland muss eine Verschärfung der Exportkontrollen über entsprechende Gesetze und Verordnungen erfolgen.“

Handelsblatt, 22. Januar 2010. T:I:S, 27. Januar 2010

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Zur Staatsräson gebracht

Projekt in Bandar-Abbas abgesagt. Hamburger Hafenbetrieb HHLA bläst Iran-Geschäft nach Intervention des Zentralrats der Juden in Deutschland ab. Hamburger Abendblatt.

Kommentar: Die Atom-U-Boote für Israel versprechen offenbar mehr Gewinn. Siehe auch Ha'aretz, das die Absage des Hafenausbaugeschäfts nicht deutsch-jüdischem, sondern israelischem Druck zuschreibt. Noch zu Zeiten von Paul Spiegel galt als Antisemit, wer nicht sorgfältig zwischen Juden und Israelis unterschied.

T:I:S, 27. Januar 2010

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The Times

The Times, London, Eigentümer ist der Zionist Rupert Murdoch, hat erneut gefälschte Dokumente lanciert, diesmal über einen angeblichen nuklearen Zünder, um den Iran des Baus einer Atombombe beschuldigen zu können. 

Ex-CIA- und Ex-DIA-Agent Philip Giraldi auf Antiwar Radio, Los Angeles, mp3-Audio, 53 Minuten, herrliches Amerikanisch. 

Text zum Thema hier. Nachweis, daß die Dokumente gefälscht sind, hier, mit Faksimile. Kommentar von Justin Raimondo mit dem bei ihm notorischen Schwänzchen, ein weiterer Trotzkist stecke hinter der Sache. Huh, huh.

T:I:S, 4. Januar 2010

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Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann

Trittbrettfahren mit der mächtigen westlichen Mainstream-Propaganda

Offener Brief an Mohssen Massarrat in Sachen Feindbildgenerierung und Delegitimierung des Iran

 

Herr Massarrat, Sie haben sich am 18. Dezember 2009 in der 'linken' Tageszeitung 'Neues Deutschland' zu Wort gemeldet [1]. Und Sie haben die Fragen in unserem offenen Brief "Bitte antworten Sie auf unsere Fragen!" vom 22. Juli 2009 [2] nach wie vor nicht beantwortet. Das ist Anlass für diesen erneuten offenen Brief.

Herr Massarrat, wir danken Ihnen für die Erkenntnis, dass die 'Grüne Bewegung' im Iran ein Produkt dessen ist, was Sie 'Wahlbetrug' nennen. Damit machen Sie deutlich, dass das In-Umlauf-Bringen der Behauptung vom 'Wahlbetrug' in Zusammenhang mit den Präsidentschaftswahlen im Juni 2009 wesentlicher Auslöser für die anschließenden Unruhen im Iran war, dass die 'Grüne Bewegung' - die Sie 'antitheokratische Demokratiebewegung' nennen - ohne die Behauptung vom Wahlbetrug sich nicht hätte entwickeln lassen und die 'Grüne Bewegung' somit in erheblichem Umfang Ergebnis eines Betruges anderer Art ist, nämlich des Betruges mit der falschen Behauptung vom Wahlbetrug. Aber, Herr Massarrat, wir müssen es verurteilen, dass Sie ganz wesentlich dazu beitragen, die Lüge vom Wahlbetrug weiterhin als Wahrheit zu verkaufen. [3]

Dabei könnten Sie wissen, dass Umfragen einen Monat vor der Wahl einen deutlichen Wahlsieg Ahmadinedschads prognostiziert haben [4]. Sie könnten wissen, daß es nach der Wahl Umfragen gegeben hat, die das Wahlergebnis bestätigen und aus denen hervor geht, dass 83% der befragten IranerInnen die Präsidentschaftswahl als frei und fair bezeichnen [5]. Und Sie könnten wissen, dass mit den von Ihnen verbreiteten 'tatsächlichen' Zahlen, von denen Sie behaupten, dass sie aus 'anonymen Kreisen des Innenministeriums' stammen, etwas nicht stimmen kann, weil es unterschiedliche, anonym verbreitete, angeblich 'tatsächliche' Ergebniszahlen gibt, die nicht gleichzeitig zutreffen können (laut Martin Gehlen in der Frankfurter Rundschau hat Ahmadinedschad 10,5 Millionen Stimmen erhalten, laut der von Ihnen verbreiteten Angaben 5,6 Millionen [6] - statt der 24,5 Millionen Stimmen gemäß des amtlichen Wahlergebnisses [7])

Herr Massarrat, wir müssen Sie fragen: was bringt Sie dazu, Ihre unbelegten Behauptungen wieder und wieder in die Öffentlichkeit zu bringen? Folgen Sie dem Prinzip der Mainstream-Propaganda, eine nicht erwiesene Behauptung durch Wiederholung zur Wahrheit werden zu lassen? Fühlen Sie sich der Suche nach Wahrheit verpflichtet, oder ist Ihre Aufgabe das demagogische Verbreiten von Desinformation? Herr Massarrat, Sie erkennen, dass die internationale Linke und die Friedensbewegung in der Iran-Frage gespalten ist. Aber wir müssen feststellen, dass Sie ganz wesentlich dazu beitragen, diese Spaltung herbeizuführen, und dabei den Eindruck erwecken, als ginge es Ihnen um deren Einheit.

Herr Massarrat, Sie versuchen die wenigen Kräfte, denen es um Aufklärung geht und die erkennen, dass die Behauptung vom Wahlbetrug der eigentliche Betrug ist, als 'eindimensional antikapitalistische Linke' zu diskreditieren und werfen ihr vor, ihre Bündnispolitik nach der Devise 'Der Feind meines Feindes ist mein Freund' zu betreiben. Was verleitet Sie zu der platitüdenhaft grassierenden Unterstellung, dass es darum ginge, jemanden zum Freund zu erklären, weil er Feind eines Feindes sei? Erkennen Sie nicht, dass das an der Sache vollkommen vorbei geht? Erkennen Sie nicht, dass es der Aufklärung willen um eine realistische Einschätzung der Dämonisierten und um Enttarnung derjenigen geht, die zwecks Legitimierung von Kriegen die Feindbilder generieren? Das Erkennen von Falschdarstellungen bedeutet doch nicht die Zustimmung zu allen Facetten der Politik derjenigen, die zum Feindbild gemacht werden sollen.

Herr Massarrat, Sie schreiben von Ahmadinedschads 'antiisraelischer und antiamerikanischer Rhetorik' und von dessen Politik, "den Atomstreit mit dem Westen eskalieren zu lassen". Dadurch sei "das Feindbild Iran gestärkt und dem militär-industriellen Komplex neue Nahrung geliefert" worden. Herr Massarrat, wir fragen Sie: warum erwähnen Sie die Verfälschung und die Unterdrückung wesentlicher Äußerungen Ahmadinedschads nicht? Und warum verwenden Sie den Begriff 'Atomstreit', wo Sie doch wissen müssten, dass der Iran seine Atompolitik im Rahmen der international gültigen Regeln betreibt, und somit die Verwendung des Begriffs 'Atomstreit' Bestandteil einer Kampagne ist?

Lieber Herr Massarrat, es kann Ihnen doch nicht darum gehen, "als Trittbrettfahrer mit der mächtigen westlichen Mainstream-Propaganda zu reisen" (wie Knut Mellenthin es formuliert hat[8])? Es muß uns als kritischen Zeitgenossen doch gemeinsam darum gehen, im Rahmen eines unvoreingenommenen Erkenntnisprozesses unabhängig vom Mainstream zu ergründen, was sich tatsächlich abspielt. Uns kann es doch nicht um Desinformation und die Desorientierung der 'Linken' und der Friedensbewegung gehen. Deshalb sollten wir eingestehen, wenn wir uns bei der Bewertung von Sachverhalten nicht sicher sein können, anstatt auf der Wiederholung von Behauptetem zu bestehen. Das gilt für Sie wie für uns. Deshalb bitten wir Sie nochmals: belegen Sie Ihre Behauptung vom Wahlbetrug oder revidieren Sie sie.


Anmerkungen

[1] Mohssen Massarrat in "Neues Deutschland" vom 18.12.2009 zur Frage "Kann Iran ein Bündnispartner für  linke Bewegungen sein?":
http://www.neues-deutschland.de/artikel/161372.auf-die-spitze-getrieben.html
zu der auch Knut Mellenthin in der gleichen Ausgabe der Zeitung Stellung bezogen hat:
http://www.neues-deutschland.de/artikel/161373.das-recht-auf-seiner-seite.html

[2] Offener Brief an Mohssen Massarrat vom 22.7.2009 "Bitte antworten Sie auf unsere Fragen!"
http://www.arbeiterfotografie.com/iran/index-iran-0043.html

[3] Mohssen Massarrat in "Neues Deutschland" vom 18.12.2009: "Die neue Bewegung in Iran mit grüner Farbe ist eine antitheokratische Demokratiebewegung. Sie entstand anlässlich des Wahlbetrugs bei den letzten  Präsidentschaftswahlen im Juni dieses Jahres."
http://www.neues-deutschland.de/artikel/161372.auf-die-spitze-getrieben.html

[4] Umfrage vom Washingtoner Meinungsforschungsinstitut 'Terror Free Tomorrow - The Center for Public Opinion' vom Mai 2009: 50% der befragten IranerInnen, die sich bereits entschieden haben, geben an, Ahmadinedschad wählen zu wollen (27% waren noch unentschieden)
http://www.terrorfreetomorrow.org/upimagestft/TFT%20Iran%20Survey%20Report%200609.pdf

[5] Studie des Washingtoner Meinungsforschungsinstituts WorldPublicOpinion.org vom September 2009: 83% der befragten IranerInnen bezeichnen die Präsidentschaftswahl von Juni 2009 als frei und fair, 55% geben an, Ahmadinedschad gewählt zu haben (26% beantworten die Frage, wen sie gewählt haben, nicht)
http://www.worldpublicopinion.org/pipa/pdf/sep09/IranUS_Sep09_rpt.pdf

[6] Artikel "Iran und die Wahlen - Ein kritischer Blick auf virulente, anonyme 'Wahrheiten'" von Chavi Dehdarian (aktiv in der Friedensbewegung Stuttgart) vom 18.7.2009 im Blog 'Nachgetragen' von Joachim Guilliard
http://jghd.twoday.net/stories/iran-wahlen-dehdarian/

[7] Amtliches Ergebnis der iranischen Präsidentschaftswahlen vom 12.6.2009 gemäß IRIB-Meldung vom 13.6.2009
Mahmud Ahmadi Nedschad: 24527516 Stimmen; 62,63 Prozent
Mohsen Rezaei: 678240 Stimmen; 1,73 Prozent
Mehdi Karrubi: 333635 Stimmen; 0, 85 Prozent
Mir Hossein Musavi: 13216411; 33,75 Prozent
Ungültige Stimmen: 409389 Stimmen; 1,04 Prozent
http://german.irib.ir/index.php?option=com_content&view=article&id=24738:
beispiellose-teilnahme-von-85-prozent-der-wahlberechtigten-an-den-wahlen&catid=94:praesidentschaftswahlen

[8] Knut Mellenthin am 20.12.2009 in einem Rundschreiben über den Artikel von Mohssen Massarrat in "Neues Deutschland" vom 18.12.2009 zur Frage "Kann Iran ein Bündnispartner für  linke Bewegungen sein?"

T:I:S, 23. Dezember 2009

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/iran.htm#FikentscherNeumann      

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Mellenthin kontra Massarrat

[Joachim Guilliard hat die Ansichten von Mohssen Massarrat und Knut Mellenthin zur iranischen Opposition kommentiert. T:I:S, 23. Dezember 2009]

 

Knut Mellenthin

Die iranische Opposition und der Atomstreit
Ein notwendiger Nachtrag
 
 
Liebe Kollegen, 
 
Das "Neue Deutschland" hat in seiner Ausgabe vom 18. Dezember Mohssen 
Massarrat und mich unter der Überschrift "Streitfrage: Kann Iran ein 
Bündnispartner für linke Bewegungen sein?" zu Wort kommen lassen. 
 
http://www.neues-deutschland.de/artikel/161372.auf-die-spitze-getrieben.html 
 
http://www.neues-deutschland.de/artikel/161373.das-recht-auf-seiner-seite.html 
 
Massarrats Text spricht weitgehend für sich selbst. Dennoch möchte ich 
seine Polemik gegen die iranische Außenpolitik im Schlussabsatz nicht 
unkommentiert stehen lassen: 
 
"Auch außenpolitisch mag Ahmadinedschad durch seine antiisraelische und 
antiamerikanische Rhetorik in der islamischen Welt und in Teilen der 
Dritten Welt Punkte gemacht haben. Seine Politik, den Atomstreit mit dem 
Westen eskalieren zu lassen, ist jedoch nicht im Geringsten ein Zeichen 
der nationalen Souveränität, sie hat vielmehr den Kriegstreibern in den 
USA und Israel in die Hände gearbeitet, das Feindbild Iran gestärkt und 
dem militär-industriellen Komplex neue Nahrung geliefert." 
 
Dies entspricht leider dem vorherrschenden Stil iranischer 
Oppositioneller, mit primitivem, billigen und inhaltslosen 
Ahmadinedschad-Bashing Punkte machen zu wollen. Sie nutzen damit den 
Vorteil, als Trittbrettfahrer mit der mächtigen westlichen 
Mainstream-Propaganda zu reisen. So weit diese Art unfruchtbarer Polemik 
auf den internationalen Streit um das zivile Atomprogramm des Irans 
ausgeweitet wird, arbeitet sie letztlich ungewollt den Kriegstreibern in 
die Hände. Denn es geht dabei weder um eine kritische Auseinandersetzung 
mit der Politik Irans in diesem Streit noch um Vorschläge für ein 
alternatives Agieren, sondern ausschließlich um Diskreditierung und 
Delegitimierung der iranischen Position. 
 
Es ist nicht ohne innere Logik, dass eine Reihe von iranischen 
Exil-Oppositionellen mittlerweile als nützliche Idioten bei der 
zionistischen Kampagne "Stop the Bomb" gelandet sind, die die 
internationale Isolierung Irans und seine Aushungerung durch Sanktionen 
zum offen erklärten Ziel hat. 
 
Dem Präsidenten-Bashing sind einige Tatsachen entgegen zu halten: 
 
Mahmud Ahmadinedschad ist erst seit Anfang August 2005 im Amt. Er hat 
weder den Streit um das iranische Atomprogramm noch die Kriegsdrohungen 
der USA und Israels erfunden, sondern hat diesen Konflikt von seinen 
Vorgängern, die heute zur Opposition gehören oder sie unterstützen, 
geerbt. 
 
Zunächst in erster Linie Israel, dann zunehmend auch die USA, verdächtigen 
den Iran schon seit den späten 1980er Jahren, erstens sich illegal 
Atomwaffen auf dem internationalen Markt verschaffen zu wollen und 
zweitens insgeheim, unter Bruch des Nuclear Non-Proliferation Treaty 
(NPT), an der Entwicklung eigener Atomwaffen zu arbeiten. Eine Flut von 
Lügen wurde im Lauf der Jahre in die Welt gesetzt, um dieser Kampagne 
Stoff zu geben. Seit etwa 1988 oder 1989 lautet die zionistische 
Propagandaparole, dass Iran nur noch fünf Jahre von der Bombe entfernt 
sei. Die Angaben der US-amerikanischen Geheimdienste sind nicht wesentlich 
zurückhaltender. Die Aufrechterhaltung dieser evidenten Lügen bedarf 
natürlich permanenter "Neueinschätzungen". 
 
Am 29. Januar 2002 führte Präsident George W. Bush in seiner State of the 
Union Address den Begriff der "Axis of Evil" ein, als deren Teile er 
namentlich Irak, Iran und Nordkorea angriff. Dies kam im Kontext der Rede 
einer Kriegserklärung auf Vorrat gleich, die zu jeweils gegebener Zeit 
vollstreckt werden würde. 
 
Im August 2002 "enthüllte" der US-amerikanische Sprecher des National 
Council of Resistance, einer Frontorganisation der sogenannten 
Volksmudschaheddin, die Existenz zweier im Bau befindlicher Anlagen: einer 
Anlage zur Uran-Anreicherung in Natanz und einer Fabrik zur Herstellung 
von schwerem Wasser in Arak. Die Baustellen waren den Geheimdiensten 
mehrerer Länder offenbar schon seit längerer Zeit durch 
Satellitenaufnahmen bekannt; das Material war dem NCR zu Propagandazwecken 
zugespielt worden. 
 
Iran war nach dem NPT nicht verpflichtet, der Internationalen 
Atomenergiebehörde (IAEA) die Existenz dieser Baustellen bekannt zu geben: 
Die Herstellung von Schwerem Wasser fällt gar nicht in die Zuständigkeit 
der IAEA. Und die Anlage in Natanz hätte der Wiener Behörde erst sechs 
Monate vor der geplanten Einführung von radioaktivem Material gemeldet 
werden müssen. Beides waren also keine "Geheimanlagen", beide verstießen 
nicht gegen Irans Verpflichtungen aus dem NPT. Trotzdem war die westliche 
Propaganda in diesem Fall außerordentlich erfolgreich. Begünstigt wurde 
das auch dadurch, dass die damalige iranische Führung sich wenig Mühe gab, 
der internationalen Öffentlichkeit den tatsächlichen Sachverhalt und die 
Rechtslage nach dem NPT zu erklären. 
 
In Folge dieser "Enthüllungen" ging der Iran im Jahre 2003 eine 
Zusammenarbeit mit der IAEA ein, die - jedenfalls nach iranischem 
Verständnis - dazu dienen sollte, alle eventuell vorhandenen unklaren 
Vorgänge in der Entwicklung des iranischen Atomprogramms aufzuarbeiten und 
aufzuklären. Es ist in diesem Zusammenhang daran zu erinnern, dass es sich 
ausschließlich um zurückliegende Vorgänge aus der Zeit vor der 
Präsidentschaft Ahmadinedschads handelte. Verantwortlich wären dafür 
allenfalls Ex-Ministerpräsident Mussawi (1981-1989), der bei der 
Präsidentschaftswahl im Juni dieses Jahres als Kandidat der Opposition 
auftrat, Ex-Präsident Rafsandschani (1989-1997), der jetzt hauptsächlich 
die Opposition unterstützt, und Ex-Präsident Khatami (1997-2005), der 
schon in seiner Amtszeit als "Reformer" galt und jetzt einer der 
maßgeblichen Oppositionspolitiker ist. 
 
Aufgrund der Drohungen der Westens, denen gegenüber Russland und China 
sich seltsam passiv und opportunistisch verhielten, sah sich die damalige 
iranische Führung genötigt, im Oktober 2003 einem mit dem EU-Trio 
(Deutschland, Frankreich und Großbritannien) ausgehandelten Moratorium 
zuzustimmen, durch das sich Iran zur Einstellung aller mit der 
Uran-Anreicherung verbundenen Arbeiten für die Dauer der Verhandlungen mit 
dem Trio verpflichtete. Offiziell handelte es sich allerdings um eine 
"freiwillige vertrauensbildende Maßnahme". 
 
In den Verhandlungen sollte es angeblich darum gehen, sich auf 
"zufriedenstellende Garantien" für den rein friedlichen Charakter des 
iranischen Atomprogramms zu einigen. Iran verstand darunter eine 
Verdichtung der Kontrollmaßnahmen durch die IAEA und war zu weitgehenden 
Zugeständnissen über die Verpflichtungen aus dem NPT hinaus bereit. 
Hingegen wollte das EU-Trio, wie sich bald herausstellte, im Einvernehmen 
mit den USA absolut nichts anderes akzeptieren als einen zeitlich 
unbefristeten vollständigen Verzicht Irans auf die Uran-Anreicherung. Das 
widerspräche den Rechten Irans aus dem NPT und würde für das Land einen 
weltweit erst- und einmaligen diskriminierten Sonderstatus konstituieren. 
 
Im Laufe des Jahres 2004 verschärften sich infolgedessen die 
Auseinandersetzungen. Diese betrafen auch den exakten Geltungsbereich des 
Moratoriums vom Oktober 2003. Die damalige iranische Führung versuchte 
ihre Auffassung durchzusetzen, dass sich dieses lediglich auf die 
eigentliche Anreicherung beziehe, nicht aber auf die in Isfahan 
praktizierte Vorstufe, bei der Roh-Uran in Gas umgewandelt wird. Letztlich 
ließ Iran sich aber aus schwer nachvollziehbaren, nicht öffentlich 
diskutierten Gründen darauf ein, im November 2004 ein zweites mit dem 
EU-Trio ausgehandeltes Moratorium zu unterzeichnen, das nunmehr mit 
absoluter Eindeutigkeit vorschrieb, alle mit der Anreicherung verbundenen 
Arbeiten, einschließlich des Konversionsprozesses in Isfahan, für die 
gesamte Dauer der weiteren Verhandlungen, also praktisch ohne zeitliches 
Limit, zu unterbrechen. 
 
Als Gegenleistung hatte das EU-Trio lediglich in Aussicht gestellt, dem 
Iran zu einem im Abkommen nicht geregelten späteren Zeitpunkt ein 
"Anreiz-Paket" zu präsentieren, das diesem nach westlichem Verständnis 
einen dauerhaften Verzicht auf eine eigene Uran-Anreicherung, also auf 
eine vom internationalen Markt unabhängige Produktion von 
Nuklearbrennstoff für Kernkraftwerke, schmackhaft machen sollte. Die 
Vorlage dieses "Pakets" zögerte das EU-Trio jedoch immer wieder hinaus. 
Nachdem die drei Staaten schließlich zugesagt hatten, dem Iran ihre 
Vorschläge spätestens Ende Juli 2005 vorzulegen, kündigten sie kurzfristig 
eine nochmalige Verschiebung an. Das wäre darauf hinausgelaufen, dass das 
"Paket" erst im August nach der Amtseinführung des neuen Präsidenten 
Ahmadinedschad übergeben worden wäre. 
 
Daraufhin unternahm der "Reformer" und jetzige Oppositionspolitiker 
Khatami in seinen allerletzten Amtstagen eine bis heute rätselhafte 
Initiative, mit der er die Weichen für seinen Nachfolger stellte: Khatami 
erklärte zum einen, dass die Vorschläge des EU-Trios - die zu diesem 
Zeitpunkt noch gar nicht offiziell übergeben worden waren, aber dem Iran 
offenbar schon durch geheime Kanäle bekannt waren - "völlig unzureichend" 
seien. Sachlich gesehen hatte er damit wohl Recht. Allerdings verzichtete 
die damalige iranische Führung leider darauf, sich mit den EU-Vorschlägen 
öffentlich auseinanderzusetzen. 
 
Khatami gab zweitens den Ausstieg aus dem Moratorium und die 
Wiederaufnahme einiger vorbereitender Arbeiten für die Uran-Anreicherung 
bekannt. Das EU-Trio, das auch im Namen der Iran-Sechs (das heißt neben 
den drei Staaten noch USA, Russland und China) sprach, verkündete 
daraufhin sofort den Abbruch der seit 2003 geführten Verhandlungen. Diese 
Verhandlungen sollten, so das Votum der Iran-Sechs, erst nach einer 
Rückkehr Irans zum Moratorium wieder aufgenommen werden. 
 
Dies war die Situation, die Ahmadinedschad zu Beginn seiner Amtszeit 
vorfand. Dass er irgendeine "Wende", gar eine "Verschärfung" und 
"Eskalation" im Atomstreit veranlasst habe, ist eine erfolgreiche 
westliche Propagandalüge. Von iranischen Oppositionellen vorgetragen, die 
den wirklichen Sachverhalt kennen, ist sie eine Infamie, zumal der Vorwurf 
niemals sachlich begründet und erläutert wird. Bezeichnenderweise gibt es 
von dieser Seite keine praktischen Vorschläge, wie Iran ihrer Meinung nach 
alternativ in diesem zentralen, existenziellen Konflikt agieren könnte und 
sollte. Mussawi scheute sich andererseits nicht einmal, der iranischen 
Regierung sofort "Ausverkauf" vorzuwerfen, als sich im Oktober ein 
partieller Kompromiss anzudeuten schien. 
 
Praktisch hat Iran in der Amtszeit von Präsident Ahmadinedschad immerhin 
erreicht, dass die 2005 von den Iran-Sechs abgebrochenen Verhandlungen 
wieder aufgenommen wurden - womit die Forderung nach Rückkehr zum 
Moratorium stillschweigend fallen gelassen wurde - und dass sich die USA 
jetzt direkt an den Verhandlungen beteiligen, was sie jahrelang 
kategorisch abgelehnt hatten. Das verdankt sich übrigens nicht Obama: Die 
Wende wurde schon im letzten Amtsjahr von Bush, 2008, eingeleitet. 
 
Knut Mellenthin, 21.12.2009 (Massarrat offenbar schon am 20.12. zugegangen, T:I:S)

 *

Mohssen Massarrat

Notiz vom 20.12.09 anlässlich der Kontroverse „Linke und Iran“ im ND vom 18.12.09

Liebe Kollegen,

ich bin erstaunt über die Angriffe von Herrn Mellenthin gegen meine Person. Ich möchte mich nicht auf dasselbe Niveau begeben, beschränke mich lediglich auf den Hinweis, dass ich gegenüber der Atompolitik der iranischen Regierung sehr wohl, und zwar seit langem, für ein anderes friedenspolitisches Konzept, nämlich die gemeinsame Sicherheit im Mittleren und Nahen Osten eintrete, das auf den Abbau aller Atomwaffen in der Region (d. h. also auch die israelischen Atomwaffen) und die Abrüstung bei konventionellen Waffen abzielt. Dies ist m. E. eine viel bessere Alternative als eine Aufrüstung auf der iranischen Seite, um dem Sicherheitsdilemma (atomare Überlegenheit Israels) Paroli zu bieten. Es müsste doch möglich sein, auf der eigenen Analyse der Fakten und Konsequenzen die Atom-Politik der iranischen Regierung zu kritisieren ohne gleich mit solchen Initiativen wie "Stop the Bomb", die einen Krieg gegen Iran geradezu herbeiwünschen,  in einen Topf geworfen zu werden.

Ich möchte Herrn Mellenthin bitten, sachlich zu bleiben und meine Schriften zu meiner Alternativlösung für Iran z. B. in den "Blättern für deutsche und internationale Politik", Heft 4, 2004, zu lesen und zur Kenntnis zu nehmen, dass ich mich zusammen mit IPPNW seit 3 Jahren für eine zivilgesellschaftliche Modellkonferenz für gemeinsame Sicherheit und Zusammenarbeit im Mittleren und Nahen Osten (KSZMNO) einsetze.

Informationshalber möchte ich allerdings noch darauf hinweisen, dass der gegenwärtige iranische Präsident nach seiner Wahl 2005 sehr wohl den damals in die Sackgasse geratenen Atomkonflikt angeheizt und mit seiner Politik einen Krieg von Bush, Cheney u. a. riskiert hat. Die Friedensbewegung hat sich vehement gegen die Kriegsbestrebungen gewandt und wird auch in Zukunft das gleiche tun. Ich bin froh, einen kleinen Beitrag dabei geleistet zu haben gegen einen Krieg und zwar nicht aus ideologischen Gründen, sondern in allererster Linie aus Verbundenheit mit meinen Landsleuten. Es ist grotesk, ja geradezu ein Witz, wenn einige wie Herr Mellenthin glauben, mir und anderen Iranerinnen und Iranern bei unserm Einsatz gegen einen Iran-Krieg Ratschläge geben zu müssen.

Ich möchte weitere mails von Herrn Mellenthin nicht beantworten, weil ich den verleumderischen Stil  für abwegig, nutzlos und kontraproduktiv halte. Gern wäre ich aber bereit, mich über linke Positionen zum Iran-Atomkonflikt in ND oder anderen Medien an einem öffentlichen Diskurs zu beteiligen.

Mit besten Grüßen
Mohssen Massarrat

T:I:S, 22. Dezember 2009

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/iran.htm#MellenthinMassarrat      

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Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann

Die Friedensbewegung darf nicht zur Kriegsbewegung werden

Das Thema Iran im "Friedensforum - Zeitschrift der Friedensbewegung"

Auf Seite 14 seiner Dezemberausgabe befaßt sich das Friedensforum (6/2009), die "Zeitschrift der Friedensbewegung", mit dem Thema Iran. Dort stehen zwei Artikel: eine Erklärung von 40 engagierten Wissenschaftlern mit dem Titel "Die iranische Zivilgesellschaft schützen", hier dokumentiert, und ein kleinerer Artikel zu "Katars Nahostpolitik", hier dokumentiert.

Erklärung der Friedensbewegung

Die Erklärung "Die iranische Zivilgesellschaft schützen" erwähnt zwar - am Rande - die Bedrohung des Iran von außen, stellt aber die innenpolitische Situation im Iran in den Vordergrund. Dabei werden Begriffe aus dem Vokabular des 'Westens' verwendet, z.B. 'Atomkonflikt' und 'freie Wahlen'. Und es ist von der "genuinen Natur der Proteste der iranischen Demokratiebewegung" die Rede.

Mit der Verwendung des Begriffs 'Atomkonflikt' wird dem Iran das 'Streben' nach Atomwaffen unterstellt. Es gibt aber objektiv betrachtet keinen 'Atomkonflikt', denn erwiesenermaßen enthält die Atompolitik des Iran – ob der Einsatz von Atomenergie zu begrüßen ist oder nicht, ist eine andere Frage – nichts, was internationalen Verträgen zuwider laufen würde und damit unerlaubt wäre. Einen 'Atomkonflikt' gäbe es mit Israel. Der wäre real, wird aber nicht thematisiert.

Mit der Forderung nach 'freien Wahlen' wird auf die Präsidentschaftswahlen im Juni 2009 angespielt, und es wird unterstellt, die Wiederwahl Ahmadinedschads sei das Ergebnis von Wahlbetrug, wie es von den kapitalhörigen und auch von sich links nennenden Medien ohne jeden Beweis verbreitet worden ist.

Mit der Formulierung "Als Unterstützer der iranischen Zivilgesellschaft möchten wir die genuine Natur der Proteste der iranischen Demokratiebewegung betonen" wird so getan, als gäbe es die Destabilisierungsbestrebungen – insbesondere Israels und der USA – nicht. Und es wird offensichtlich davon ausgegangen, dass die Proteste berechtigt waren. Wesentlicher Auslöser für die Proteste war aber die Verbreitung des unbelegten Vorwurfs vom Wahlbetrug.

Wenn es in diesem Zusammenhang in der Erklärung heißt "Gleichzeitig wenden wir uns gegen die unsachliche und vereinnahmende Darstellung der letzten Geschehnisse im Iran in einigen deutschen und internationalen Medien", so können damit nur die wenigen Veröffentlichungen gemeint sein, die anerkennenswerterweise die Einflussnahme von außen und insbesondere das Operieren mit dem Vorwurf des Wahlbetrugs als Mittel zum Schüren von Unruhen thematisiert haben. Genau diese wenigen kritischen Stimmen werden durch die Erklärung diskreditiert. Das ist erschreckend. Das ist der gleiche Tenor, wie er aus dem offenen Brief des Mitunterzeichners Mohssen Massarrat vom 20.7.2009 spricht, in dem er einem Teil der Linken und ihren Medien "mangelnde Solidarität" mit dem "großartigen Widerstand der Menschen" im Iran vorwirft [1].

Die Erklärung "Die iranische Zivilgesellschaft schützen" verurteilt die Verhältnisse im Iran – mehr als die Sanktionen des Auslandes gegen das iranische Volk (wie es heißt). Es stellt sich die Frage, warum es der vom Krieg bedrohte Iran ist, der derart im Fokus der Betrachtung steht. Wie viele Staaten auf der Welt gibt es, deren innenpolitische Verhältnisse zu verurteilen wären und die trotzdem nur geringe Beachtung finden? Warum beispielsweise ist die von den USA 'geduldete' verheerende Menschenrechtssituation mit Millionen Binnenflüchtlingen und einer traumatisierten Bevölkerung in Kolumbien nicht annähernd vergleichbar im Bewusstsein der Weltöffentlichkeit? Wo bleibt hier der Sturm der Entrüstung?

Es sind 40 Namen als Unterzeichner der Erklärung aufgeführt. Streng genommen sind es 41, denn teils wird Kai Hafez und teils Bettina Bouresh als Unterzeichner bzw. Unterzeichnerin angegeben. Es erscheint unvorstellbar, dass alle 41 UnterzeichnerInnen tatsächlich hinter der Erklärung stehen. Auf Nachfrage haben einige von ihnen Stellung bezogen.

Einer der Unterzeichner sieht die Erklärung als Kompromiss und Zugeständnis an die bipolaren Diskursmuster, die implementiert werden (wer etwas gegen anti-iranische Hetze sagt, sei ein Freund der Regierung), sieht aber in der faktizierenden Bezeichnung 'Atomkonflikt' im nachhinein einen Fehler, der nicht hätte geschehen dürfen. Dagegen weist ein anderer Unterzeichner den westlichen Ursprung der Begriffe 'Atomkonflikt' und 'freie Wahlen' von sich.

Ein weiterer Unterzeichner dagegen hat erkannt, dass auf die Opposition im Iran von außen – auch manipulativ – eingewirkt wurde und wird. Und er weiß, dass CIA, MI6 und Mossad ihre Finger im Spiel haben. Er sieht die Propaganda vom angeblichen Atomwaffenprogramm des Iran – wie sie in der Bezeichnung 'Atomkonflikt' zu Tage tritt – und die damit verbundene brennende Kriegsgefahr. Unterzeichnet hat er trotzdem, weil er die Forderungen nach Menschenrechten und Demokratie im Iran für berechtigt hält und er die Menschen im Iran nicht alleine lassen will. Die Aktivitäten der Geheimdienste würden ins Leere laufen, wenn es keine Demokratie- und Menschenrechtsdefizite im Iran gäbe.

Des weiteren kamen folgende zwei Zuschriften von Unterzeichnern aus dem Bereich der Friedensbewegung: "Die Erkärung gibt ziemlich exakt meine politische Meinung wieder, meine Sympathie gehört den Menschen, die für Demokratie und Freiheit gegen Unterdrückung – in welchem reaktionären Gewande auch immer – kämpfen. Diktatoren verabscheue ich zutiefst." Und: "Ja, diese Erklaerung habe ich mit voller Absicht unterschrieben. Vielleicht sollten wir sie noch mehr verbreiten. Manche Formulierungen sind mir sogar etwas zu schwach... Die antiimperialistische 'Linke' ausserhalb des Iran ist hier mal wieder aufgrund der eigenen 'Logik' auf dem falschen Trip. Der Ansatz 'der Feind meines Feindes ist mein Freund' ist einfach falsch. Das Gesundbeten von Ahmadinedschad ist sehr unappetitlich."

Mohssen Massarrat, den wir schon vor Veröffentlichung der Erklärung – an der er entscheidend mitgewirkt haben dürfte – angeschrieben hatten und nach Belegen für die Behauptung des Wahlbetrugs gefragt hatten, ist uns bis heute eine Antwort schuldig geblieben. Stattdessen reagierte er mit dem oben erwähnten Offenen Brief, in dem er versucht, Stimmen der Aufklärung zu diskreditieren [1]. Wenn aber die Behauptung vom Wahlbetrug der eigentliche Betrug ist, kippt die Annahme, Aktivitäten der Geheimdienste würden ins Leere laufen. Dann muss in Betracht gezogen werden, dass die Behauptung vom Wahlbetrug von aussen kam und mit ihr eine Basis für Unruhen geschaffen werden sollte, dass es – wie so oft – um einen Hebel für einen Regime-Change ging – nicht mit dem Ziel der Demokratisierung sondern mit dem Ziel der endgültigen Unterjochung eines noch unabhängigen Landes, das weltpolitisch einen wichtigen strategischen Baustein darstellt und über wirtschaftlich sehr verlockende Bodenschätze verfügt.
Aber immerhin: es gab einen in der Friedensbewegung Aktiven, der zum Kreis der potentiellen Unterzeichner gehörte, der die Erklärung nicht mitgetragen hat. Für ihn war die Nicht-Erwähnung der Einflussnahme von außen, die einseitige Parteinahme für die 'Grüne Bewegung' und die Verwendung der Bezeichnung 'Zivilgesellschaft' als Synonym für die Anti-Ahmadinedschad-Aktivisten nicht akzeptabel. Und dann ist da noch jemand, der als Unterzeichner geführt wird, aber von der Erklärung gar nichts wusste.

Verlautbarung der Bundesregierung

Der zweite Artikel mit dem Titel "Katars Nahostpolitik" auf Seite 14 des 'Friedensforums' stammt aus SWP-Aktuell, einer Publikation der Stiftung Wissenschaft und Politik – Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit. Die Autoren sind Katja Niethammer und Guido Steinberg. Was ist die 'Stiftung Wissenschaft und Politik'? Und wer sind die Autoren, die hier in der Zeitschrift der Friedensbewegung zu Wort kommen?

Die 'Stiftung Wissenschaft und Politik' ist "der größte außenpolitische Think Tank Europas" [2], bezahlt aus Bundesmitteln (9,7 Mio. Euro im Haushaltsjahr 2005) und der Bundesregierung nahe stehend. Katja Niethammer und Guido Steinberg schreiben regelmäßig für diese Stiftung. Katja Niethammer veröffentlicht auch in der Zeitschrift 'Internationale Politik' der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP). Ihr Präsident ist Dr. Arend Oetker (Chef der Oetker-Holding, aktiv für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft INSM, ausgezeichnet durch die Konrad-Adenauer-Stiftung und bis 2005 Vorsitzender der Atlantik-Brücke). Dr. Guido Steinberg war von 2002 bis 2005 Referent im Referat Internationaler Terrorismus des Bundeskanzleramts. Dieser Hintergrund wird im 'Friedensforum' mit keinem Wort erwähnt.

Es ist bemerkenswert, dass gewissermaßen die Bundesregierung sich eines Organs der Friedensbewegung bedienen kann. So können wir denn ohne jede Kommentierung lesen: "Zum Schutz vor seinen Nachbarn Iran und Saudi-Arabien lehnt sich Katar militärisch eng an die USA an." Damit wird suggeriert, der Iran stelle für Katar eine Bedrohung dar. Es lässt sich vermuten, dass die Bedrohung durch Atombomben des Iran gemeint ist. Nein, aus der Vermutung wird schnell Gewissheit, wenn wir auf der swp-website uns den gesamten Artikel ansehen, der hier im 'Friedensforum' mit dem wiedergegebenen Anreißer gewissermaßen beworben wird. Dort ist zu lesen, die Regierung von Katar fürchte, "dass der Iran eine Atombombe entwickeln und eine aggressive Hegemonialpolitik in der Golfregion betreiben könnte". Das ist die Verkehrung der realen Bedrohungssituation, wie sie allenthalben zu finden ist und mit der die Kriegspläne gegen den Iran legitimiert werden sollen. Es wird so getan, als ginge eine Kriegsgefahr vom Iran aus. Es ist aber der Iran, der sich einer realen (Atom-)Kriegsgefahr ausgesetzt sehen muss.

Wo steht die Friedensbewegung?

Die gegen den Iran gerichtete Propaganda enthält folgende wesentliche Behauptungen: der Iran entwickele Atomwaffen – um damit Israel von der Landkarte zu tilgen. Die Präsidentschaftswahlen vom Juni 2009 seien gefälscht und die folgenden – teils gewalttätigen – Unruhen damit gerechtfertigt. Über die Darstellung Irans als Bedrohung und die Delegitimierung des iranischen Präsidenten wird ein Feindbild konstruiert, dem das 'Friedensforum' nichts entgegensetzt.

Im Gegenteil: Im Februar 2006 schreibt Mani Stenner - ohne in Betracht zu ziehen, daß daran etwas nicht stimmen könnte - von den "unsäglichen anti-semitischen Äußerungen des iranischen Präsidenten Ahmadinedschad" [3]. Die Fälschung der Äußerungen Ahmadinedschads durch Falschübersetzung (z.B. der Iran wolle Israel von der Landkarte tilgen oder der Holocaust sei ein Märchen) werden im 'Friedensforum' nicht zum Thema gemacht - trotz mehrfacher Angebote unsererseits an die Redaktion des 'Friedensforums'.

Im August 2009 erhält Mohssen Massarrat Gelegenheit, im 'Friedensforum' - ohne jede kritische Reflexion - von der "offensichtlichen Fälschung der Wahlergebnisse" zu schreiben [4]. Dabei gäbe es fundierte Analysen - auch aus den Reihen der Friedensbewegung - die für Aufklärung sorgen könnten, z.B. im Blog von Joachim Guilliard [5]. Dort wird deutlich, dass es unterschiedliche, anonym verbreitete Ergebniszahlen gibt, die angeblich die 'tatsächlichen' sein sollen, aber definitiv nicht gleichzeitig zutreffend sein können. Nach einem Artikel von Martin Gehlen in der Frankfurter Rundschau haben 'die anonymen Kreise des Innenministeriums' Ahmadinedschad nicht wie bei Mohssen Massarrat 5,6 Milllionen, sondern 10,5 Millionen Stimmen gegeben. Damit wird die Unglaubwürdigkeit dieser angeblich 'tatsächlichen' Zahlen eklatant.

Im Juni 2009 kann Otfried Nassauer, wesentlicher Lieferant von Informationen zum Thema Atomwaffen [6], im 'Friedensforum' die Politik der USA bejubeln: "Barack Obama hat die Vision einer besseren Zukunft. Sein politisches Gestaltungsprinzip ist die Hoffnung." Obamas USA habe "die Vision einer atomwaffenfreien Welt" - die "Vision Null-Lösung" [7]. Dass mit Obama eine Lovemark [8] geschaffen worden sein könnte, mit der die unverändert menschenverachtende Politik der USA nur hinter einem neuen Schleier der schönen Worte versteckt wird, zieht Otfried Nassauer nicht in Betracht.

Es müsste aber eine entscheidende Aufgabe der Friedensbewegung sein, der Entstehung von Kriegen entgegen zu wirken, indem sie die psychologische Vorbereitung der Massen durch die Kriegsplaner und ihre Medien analysiert. Zu dieser Vorbereitung gehört ganz zentral das Aufbauen von Feindbildern. Deshalb ist es entscheidend, diese Feindbilder im vorhinein als solche zu demaskieren und damit einen Beitrag zur Verhinderung von Kriegen zu leisten. Wenn es dagegen gelungen sein sollte, dieses Denken aus der Friedensbewegung herauszuhalten, dann könnten sich die Krieg planenden Mächte nur beglückwünschen. Sie hätten sich eine Friedensbewegung geschaffen, die in Wahrheit eine Kriegsbewegung ist, die die psychologischen Kriegsvorbereitungen stützt, anstatt sie zu behindern.

Doch das 'Friedensforum' darf nicht zum 'Kriegsforum' werden, und die Friedens- nicht zur Kriegsbewegung.

Anmerkungen

[1] Erwiderung und Analyse des offenen Briefs von Mohssen Massarrat vom 19.7.2009 "an 'die Linke' anlässlich ihrer mangelnden Solidarität mit der Volksbewegung im Iran"
http://www.arbeiterfotografie.com/iran/index-iran-0043.html

[2] Artikel "Volker Perthes wird Think-Tank Chef" in 'Die Welt', 5.1.2005

[3] Artikel "Öl ins Feuer - Blickpunkt Irankonflikt: Ist die Eskalation noch zu stoppen?" von Mani Stenner, Geschäftsführer des Netzwerks Friedenskooperative, in 'Friedensforum', Ausgabe Februar 2006
http://www.friedenskooperative.de/ff/ff06/1-11.htm

[4] Artikel "Beginn eines neuen Abschnitts in der Geschichte Irans - Reform durch Revolution" von Mohssen Massarrat, Professor (i.R.) für Politik und Wirtschaft an der Universität Osnabrück, in 'Friedensforum', Ausgabe August 2009
http://www.friedenskooperative.de/ff/ff09/4-37.htm

[5] Artikel "Iran und die Wahlen - Ein kritischer Blick auf virulente, anonyme 'Wahrheiten'" von Chavi Dehdarian (aktiv in der Friedensbeweung Stuttgart) vom 18.7.2009 im Blog 'Nachgetragen' von Joachim Guilliard
http://jghd.twoday.net/stories/iran-wahlen-dehdarian/

[6] Artikel "Atomwaffen und ihre Informationskanäle - Zur Medienberichterstattung über Atomwaffen in Deutschland" von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann vom 12.7.2008
http://www.arbeiterfotografie.com/medien/2008-07-10-atomwaffen-in-deutschland.html

[7] Artikel "Vision Null" von Otfried Nassauer, Leiter das Berliner Informationszentrum für Transatlantische Sicherheit (BITS), im 'Friedensforum', Ausgabe Juni 2009
http://www.bits.de/public/articles/friedensforum/ff03-09.htm

[8] zum Vergleich: "'Reporter ohne Grenzen' – eine 'Lovemark' der US-Regierung" von Elke Groß und Ekkehard Sieker vom 25.7.2007
http://www.arbeiterfotografie.com/medien/2007-07-25-reporter-ohne-grenzen.html

 

Dokumentiert

Hauptartikel auf Seite 14 im 'Friedensforum', Ausgabe Dezember 2009
'Die Kinder Adams sind aus einem Stoff gemacht': Die iranische Zivilgesellschaft schützen
Erklärung von 40 engagierten Wissenschaftlern
Bildunterschrift: Protest in Teheran wird mit Gefängnis und Folter bestraft


Die Kinder Adams sind aus einem Stoff gemacht, als Glieder eines Leibs von der Schöpfung erdacht. Sobald ein Leid geschieht nur einem dieser Glieder, dann klingt sein Schmerz sogleich in ihnen allen wider. Ein Mensch, den nicht die Not der Menschenbrüder rührt, verdient nicht, dass er noch des Menschen Namen führt. Sa'adi (1210 -1290)

Wenn wir uns gegen die Gewaltandrohung von außen an den Iran (im Atomkonflikt) aussprechen und vor einem Luftangriff warnen, können wir nicht bei der Gewaltanwendung im Iran selbst gegen die eigene Zivilgesellschaft schweigen. Denn die Solidarität mit der Zivilgesellschaft und eine Friedensordnung in der Region begründen das Hauptanliegen unserer Bemühung. Wenn wir die Sanktionen des Auslandes gegen das iranische Volk verurteilen, verurteilen wir umso mehr inländische Sanktionen gegen friedliche Demonstranten, Journalisten, Gewerkschaftler, Professoren, Studenten u.a. Dadurch entzieht sich die Regierung auch die eigene inländische Basis gegen die ausländische Bedrohung.

Wir wollen nicht nur einzeln, sondern auch als eine Gruppe von engagierten Wissenschaftlern unseren entschiedenen Protest gegen die brutale Niederschlagung von Demonstrationen und gegen die massenhaften Verhaftungen kundgeben und zum friedlichen Dialog mit der Zivilgesellschaft ermahnen. Wir fordern die iranische Regierung auf, alle politischen Gefangenen der letzten Wochen, darunter auch alle Professoren, freizulassen und gerade mit diesen als Moderatoren der Zivilgesellschaft ins Gespräch zu kommen. Meinungsfreiheit und Demonstrationsrecht - Grundpfeiler der auch vom Iran unterzeichneten UN-Charta der Menschenrechte - werden heute im Iran massiv verletzt.

Wir erinnern daran, dass der gegen Iran aufgebaute Belagerungszustand und die fortwährende Drohkulisse nun wieder auf fatale Weise vor Augen führen, wie sehr dadurch die Spielräume für eine demokratische Entwicklung beschnitten werden.

Gleichzeitig wenden wir uns gegen die unsachliche und vereinnahmende Darstellung der letzten Geschehnisse im Iran in einigen deutschen und internationalen Medien. Als Unterstützer der iranischen Zivilgesellschaft möchten wir die genuine Natur der Proteste der iranischen Demokratiebewegung betonen. Die Demonstranten, die sich aus allen gesellschaftlichen Schichten zusammenstellen, setzen sich für freie Wahlen und freie Meinungsäußerung ein.

Andererseits erzeugt gewisse Verwunderung, dass gerade diejenigen, die für lähmende Sanktionen und Präventivkrieg gegen den Iran warben, worunter die Zivilgesellschaft zu leiden gehabt hätte, plötzlich von der Solidarität mit dem iranischen Volk sprechen. Sie werden erst dann überzeugend, wenn sie sich auch gegen die Sanktionen und Gewaltandrohung und für friedlichen Dialog in der Region einsetzen.

Diese Erklärung wurde von 40 Wissenschaftlerinnen aus dem Iran, Großbritannien, Deutschland, den USA und der Schweiz unterzeichnet. Der vollständige Text mit namentlicher Nennung der Unterzeichnerinnen kann heruntergeladen werden bei Campaign Iran 

Zweiter Artikel auf Seite 14 im 'Friedensforum', Ausgabe Dezember 2009
(identisch mit dem Anreißer des Artikels aus SWP-Aktuell vom 18. April 2009)
KATARS NAHOSTPOLITIK - Neuer Akteur mit begrenztem Handlungsspielraum - Von Katja Niethammer, Guido Steinberg


Als Katar - ein kleines Emirat mit großen regionalpolitischen Ambitionen - Anfang 2008 einen Kompromiss zwischen den Konfliktparteien im Libanon vermittelte, erregte dies weltweites Aufsehen. Der Gipfel der Arabischen Liga in Doha Ende März 2009 zeigte indes, dass Katars politisches Gewicht nicht überschätzt werden sollte. Obwohl ein energiepolitischer Riese, kann Doha gegen die Allianz der prowestlichen Staaten Saudi-Arabien und Ägypten mit den USA wenig ausrichten. Katar, das seit 2006 eine zunehmend unabhängige Außenpolitik verfolgt, wird in erster Linie von der Erkenntnis geleitet, bei einer etwaigen Eskalation der Spannungen in der Region gefährlich nah an der Fronttinie zum Iran zu stehen. Deshalb verfolgt das Emirat eine Doppelstrategie. Zum Schutz vor seinen Nachbarn Iran und Saudi-Arabien lehnt sich Katar militärisch eng an die USA an. Gleichzeitig versucht es, sich als erfolgreicher Vermittler zu positionieren und so das internationale Interesse an seiner Stabilität wachzuhalten.

Quelle: Stiftung Wissenschaft und Politik
, .pdf-Datei 

T:I:S, 12. Dezember 2009

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/iran.htm#Friedensbewegung     

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Thomas Immanuel Steinberg

Fakten

Von Texten über politische Tatsachen lassen sich Kriegstreiber und Rüstungslobbyisten, Antideutsche und andere Karrieristen nicht beeindrucken. Auch an Menschen, die nur Werbeplakate lesen, geht sonstiges Druckwerk selbstredend vorbei. Und die politisch aufgeweckten Friedensfreunde, die wissen sowieso Bescheid... oder etwa nicht?

Hans Christoph Stoodt ist so ein Friedensfreund. Seit Ewigkeiten wirbt er für Anstand und Vernunft durch Aufrufe,  Aktionen und Demonstrationen. Doch gestern hat er einen langen Aufsatz ins Netz gestellt, der zeigt: Selbst ihm hat die westliche Propaganda gegen Ahmadinedschad, Hitlers x-te Wiedergeburt, den Kopf vernebelt. Er fragt rhetorisch: 

Gemeinsame Sache ...

...  auch mit dem Schlächter der irakischen KommunistInnen und vormaligen US-Verbündeten Saddam Hussein, mit dem Todfeind der iranischen Linken und unzweifelhaften Antisemiten Ahmadinedschad?

Stoodt hätten Zweifel kommen müssen am angeblichen Antisemitismus des iranischen Präsidenten, als bewiesen war: Ahmadinedschad hatte nicht zur Auslöschung Israels aufgerufen, sondern das Verschwinden des Regimes gewünscht und prophezeit, das dort seit 1948 herrscht. Das vermeintliche Vernichtungszitat war eine Propagandafälschung, wirkungsvoll nur, weil unendlich oft wiederholt.

Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann haben den deutschen Propagandaapparat gezwungen zuzugeben, daß das Zitat gefälscht war. Nun zeigen sie in einem druckfrischen Compact-Buch* : Das gefälschte Zitat wird weiter kolportiert. Immerfort kommen neue Verfälschungen von Ahmadinedschad-Äußerungen zum Holocaust und zum Nahen Osten hinzu, nicht nur in der Kommerzpresse. Die Bundeszentrale für politische Bildung ersetzt den intransitivischen "Prozeß des Verschwindens" in einer von Ahmadinedschads jüngeren Originaläußerungen auf ihren Seiten erneut durch die transitivische "Eliminierung". Per Falschübersetzung macht sie weiterhin aus dem Propheten einen Vernichter.

Andere Beiträge zum Buch "Iran, Fakten gegen westliche Propaganda" zerlegen die Fälschungsvorwürfe gegen die jüngste Präsidentenwahl im Iran (Shayan R. Arkian), beschreiben die CIA-Subversion via Handys und Twitter (Thierry Meyssan) und zeichnen die "Erfindung eines neuen Hitler" namens Ahmadinedschad nach (Virginia Tilley). Jürgen Elsässer hat eine Chronik der westlichen Einmischung in den Iran beigetragen, den Fall der "Märtyrerin des Widerstands" Neda und mit Dokumenten unterlegte Hinweise sowohl auf die Iran-Strategie der NeoCons als auch auf das, was von Obama zu erwarten ist. Wilhelm Langthaler befaßt sich mit den inneriranischen Fraktionskämpfen.

Für all die friedenkämpferischen Stoodts im Lande, die außer auf Ahmadinedschad auch auf dessen Zuhörer verweisen, die "Tod Israel" skandieren, hat der Herausgeber einen Bericht über Juden im Iran aus der New York Times hinzugefügt - damit sie ein wenig zu zweifeln anfangen. Es wäre gut für den Frieden.

*Jürgen Elsässer, Herausgeber: Iran. Fakten gegen westliche Propaganda. Berlin: Kai-Homilius-Verlag, Compact Nr. 14, 2009, 104 Seiten, 7,50 € (D). Buchpräsentation am  Dienstag, dem 27. Oktober 2009, 19.30 Uhr, Russisches Haus, Berlin, Friedrichstraße 176

T:I:S, 22. Oktober 2009

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/iran.htm#Fakten    

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Bombenattentat im Iran

Den Hintergrund des jüngsten Bombenattentats im Iran,  siehe Deutschlandfunk vom 18. Oktober 2009, bildet offenbar die Finanzierung der mutmaßlichen Täter durch die Regierung der Vereinigten Staaten, siehe Audio mit Seymour Hersh im Anschluß an seinen Artikel im New Yorker auf National Public Radio vom 30. Juni 2008, 44 Minuten; Abstract hier

Das Ziel der Bush-Regierung laut Hersh war, die iranische Regierung zum Beispiel zu einem Gegenschlag gegen die Minderheit der Belutschen im Osten des Iran (und im Westen Pakistans) zu provozieren und dann den Iran niederzuwerfen, und das an allen US-Gesetzen, einschließlich der Verfassung, und an allen parlamentarischen Institutionen vorbei. 

Offenbar setzt die Obama-Regierung Bushs Linie fort.

T:I:S, 19. Oktober 2009. Siehe auch Recherchier-Journalist Seymour Hersh

Ergänzung

Eine verräterische Auslassung in einer AP-Meldung vom 12. zum 13. April 2008, siehe DeepJournal vom 19. Oktober 2009. T:I:S. Dank an Schmidt-Polyglott

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/iran.htm#Hersh    

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Scott Ritter

Der Iran ist für niemand eine Gefahr

Scott Ritter, UN-Waffeninspektor im Irak von 1991 bis 1998, zerlegt einen New-York-Times-Bericht über eine angebliche iranische Atombewaffnung und verweist auf die unkontrollierte Atommacht Israel. Video, C-Span, 32 Minuten, vom 4. Oktober 2009 

Scott Ritter widerspricht den Falschmeldungen über Ahmadinedschad-Äußerungen und verweist auf die zahlreichen Angriffsdrohungen der  israelische Regierung gegen den Iran.

T:I:S, 6. Oktober 2009. Dank an Schmidt-Polyglott. 

Siehe auch Scott Ritter: Keeping Iran honest. Iran's secret nuclear plant will spark a new round of IAEA inspections and lead to a period of even greater transparency. Guardian, 25. September 2009, mit Links, unter anderm zu Obamas Drohgebärden laut New York Times.

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/iran.htm#Ritter   

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Thomas Immanuel Steinberg

Manger gratuit 

Die iranische Atombombe gibt's erst morgen

In einem Französischlehrbuch für Anfänger aus den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts steht die etwas blöde Geschichte von dem Gasthof mit dem Schild: „Demain on mange ici gratuit“, morgen könne man hier gratis essen. Kommt aber einer am nächsten Tag in den Gasthof, um gratis zu essen, weist der Wirt auf das Schild. Da stehe doch „morgen“, nicht „heute“.

Noch blöder ist die Geschichte von der Bombe. Seit mindestens zwei Jahren heißt es mal bei Jan Ahlmeyer im Blatt Konkret, siehe Gockel und Gockel2, mal von Hans Rühle in der Süddeutschen und Der Welt , und jüngst laut BND Im Stern in sechs Monaten sei die iranische Atombombe zündbereit. 

Wie man tatsächlich gratis essen kann, und zwar schon heute, nämlich bei McDonald's, das führt ein junger Franzose vor: Astuce, Video, und N'importe qui, Video mit englischen Untertiteln. 

Die iranische Atombombe gibt's dann morgen. Gratis.

T:I:S, 15. Juli 2009

Ergänzung 3

Back in August 2003, the LA Times reported that Iran could have a ‘nuclear weapon in six months’. More than two years later in September 2005, Israel claimed Iran would have ‘nuclear weapon in six months’. Then, nearly three years later in June 2008 we were told again that Iran would have a ‘nuclear weapon in six months’. A year later, in July 2009, Ha’aretz reported that ‘Germany believes Iran could have a nuclear bomb in six months’.

Now, in the very latest statement dated 23 February 2010, made by so-called ‘Iran weapons expert’, David Albright, Iran, in his expert opinion, is now only… wait for it; six months away from having a nuclear weapon. This is the very same David Albright that was telling us more than a year ago in February 2009; “In as quickly as a few months, Iran would be able to have enough weapons-grade uranium for nuclear weapons”. It’s also the very same David Albright who told the CBS ’60 Minutes’ show way, way back in January 1999 that Saddam Hussein was “within a few months to a year of having a nuclear weapon”.

Lataan, 28. Februar 2010. T:I:S, 28. Februar 2010
 

Ergänzung 2

BND und Stern sind offenbar uneins. T:I:S, 15. Juli 2009 

Ergänzung 1

Seit 1991 haben die Israelis jedem, der bereit war zuzuhören – und auch den vielen, die es nicht waren –, erzählt, dass das iranische Atomprogramm eine Gefahr sowohl für Israel als auch für den Rest der Welt darstelle. Der Iran, so behaupteten sie, hasse Israel und warte nur auf eine Gelegenheit, der Existenz Israels ein Ende zu setzen. Es sei auch ein radikal islamischer Staat, dessen Führer nichts anderes wollten, als einen Atomkrieg zu provozieren, um so schnell wie möglich an die Jungfrauen im Himmel zu kommen.

Stets behaupteten die sogenannten „Experten“, dass der Iran nur noch drei bis fünf Jahre für die Entwicklung einer Atombombe brauche. Diese Zeitspanne wurde 1991 genannt, als das iranische Atomprogramm zum ersten Mal Thema wurde. Und heute, 18 Jahre später, ist die Bombe nach Auskunft des Mossad-Chefs noch immer fünf Jahre entfernt.

Martin van Creveld, Märkische Allgemeine vom 9. Juli 2009, T:I:S, 15. Juli 2009

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/iran.htm#Manger  

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Ken Ballen und Patrick Doherty

Der iranische Wahlausgang ist plausibel

Die Meinungsforscher Ken Ballen vom gemeinnützigen Center for Public Opinion und Patrick Doherty von der gemeinnützigen New America Foundation haben in der Washigton Post von 14. Juni 2009  die Methoden und das Ergebnis ihrer im Iran durchgeführten Vorwahluntersuchung, .pdf-Datei, 70 Seiten mit Tabellen, dargelegt. Finanziert wurde die Umfrage durch die Rockefeller Brothers Funds, und durchgeführt wurde sie in Farsi "von einem Umfrageunternehmen, dessen Arbeit in der Region für ABC News und BBC einen Emmy Award erhalten hat. Ihr Schluß: Daß Mahmud Ahmadinedschad in der Wahl selbst zwei Drittel der Stimmen erhalten hat, ist plausibel. Zeit-Fragen, Partner von Tlaxcala, hat die in einem Artikel von Paul Craig Roberts auf CounterPunch zitierten Passagen aus dem Washington-Post-Beitrag der beiden Forscher ins Deutsche übersetzt. T:I:S 

Viele Experten behaupten, die Höhe des Sieges des amtierenden Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad sei das Resultat von Betrug oder Manipulation, aber unsere landesweite Meinungsumfrage unter den Iranern drei Wochen vor der Wahl zeigte, dass Ahmadinejad in einem Verhältnis von mehr als 2 zu 1 in Führung lag – klarer noch als die tatsächliche Höhe seines Sieges in den Wahlen.

Während westliche Nachrichtenberichte aus Teheran in den Tagen vor der Wahl eine für Ahamadinejads Hauptopponenten, Mir-Hossein Moussavi, enthusiastische iranische Öffentlichkeit zeichneten, zeigten unsere wissenschaftlichen Stichproben, die wir in allen 30 Provinzen Irans nahmen, dass Ahmadinejad klar vorne lag.

Das Ausmass der Unterstützung für Ahmadinejad war in der Umfrage vor den Wahlen offensichtlich. Während der Kampagne betonte Moussavi zum Beispiel seine Identität als Aserbaidschaner, der zweitgrössten ethnischen Gruppe in Iran nach den Persern, um die aserbaidschanischen Wähler zu umwerben. Unser Umfrage zeigte aber, dass die Aserbaidschaner Ahmadinejad im Verhältnis von 2 zu 1 den Vorzug vor Moussavi gaben.

Viele Kommentatoren haben die iranische Jugend und das Internet als Vorboten einer Wende in diesen Wahlen dargestellt. Aber unsere Befragung zeigte, dass nur ein Drittel der Iraner überhaupt Zugang zum Internet hat und die 18- bis 24jährigen zugleich den stärksten Wählerblock für Ahamdinejad darstellten.

Die einzigen Bevölkerungsgruppen, bei denen in unserer Umfrage Moussavi gegenüber Ahmadinejad in Führung oder konkurrenzfähig war, waren Universitätsstudenten oder -absolventen und die Iraner mit dem höchsten Einkommen. Als unsere Umfrage durchgeführt wurde, war nahezu ein Drittel der Iraner noch unentschieden. Aber die grundlegenden Verteilungen, die wir damals fanden, widerspiegeln die Resultate, welche von den iranischen Behörden gemeldet wurden, was darauf hinweist, dass die Wahl nicht das Produkt grossflächigen Betruges ist.

T:I:S, 28. Juni 2009

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/iran.htm#Ballen  

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Thomas Immanuel Steinberg

Die Lügen über Ahmadinedschad und die Moral aus dem Buche Esther

Rudolf Walther hat in "der Freitag"  vom 23. April 2009 einige alte und neue Lügen über Ahmadinedschad in deutschen Kommerz- und Staatsmedien zusammengestellt. Dank an N. für den Hinweis. Hier Auszüge:

Als ob es um „Israel“, „die“ Israelis oder gar „die“ Juden ginge! Es geht allein um die israelische Politik. Darauf, was Ahmadinedschad genau gesagt hat, kommt es in der Regel nicht mehr an. Es genügt, dass er regelmäßig laut redet und sämtliche Nachrichtenagenturen und Zeitungen sehen rot. Übereifrige predigen schon mal „das Recht“ Israels „auf präventive Selbstverteidigung“ (Micha Brumlik)...

Und was genau sagte Ahmadinedschad jetzt in Genf? Das ist nicht leicht herauszufinden. Keine einzige große Zeitung druckte auch nur Auszüge der Rede. Aber alle Schlagwörter von der „Vernichtung“ Israels, dem „Antisemitismus“, der „Judenfeindschaft“ und der „Leugnung“ des Holocaust waren wieder hoch im Kurs, so als ob die Propaganda-Abteilung des israelischen Außenministeriums den Journalisten die Texte diktiert hätte. Der greise Elie Wiesel und der Skandalisierungsexperte Bernard-Henri Lévy verlasen in Genf vor laufenden Kameras ganz alte Textbausteine.

Nochmals: Was sagte Ahmadinedschad in Genf? Nach der angesehenen Neuen Zürcher Zeitung vom 21. April 2009 soll er gesagt haben: „Der Weltzionismus ist die Personifizierung von Rassismus“. Das lässt drei Schlüsse zu: Entweder der iranische Präsident ist intellektuell unzurechnungsfähig, denn der „Weltzionismus“ ist so wenig als Person denkbar wie der Rassismus. Oder die Übersetzung ist fehlerhaft und/oder von interessierter Seite lanciert worden. Sicher ist, dass Ahmadinedschad nicht den Holocaust leugnete, wie einzelne Medien kolportierten, sondern, so berichtete es die NZZ [an anderer Stelle, T:I:S],  vor dem „Missbrauch des Holocausts“ warnte. Das ist gelegentlich nötig.

Die alte Lüge

Walther erinnert in seinem Beitrag auch an die alte, tausendmal wiederholte Lüge, Ahmadinedschad habe gesagt, „Israel must be wiped off the map“, Israel müsse von der Landkarte weggewischt werden. Aufgedeckt hat diese und andere Lügen über Ahmadinedschad die Kölner Gruppe Arbeiterfotografie, unterstützt von Schmidt-Polyglott und SteinbergRecherche. Katajun Amirpur hat es dann erstmalig geschafft, die Recherche-Ergebnisse halbwegs korrekt in einem Kommerzblatt, der Süddeutschen Zeitung vom 26. März 2008, unterzubringen, siehe Bundeszentrale für politische Bildung. Arbeiterfotografie hat anschließend Nachrichtenagenturen, öffentlich-rechtliche Medien und einige führende Kommerzmedien zum schriftlichen Eingeständnis gezwungen, daß Ahmadinedschad falsch zitiert wurde. Mit dem Ergebnis, daß Springer, prominente Bundespolitiker, Nachrichtenagenturen und Käseblätter über Ahmadinedschad weiterlügen.

Die Funktion der Provokation

Ahmadinedschads Rede vom 20. April 2009 in Genf ist greifbar, sogar auf Deutsch, siehe Ergänzungen. Rudolf Walther findet, Ahmadinedschad sei "der zuverlässigste Partner beim Verhindern einer Debatte" über das israelische Besatzungsregime. Indes hat Ahmadinedschad mit seinen Provokationen die Debatte überhaupt erst angestoßen.

Netanjahu/Lieberman fürchten, so vermutet Walther, eine Verhandlungsoffensive über Palästina und Israel wie der Teufel das Weihwasser. Wie wahr. 

Von Jude zu Jude

Ein Mann der  Opposition ging noch weiter als das faschistoid-faschistische Regierungsgespann: Ya'acov Katz, Vorsitzender der israelischen National Union, will erfahren haben, daß der Stabschef des Weißen Hauses, Rahm Emanuel, binnen vier Jahren mit einem israelisch-palästinensischen Friedensabkommen auf der Basis "zwei Staaten für zwei Völker" rechne, egal, wer in Israel regiert. Katz appelliert daher an Emanuel, und zwar unter Verweis auf das biblische Buch Esther. 

Obamas Stabschef da Jude solle wie einst Esther bei ihrem  persischen Gemahl, dem König Ahasveros, für die Rettung der Juden beim US-Präsidenten sorgen und ein Friedensabkommen verhindern.

Das berichtete die Jerusalem Post.

Die Moral aus dem Buche Esther

Die Moral der Esther-Geschichte ist für Gilad Atzmon ziemlich kar

Wenn Juden überleben wollen, dann sollten sie die Korridore der Macht infiltrieren. Mit Esther, Mordechai und Purim im Hinterkopf, sehen AIPAC und der Begriff der „jüdischen Macht“ wie die Verkörperung einer tiefen biblischen und kulturellen Ideologie aus.

Doch hier kommt die interessante Wendung. Obwohl die Geschichte wie eine historische Erzählung dargestellt wird, stellen die meisten modernen Bibelgelehrten die historische Genauigkeit des Buch Esther in Frage.

Es ist vor allem der Mangel an klarer Übereinstimmung von irgendeinem der Details der Geschichte aus dem Buch Esther mit dem, was uns aus klassischen Quellen aus der persischen Geschichte bekannt ist, was die Gelehrten zu dem Schluss kommen hat lassen, dass die Geschichte zum Grossteil oder in ihrer Gesamtheit erfunden ist.

In anderen Worten, und obwohl die Moral klar ist, ist der versuchte Genozid erfunden. Scheinbar versetzt das Buch Esther seine Anhänger in einen Zustand des prätraumatischen Stresssyndroms. Es verwandelt eine Zerstörungsfantasie in eine Überlebensideologie. Und tatsächlich sehen manche die Geschichte als eine Allegorie von grundsätzlich assimilierten Juden, die entdecken, dass sie das Ziel von Antisemitismus sind, und die jedoch in der Lage sind, sich selbst und ihre Mitjuden zu retten.

Ein Gedanke an Bowman könnte hier etwas Licht in die Sache bringen. Das Buch Esther dient zur Bildung einer Exilidentität. Es dient dazu, den existentiellen Stress zu kreieren, es führt die Holocaustreligion ein. Es legt den Grundstein, der den Holocaust Realität werden lässt.

Interessanterweise ist das Buch Esther (in der hebräischen Version) eines der zwei einzigen Bücher der Bibel, in denen Gott nicht direkt erwähnt wird (das andere ist das Lied der Lieder). Im Buch Esther sind es die Juden, die an sich selbst glauben, an ihre eigene Macht, an ihre Einzigartigkeit, an ihre Rafinesse, an ihre Fähigkeit, Verschwörungen zu planen, an ihre Fähigkeit, Königreiche an sich zu bringen, an ihre Fähigkeit, sich selbst retten zu können. Das Buch Esther geht um Machtübernahme und um die Juden, die an ihre Macht glauben.

T:I:S, 24. April 2009. Dank an N. Mehr von Gilad Atzmon  hier, hier und hier

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/iran.htm#Esther 

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Zuschrift eines Farsi-Kundigen 

Insgesamt kann ich sagen, dass die Rede in einem sehr klaren, eleganten Stil, ohne jegliche rabiate Note, in literarischer Hochsprache verfasst ist, was man nicht von jeder Radioansprache allgemein (auch im Deutschen - ich denke da z.B. an unsere Kanzlerin, Steini oder den Bundeshorst) sagen kann: keine Gemeinplaetze, kein Wischiwaschi... 

Deshalb ist mir das Echo in unseren Medien um so sonderbarer: Ich habe Montag morgens das Radio (NDRinfo, DLF) voller Ekel abgestellt. 

"Nouvelle diatribe antisémite du président iranien" - wo die das nur hernehmen? Ich habe mit aller Gewalt nichts Antisemitisches in der Rede entdecken koennen. Dafuer ist mir die Dummheit, Heuchelei und Faulheit (die Sachlage zu recherchieren) der Korrespondenten um so uebler aufgestossen!

Dummheit, noch schlimmer: Heuchelei im Dienste der Maechtigen!

Dank an B. R., T:I:S, 22. April 2009

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/iran.htm#Zuschrift 

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Gilad Atzmon

Ahmadinedschad / Ahmadinejad: Hört genau zu!

Wieder einmal erlebe ich, wie ich dem iranischen Präsidenten Ahmadinejad beifällig zustimme und seine Worte voll und ganz unterstütze. Kein anderer hätte es besser schaffen können, die diskriminierenden rassistischen Überzeugungen der Europäer ans Licht zu bringen.

Was wir gestern beim Anti-Rassismus-Forum der UN erlebten, war das Aufbäumen von nacktem, kollektivem und tief verankertem islamophobischen Rassismus, eine koordinierte Zurschaustellung von fanatischem westlichem Chauvinismus. Eine Bande von europäischen Diplomaten, die sich wie eine Herde Schafe benimmt und dabei die vollständige Ablehnung jeder Form von Recht auf freie Rede und Diskussionskultur erkennen läßt. Präsident Ahmadinejad hat nichts als die Wahrheit gesagt  und einige allgemein anerkannte Wahrheiten ausgesprochen.

Israel ist tatsächlich ein rassistischer Staat.

Israel definiert sich selbst als den „jüdischen Staat“. Obwohl Juden keine einheitliche Rasse darstellen, ist die Gesetzgebung ihres Landes nach rassischen Gesichtspunkten orientiert. Das israelische Rechtssystem benachteiligt jene, die keine Juden sind. Und als wäre das noch nicht genug, erweist sich die israelische Armee den einheimischen Bewohnern des Landes gegenüber als mordlüstern und blutgierig. Aufgrund dieser institutionalisierten Diskriminierung darf man Israel als Apartheid-Staat betrachten und sollte eigentlich erwarten, daß das Genfer Anti-Rassismus-Forum in erster Linie dazu dient, sich mit Staaten wie Israel auseinanderzusetzen. Aber die tragische Wahrheit ist, daß Israel der einzige Staat ist, der nach Rassen unterscheidet. Und gestern konnten wir sehen, wie der „Westen“ es wieder einmal nicht schafft, sich dem einleuchtendsten humanistischen Aufruf zum Handeln zu stellen.

Es ist überflüssig zu  bemerken, daß Ahmadinejad´s Beschreibung der historischen Umstände, die zu der tragischen Geburt Israels führten, vollkommen zutreffend war.

Es war in der Tat jüdisches Leid, daß zur Gründung des Staates Israel führte. Es ist ebenfalls wahr, daß der jüdische Staat auf Kosten des palästinensischen Volkes gegründet wurde, dessen Angehörige in Wirklichkeit die letzten Opfer der der Nazi-Zeit sind, die immer noch leiden.

Worum es hier geht, ist ganz einfach. Europäische Diplomaten bewiesen gestern, daß sie die Wahrheit nicht ertragen können, wenn sie von einem Moslem ausgesprochen wird. Und so läßt sich korrekt argumentieren, daß diese Art von westlichen Diplomaten von vorne herein gar nicht an einem ‚Forum gegen Rassismus‘ hätte teilnehmen dürfen. Die Tatsache, daß sie sich intolerant verhalten haben, beweist, daß sie und die Regierungen hinter ihnen die Wurzel des gegenwärtigen Rassismus und insbesondere der Islamophobie sind.

Jene Europäer, die die Wahrheit aus dem Mund eines Moslems nicht ertragen können, wären besser beraten, sich auf einer Konferenz zu treffen, auf der die Überlegenheit des Westens gefeiert wird. Ich bin sicher, daß in Tel Aviv und Jerusalem jedes Jahr einige solcher Veranstaltungen stattfinden.

Schließlich wäre noch anzumerken, daß die britische Regerung, wenn sie schon darauf besteht Delegierte zu einer solchen Konferenz zu schicken, sie besser sicherstellt, daß diejenigen, die mit einer solchen Aufgabe betraut werden, auch fähig sind, mit ausreichender sprachlicher Gewandtheit Diskussionsbeiträge zu liefern. Der britische Botschafter bei den Vereinten Nationen Peter Gooderham ist dieser Aufgabe eindeutig nicht gewachsen. Der Botschafter erklärte öffentlich: „Solch empörend antisemitische Äußerungen sollten vor einem Forum der UN keinen Platz haben“.

Botschafter Gooderham sollte uns unbedingt erläutern, wo genau er „Antisemitismus“ ausgemacht hat. Präsident Ahmadinejad hat sich nicht auf eine jüdische Rasse bezogen, auch nicht auf das Judentum. Er sprach auch nicht über das jüdische Volk, wenn überhaupt hat er dessen Leiden angesprochen.

Botschafter Gooderham, falls Sie es fertiggebracht haben, überhaupt nichts zu verstehen, während Sie sich aufführten wie ein Schaf in einer Herde: Präsident Ahmadinejad hat nur die Wahrheit über ein paar allgemein anerkannte Tatsachen gesagt.

Es würde uns in Zukunft einiges an Peinlichkeit ersparen, wenn britische Diplomaten dahingehend ausgebildet würden, die Komplexität der Welt der Gegenwart und die Ideologien, die diese Welt prägen, zu verstehen. Es würde es uns ersparen solchen als Diplomaten verkleideten Komikern zuzuhören, wie sie sinnlos Worthülsen ausspucken, die sie selbst nicht verstehen.

Lesen Sie die Rede von Ahmadinejad / Ahmadinedschad und beachten sie die Ergänzungen 

T:I:S, 22. April 2009. Übersetzt von  Hergen Matussik, Mitglied von Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Dank an den Steinmetz

Original: Ahmadinejad: "Read My Lips", veröffentlicht am 21. April 2009. Über den Autor. URL dieses Artikels auf Tlaxcala: http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=7488&lg=de. Version française : Gilad Atzmon : Durban II: qui est raciste, exactement ? Michel Collon. Gespräch mit Gilad Atzmon auf SteinbergRecherche unter Holocaust

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/iran.htm#Atzmon

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Hamid Esmaili

verbreitet über Irna, die Nachrichtenagentur der islamischen Republik Iran, falsche Tatsachenbehauptungen, Mythen und Fantasien, als wollte er die zionistische Propaganda, genannt Hasbara, an Dummheit und Gemeinheit noch übertreffen.

T:I:S, 21. April 2009

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/iran.htm#Esmaili  

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Was  sagte Mahmud Ahmadinedschad

 auf der UN-Konferenz gegen Rassismus (Durban II) laut staatlicher iranischer Presseagentur in englischer Übersetzung und in deutscher Weiterübersetzung?

1. [T]he post-World War II military invasions on Palestine which preceded the propping up of the entity, were explained by  “Jewish suffering”. 

Die militärischen Invasionen in Palästina nach dem 2. Weltkrieg, die der Abstützung der politischen Einheit [Israel] vorausgingen, seien durch „jüdisches Leiden“ erklärt worden.

2. “They resorted to military aggression to make an entire nation homeless under the pretext of Judaism…They sent migrants from Europe, the United States and other parts of the world in order to establish a totally racist government in the occupied Palestine.” 

„Sie griffen zu militärischer Agression, um unter dem Vorwand des Judentums eine ganze Nation heimatlos zu machen... Sie schickten Migranten aus Europa, den USA und andern Teilen der Welt, um eine völlig rassistische Staatsgewalt im besetzten Palästina zu etablieren.“

3. “And in fact, in compensation for the dire consequences of racism in Europe, they helped bring to power the most cruel and repressive racist regime in Palestine.” 

„Und als Ausgleich für die schrecklichen Folgen des Rassismus in Europa verhalfen sie dem grausamsten und repressivsten rassistischen Regime in Palästina zur Macht.“

 Quellen: presstv.ir , 20. April 2009, 15:55:39 GMT und presstv.ir , 20. April 2009, 15:06:48 GMT

Den Spiegel zum Beispiel schert nicht, was die staatliche iranische Presseagentur über die Rede schreibt. Er hat sich was Eigenes ausgedacht, das anti-jüdisch klingt, und zwei längst widerlegte fette Lügen über Ahmadinedschad hinzugefügt: Ahmadinedschad sei "für seine israelfeindlichen Ausfälle berüchtigt. So hat er den Holocaust geleugnet und gefordert, den jüdischen Staat 'von der Landkarte auszuradieren'." Siehe ausführlich unter Bundeszentrale für politische Bildung

T:I:S, 21. April 2009

Ergänzungen

Ein Redeausschnitt mit der Simultanübersetzung ins Englische bei CNN als Video, zweieinhalb Minuten. Teile der Rede, nach den Segenswünschen ab 3:12, ca. 7 Minuten, Video, Jewish & Israel News,  Zwischenrufe unterdrückt. Dank an Duckhome. Die vollständige Rede  als Video, United Nations Webcast, englisch simultan gedolmetscht; im Original ab der 4. Minute; in englischer Rohübersetzung als Text im Foreign Policy Journal. Dank an Ruedi. Die Rede in englischer Rohübersetzung als Text bei presstv.ir und als Text, Farsi, Original, zeitweilig überlastet. Dank an Schmidt-Polyglott.

Achtung! 

Die als Text veröffentlichten englischen Rohübersetzungen weichen voneinander und an den entscheidenden Stellen erheblich von der veröffentlichten Farsi-Textfassung ab. Die Farsi-Textfassung wurde vorab weitergegeben. Das von Ahmadinedschad gesprochene Wort könnte davon ebenfalls abweichen. Farsi- und Englischkenner werden um kritische Prüfung gebeten. Danke im Voraus, T:I:S, 21. April 2009, 17 Uhr

Der staatliche Rundfunk des Iran hat von der Rede eine deutsche Übersetzung gefertigt. Der Text findet sich auf der Internetseite der Badischen Zeitung. Er ist ebenfalls von Farsi-Kennern kritisch zu durchforsten. Ebenso der Ausschnitt der deutschen Simultanübersetzung als Video von Phoenix, die ersten fünf von elf Minuten. Dank an Rebecca und den Steinmetz. Weitere Übersetzungen ins Deutsche unter Muslim-Markt. Dank an Brigitta.T:I:S, 22. April 2009

Beispiel: Unter der irreführenden Überschrift "Ahmadinejad dropped Holocaust denial from speech" und der ebenfalls irreführenden Unterzeile "UN says Iranian president dropped Holocaust denial reference from UN speech" verbreitete Associated Press, Ahmadinedschad habe im Text seiner Rede die Attribute "ambiguous and dubious" für den Holocaust kurzfristig fallen gelassen und stattdessen vom  "abuse of the question of the Holocaust" gesprochen. Der englische Simultandolmetscher, dem die Ursprungsfassung vorlag, habe wohl deshalb an dieser Stelle gestockt und das Wort "Holocaust" überhaupt nicht gesprochen, während der französische Dolmetscher korrekt übersetzt habe. 

"ambiguous an dubious" läßt sich mit "unklar und zweifelhaft" übersetzen. Eine zuverlässige Übersetzung des Farsi-Passus in der angeblichen Ursprungsfassung liegt SteinbergRecherche nicht vor. T:I:S, 22. April 2009

Vom übertriebenen Leid der Juden habe Ahmadinedschad gesprochen? Nein, vom Leid der Juden. 

Marc Semo, l’envoyé spécial de Libération, dans un reportage audio : (« Durban II : “Le président iranien avait fait venir sa claque” »), affirme qu’Ahmadinejad a parlé de « la souffrance exagérée du peuple juif ». C’est un mensonge. Le texte dit, simplement, « la souffrance des juifs ». 

Eines von mehreren Beispielen für die Lügen in der frankophonen Kommerzpresse aus: Une désinformation à la hauteur de l’embarras de l’occident devant la vérité (note de la rédaction). Durban II, délire et désinformation. Alain Gresh - Le Monde Diplomatique - Jeudi, 23 avril 2009 - 12h14. T:I:S, 23. April 2009. Dank an Günter Schenk

Pour le discours intégral du président Ahmadinejad : http://www.voltairenet.org/article159812.html . T:I:S, 25. April 2009 

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/iran.htm#Durban 

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Die jüdische Religion ist eine Religion des Friedens!

 

 

Die jüdische Religion ist eine Religion des Friedens, steht auf einem Schild in arabischen Schriftzeichen. Stimmt, wenn man's so sieht wie Rolf Verleger. Außerdem steht da: Wir jüdischen Kinder leiden mit den palästinensischen Kindern! Fein. Jüdische Kinder? Ach ja, auf dem grünen Schild steht was in hebräischen Buchstaben. 

Das Bild wurde nicht in Palästina oder Israel, nicht in Golders Green oder in der Fasananenstraße aufgenommen, sondern in Teheran, vor dem dortigen UN-Büro. Träfe die zionistische Propaganda über den Iran zu, dann könnte es dieses Bild gar nicht geben, nicht die Plakate in Farsi und Ivrit, und nicht die Kinder.

Die Kinder gibt's aber doch, zum Glück. Und weil die israelischen Verteidigungsstreitkräfte sie noch nicht vernichtet haben.

Iran Jewish, 31. Dezember 2008, T:I:S, 3. Januar 2008. Dank an M.B.

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/iran.htm#Juden

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Matthias Gockel

Jan Ahlmeyers Wahrheit: Alles ist möglich

Im August 2008 schrieb Jan Ahlmeyer in der Monatszeitschrift Konkret unter der Überschrift "Hohe Gewißheit": "Die Berichte über einen bevorstehenden Angriff Israels auf den Iran häufen sich. Kein Wunder: Die Atombombe scheint für die Mullahs in greifbarer Nähe." 

Matthias Gockel antwortete ihm im Schwarzen Kanal der Tageszeitung junge Welt Link für Online-Abonnenten; leicht redigiert und mit Zwischenüberschrifen versehen, auch hier zu lesen. Darin behauptete Gockel, Ahlmeyer biege sich den US-Geheimdienstbericht NIE* vom November 2007 über das iranische Atomprogramm zurecht, unterschlage eine Passage, übersetze falsch, behaupte Heimlichkeit, die nicht vorlag, und Fakten spielten für Ahlmeyer keine Rolle.

Ahlmeyer replizierte Ende November online bei Konkret. Hier nun Gockels Replik auf die Replik. T:I:S

Vorgetäuschter Blick in die Glaskugel 

Die eine Ebene ist die der Prognose, oder vielmehr die Attitüde des Progostizierens. Was wird Israel tun? Ahlmeyer versteift sich auf diese Attitüde und spekuliert, "ob und unter welchen Bedingungen ein israelischer Luftangriff auf den Iran zu erwarten ist". Doch das ist müßig, denn keiner weiß es, wahrscheinlich nicht einmal die israelische Regierung.

In Wahrheit fragt Ahlmeyer gar nicht, sondern meint. Er meint, dass Israel bedroht ist. Das aber wüssten die Leser sowieso. Den US-Geheimdienstbericht NIE bräuchte er nur um darzulegen, dass auch dieser eine Bedrohung nicht ausschließe.

Geheuchel 

Mein eigener Artikel dagegen geht davon aus, dass die Bedrohung geheuchelt ist, und dass es denen, die sie heucheln, also auch Jan Ahlmeyer, um die Rechtfertigung eines Angriffskriegs geht; und zwar wie üblich unter dem Vorwand, der Angreifer sei bedroht. Eine solche Bedrohung ist jedoch aus dem NIE-Bericht nicht herleitbar. (Altmeyer meint, sie werde von dem NIE-Bericht auch nicht ausgeschlossen. Zum Nicht-Ausschluss siehe unten die 3. Anmerkung) 

Was Ahlmeyer unterschlägt: Der NIE-Bericht vermeldet auch Positives. Die tabellarische Zusammenfassung am Schluss besagt, die Gefährlichkeit des iranischen Nuklearprogramms habe in den letzten drei Jahren abgenommen. Das aber ist das Gegenteil von dem, was Ahlmeyer uns über den Bericht weismachen will. 

Vielleicht greift Ahlmeyer deswegen in seiner Replik auf meine Widerlegung nach einem anderen Strohhalm, den "zwei oder drei EBW-Zündern", die angeblich ein "starkes Indiz für ein iranisches Atomwaffenprogramm" seien. Auch diese Behauptung ist eine haltlose Übertreibung, wie im IAEA-Bericht auf den Seiten 3 bis 4 nachzulesen ist, .pdf-Datei. 

Vier Anmerkungen zu Ahlmeyers Replik 

1. Ahlmeyer schreibt:

Leser, die meinen Artikel nicht kennen, über dessen Aussagen und Aufbau zu täuschen, hat bei Gockel System. Als »zentralen Punkt« gibt er meine »Behauptung« aus, »daß die Zeit gegen Israel läuft und knapp wird«. Vielleicht, weil er darin eine mögliche Begründung für die unterstellte Werbung für einen Militärschlag sieht? Tatsächlich zählt diese Aussage nicht zu den Resultaten meiner Argumentation, sondern ist eher eine beiläufig im Nebensatz erwähnte Prämisse.

Wo kein Widerspruch existiert, muss einer erfunden werden. Ahlmeyer bestätigt, dass die Aussage, die Zeit laufe gegen Israel, tatsächlich von ihm stammt. Ob die Behauptung ein Resultat seiner Argumentation oder eine Prämisse darstellt, ist vollkommen gleichgültig: Er stellt sie auf.

2.  Ahlmeyer relativiert: 

Ich erwähne den NIE also nicht, um meine Prämisse (»daß die Zeit gegen Israel läuft und knapp wird«) zu begründen, sondern nur, um zu zeigen, daß sie durch ihn nicht widerlegt wird.

Etwas später schreibt er allerdings: 

Um die These von der Gefährlichkeit des iranischen Nuklearprogramms zurückzuweisen oder zumindest einen ihrer Verfechter zu diskreditieren, nimmt sich Gockel einen Text vor, dem es gar nicht um deren Nachweis geht. 

Es gehe Ahlmeyer also gar nicht darum, diese angebliche Gefahr zu belegen. 

Doch seine Prämisse ("dass die Zeit gegen Israel läuft und knapp wird") beruht auf eben dieser angeblichen Gefahr: Denn ohne eine solche Gefahr kann die Zeit gar nicht knapp werden. Es geht Ahlmeyer demnach, entgegen seiner eigenen Aussage, sehr wohl um ein unterstützendes Argument zur Begründung seiner Behauptung von der Gefährlichkeit des Iran. 

Wer also täuscht hier wen?

3. Ahlmeyer argumentiert schwach. Der Schluss, dass eine Behauptung durch andere Aussagen "nicht widerlegt" wird, hat geringe Beweiskraft und wird vor allem dann angewendet, wenn man keine Belege für diese Behauptung hat. 

Man kann diese Methode auch auf die gegenteilige Behauptung anwenden: Der NIE-Bericht schließt nicht aus, dass der Iran im Jahr 2015 keine Atomwaffen besitzen wird. Anders gesagt: Dass das iranische Nuklearprogramm für andere Staaten der Region keine Gefahr darstellt, wird durch den NIE nicht widerlegt. Besonders interessant: Der NIE-Bericht schließt nicht einmal aus – um in Ahlmeyers Logik zu bleiben – dass der Iran sein Atomwaffenprogramm eingestellt hat! 

Oder: Dass der Iran 2030 eine Atomrakete nach Deutschland abschießen könnte, wird ebenfalls nicht ausgeschlossen.– Oder, oder, oder... Wenn es darum geht, dass etwas "nicht ausgeschlossen" oder "nicht widerlegt" wird, sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. 

4. Zu Ahlmeyers falscher Übersetzung. Der Autor schreibt: 

Für den Übersetzungsfehler kann ich nur alle konkret-Leser um Entschuldigung bitten. Einen Eindruck von »Langfristigkeit« drückt das »eventually« allerdings nur aus, wenn man allein die von Gockel zitierte »possibility that this capability may not be attained until after 2015« zugrundelegt. Da der NIE den Zeitpunkt aber »sometime during the 2010–2015 time frame« vermutet –was Gockel, wie gesehen, verschweigt–, kann das »letztendlich« schon recht bald der Fall sein. Tatsächlich also drückt das Urteil der NIE sogar eine stärkere Warnung vor dem Potenzial des Iran aus, als meine falsche Übersetzung suggeriert. 

Dass Ahlmeyer sich für seinen Fehler entschuldigt, macht einen guten Eindruck. Leider täuscht er seine Leser. Dazu blicken wir noch einmal auf die "Hohe Gewißheit", die über Ahlmeyers Artikel prangt. Der allgemeine Schlusssatz des NIE-Berichts lautet: "Wir nehmen mit hoher Gewissheit an, dass der Iran die wissenschaftliche, technische und industrielle Kapazität hat, letztendlich Atomwaffen herzustellen, wenn er sich dazu entscheidet." 

Eingeschränkt m

In dem spezifischen Abschnitt ist allerdings die Rede von einer "mäßigen Gewissheit", die noch einmal durch ein "wahrscheinlich" eingeschränkt wird ("we judge with moderate confidence Iran probably would be technically capable producing enough HEU for a weapon sometime during the 2010–2015 time frame"). 

Die abwägende Formulierung, deren nuancierter Charakter durch den Konjunktiv ("would be") noch zusätzlich betont wird, klingt ganz anders als Ahlmeyers Rede vom "wahrscheinlichsten Zeitpunkt". 

Es geht im NIE-Bericht keineswegs, wie Ahlmeyers Alarmismus vorgaukelt, um eine Prognose, dass der Iran Atomwaffen herstellen wird, sondern darum, wann er die technischen Fähigkeiten dazu besitzen könnte. Dass Atomwaffen dann tatsächlich hergestellt werden, ist eine weitere Schwelle, deren Überschreitung eines politischen Willens bedarf.

Ob der besteht? Wie wär's mit einem Blick in die Glaskugel? 

T:I:S, 9. Dezember 2008

Anmerkung

*NIE: National Intelligence Estimate, November 2007, .pdf-Datei

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/iran#Gockel2  

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Armada auf dem Weg in den Persischen Golf

Mathias Bröckers verweist auf GlobalResearch von Michel Chossudovsky. T:I:S, 14. August 2008

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The Iranian regime is not a suicide bomber

The idea that one fine morning Iran will incinerate Tel Aviv is madness; Benny Morris's description of the mullahs' "fundamentalist, self-sacrificial mindset," echoed by others, is a caricature.

 Washington Post, T:I:S, 13. August 2008. Dank an Ruedi

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Thomas Immanuel Steinberg

Umsturz durch Annäherung

Iran heim ins Reich dank RAND Corporation?

 

CIA-Direktor Allen W. Dulles stürzte 1953 in der Operation Ajax den gewählten iranischen Präsidenten, Landreformer und Ölverstaatlicher Mohammad Mossadegh. Die US-Regierung setzte Mohammad Reza Pahlavi als Statthalter ein, doch 1979, im Zuge der antiwestlichen islamischen Revolution, ging das große Land, und mit ihm all sein Öl, erneut für das Imperium verloren. Die US-Herrscher schickten dem Iran den Irak auf den Hals. Der achtjährige Stellvertreterkrieg bis 1988 verwüstete beide Länder, aber das iranische Öl bereichert  immer noch nicht wieder das Imperium; und mit dem Iran klafft immer noch eine große Lücke im Ring um Rußland.

Was tun?

Die RAND Corporation, der Militär-Think-Tank in Santa Monica, Kalifornien, hat im Rahmen des RAND Projekt AIR FORCE einige Ratschläge entwickelt. Ihre Studie Iran's Political, Demographic and Economic Vulnerabilities, .pdf-Datei, ist umfangreich, doch schon der Teaser liefert Hinweise darauf, was die regierenden NeoCons weiter tun, und vor allem, was sie künftig besser lassen sollten. RAND empfiehlt:

mehr Bildungs- und sonstigen Austausch zwischen Iranern und US-Amerikanern organisieren, mehr Interviews und Kommentare von US-Regierungsvertretern in iranischen Medien placieren
von Regime-Wechsel im Iran offiziell leiser tönen
Volksgruppen im Iran entmutigen, gegen das derzeitige Regime aufzustehen (1)
den Weltwährungsfonds und die Weltbank bei der Ermutigung zu besserer Wirtschaftsführung und Öffnung für Privatgeschäfte im Iran unterstützen
das Embargo gegen Gasverflüssigung und Verflüssigungstechnologie aufrecht erhalten als Verhandlungstrumpf, um damit die iranische Politik in Richtung US-Interessen zu schubsen
die Notfallpläne zur Sperrung iranischer Auslandskonten ausweiten
US-Verbündete ermutigen, ausgewählte iranische Regierungsvertreter – solche, die mit Urananreicherung oder der Finanzierung von Terrorgruppen zu tun haben – von Reisen in deren Länder auszuschließen.

Der Arzt tritt ans Krankenbett

Das Ganze klingt wie der Wandel durch Annäherung an die Zone, gemeint war die DDR, von Egon Bahr verkündet am 15. Juli 1963. Mit der sozialdemokratischen Strategie konnte sich bekanntlich das westliche Kapital ab 1989 das sozialistische Land einverleiben und den Sozialismus in Europa vorläufig niederringen.

Die RAND Corporation neigt mindestens seit der gleichen Zeit zur gleichen Strategie. 1962 erforschte sie im Auftrag der US-Regierung, warum die Sowjetsoldaten und die Bevölkerung der 900-tägige Belagerung Leningrads durch die Nazi-Wehrmacht standhielten. (2) Hauptgrund war der Terror der Invasoren, der gleiche Grund, der später den Vietnamesen gegen die US-Amerikaner zum, freilich vorläufigen, Sieg verhalf. Die Afghanen und die Iraker, die Palästinenser und die Somalier sind auf dem gleichen Weg.

T:I:S, 6. August 2008, Hiroshima-Tag. Dank an Schmidt-Polyglott. Hermann Ploppa hat das ganze Papier gelesen.

Anmerkung 

(1) Bisher dagegen setzen die regierenden NeoCons auf sogenannte Special Operations in verschiedenen nicht-persischen iranischen Volksgruppen, siehe Geburtswehen

(2) Leon Goure: The Siege of Leningrad. Foreword by Merle Fainsod. Stanford University Press / New York, Toronto, London: McGraw-Hill Book Company 1962. Wieder aufgelegt im Mai 1981; zur Zeit ab $ 5,50 bei amazon 

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Matthias Gockel

Greifbare Nähe?

Im Augustheft 2008 des Monatsmagazins konkret wird zum wiederholten Mal für schärfere Sanktionen gegen den Iran, letztlich für einen Militärschlag geworben.

 

Der Artikel des Autors Jan Ahlmeyer ist überschrieben mit "Hohe Gewißheit" – ein Zitat aus einem US-Geheimdienstbericht vom November 2007 über das iranische Atomprogramm. Der Untertitel des Artikels lautet: "Die Berichte über einen bevorstehenden Angriff Israels auf den Iran häufen sich. Kein Wunder: Die Atombombe scheint für die Mullahs in greifbarer Nähe."

Jan Ahlmeyer biegt sich den US-Geheimdienstbericht zurecht 

Der Autor verwendet zunächst mehrere Absätze für Mutmaßungen über die kürzliche Ankündigung eines israelischen Angriffs gegen den Iran und dessen mögliche Beziehungen zum Präsidentschaftswahlkampf in den USA. Danach kommt er zum zentralen Punkt seines Artikels, der Behauptung, "daß die Zeit gegen Israel läuft und knapp wird". Ahlmeyer meint, diese Aussage sei "keine Erfindung aus Washington". Um die These zu stützen, bezieht er sich allerdings zunächst wiederum auf den erwähnten US-Geheimdienstbericht: "Selbst der amerikanische National Intelligence Estimate (NIE November 2007, .pdf-Datei), der mit der Interpretation Furore machte, der Iran habe sein Atomprogramm 2003 wahrscheinlich eingestellt, bestreitet nicht, daß dort eventuell schon 2009 genug hochangereichertes Uran für eine Bombe produziert werden könnte." Tatsächlich spricht der Bericht, mit mäßiger und keineswegs hoher Gewißheit, von Ende 2009 als dem "frühest möglichen Zeitpunkt", und fügt hinzu, daß dies "sehr unwahrscheinlich" sei. ("We judge with moderate confidence that the earliest possible date Iran would be technically capable of producing enough HEU for a weapon is late 2009, but that this is very unlikely".) Diese Bewertung fehlt bei Ahlmeyer. Das ist kein Wunder, denn sie widerspricht seiner These.

Jan Ahlmeyer unterschlägt eine Passage

Alle US-Stellen, die sich mit dem Thema befassen, räumen laut NIE außerdem die Möglichkeit ein, daß der Iran die Fähigkeit zur Herstellung atomarer Waffen erst nach 2015 erreichen wird. ("All agencies recognize the possibility that this capability may not be attained until after 2015." Hervorhebung im Original). Diese Passage erwähnt der konkret-Autor auch nicht.

Jan Ahlmeyer übersetzt falsch

Um seine zentrale These zu untermauern, verweist Ahlmeyer vielmehr auf den Schlußsatz von NIE: "Wir nehmen mit hoher Gewißheit an, daß der Iran die wissenschaftliche, technische und industrielle Kapazität hat, möglicherweise Atomwaffen herzustellen, wenn er sich dazu entscheidet." Allerdings bedient der Autor sich hier einer falschen Übersetzung. Im Schlußsatz des Berichts ist nicht die Rede davon, daß der Iran "möglicherweise" Atomwaffen herstellen könne, sondern daß er bei einer entsprechenden politischen Entscheidung über die Kapazitäten verfüge, "eventually" Atomwaffen herstellen zu können. Das Wort "eventually", das mit „endlich“, „letztendlich“, „letzten Endes“, „irgendwann einmal“ zu übersetzen ist, entspricht der zuvor genannten Langfristigkeit. Es geht also keineswegs um Ereignisse, die schon möglich sind oder "möglicherweise“ demnächst eintreten, wie Ahlmeyer mit seiner Übersetzung suggeriert.

Jan Ahlmeyer behauptet Heimlichkeit, die nicht vorlag

Im folgenden Teil seines Artikels beschwert Ahlmeyer sich über die Interessen deutscher Unternehmen und ergeht sich in Pseudokritik und Ressentiment. Denn es geht ihm nicht darum, daß es sich um kapitalistische Unternehmen, sondern daß es sich um deutsche Unternehmen handelt. Auch dabei verdreht er den Sachverhalt und schreibt: "Allein schon, daß die Mullahs ihr Atomprogramm überhaupt verheimlichten, bis es 2002 von den oppositionellen Volksmudjaheddin aufgedeckt wurde, läßt wenig Zweifel an dessen militärischer Ausrichtung." Das entspricht zwar den Darstellungen der bürgerlichen Presse, aber nicht den internationalen Verträgen über die Nutzung von Atomenergie. Von einer Verheimlichung kann keine Rede sein, wie Knut Mellenthin schon vor fast zwei Jahren nachgewiesen hat ("Zur Geschichte des Streits um das iranische Atomprogramm", junge Welt, 30. 8. 2006). Nach dem Atomwaffensperrvertrag muß eine Meldung an die IAEO erst kurz vor Beginn der Urananreicherung erfolgen. Die "geheimen" Anlagen im Iran waren 2002 gerade erst im Bau. Die angebliche Aufdeckung des iranischen Atomprogramms war ein Medienereignis, das die Öffentlichkeit von den Hintergründen des Konflikts ablenken sollte. Tatsächlich sind sich USA und EU einig in der Forderung, daß der Iran vollständig und unbefristet auf die Urananreicherung und die zivile Nutzung von Atomenergie verzichten soll. Uneinig ist man sich im Westen nur über den Umfang der Wirtschaftssanktionen. Ahlmeyer weiß das, greift aber zum Konjunktiv: eine zivile Nutzung "hätte dem Land schließlich zugestanden.“

Fakten spielen keine wesentliche Rolle 

Um diesen Sachverhalt zu verdecken, wird die Öffentlichkeit seit vielen Jahren regelmäßig mit sensationellen Berichten über eine angeblich bald zu erwartende "Bombe" der "Mullahs" gefüttert. Konkret-Autoren wie Jan Ahlmeyer sind dabei zuständig für diejenigen Gruppen des linken Spektrums, in denen gilt, was Knut Mellenthin im August 2006 so formulierte: "Fakten spielen keine wesentliche Rolle, wenn eine militärische Konfrontation vorbereitet wird."

T:I:S, Zwischenüberschriften, 3. August 2008

Leicht redigiert veröffentlicht im Schwarzen Kanal der jungen Welt vom 2./3. August 2008, Link für Online-Abonnenten. Weitere Beiträge des früheren Konkret-Autors Matthias Gockel: Monatsmagazin 'konkret': Die nächste Lüge, Deep Antisemitism?, Gremliza weiter für Gewährleistungskrieg, Benjamin Weinthal, Was macht eigentlich Kanan Makiya, Faschismus, Wer wird Sozialist?, Dschungelfieber

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/iran#Gockel 

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Günter Schenk, Beinheim

Leserbrief

Iran: Bedrohung, "Säbelrasseln"

Am 13. Juli 2008 veröffentlichte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung einen Artikel von Günther Nonnenmacher: Manöver im Nahen Osten, Säbelrasseln in Iran und Israel. Dazu schrieb Günter Schenk, siehe Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 20. Juli 2008, S. 34: 

Wie auch immer man zu einer möglichen zukünftigen iranischen Atomrüstung stehen mag - und mit dem Autor dürften die meisten Ihrer Leser diese als keinesfalls wünschenswert betrachten - so will sich mir der Sinn der Aussage, Israel habe allen Grund, sich bedroht zu fühlen, nicht erschließen. 

Zum Einen hat der iranische Staatspräsident nichts Anderes gesagt, als man es auch von intellektuellen Kreisen Israels bis hin zu kritischen Politikern lesen kann: der zionistische Staat werde sich über kurz oder lang in seinem Wesen ändern müssen oder nicht überleben. Zum Anderen kann ich kein Gefährdungspotential Israels durch eine iranische Atombombe erkennen. Kein verantwortlicher Politiker Irans wird je die Verwendung einer iranischen Atombombe gegen Israel als Angriffswafe ins Auge fassen, denn damit würde er, bei der auch weiterhin überlegenen Waffentechnik Israels - mit über 200 Kernwaffen, Trägersystemen aller Art - ein Todesurteil über Iran aussprechen.

Ist es aber umgekehrt nicht angebracht zu schreiben, Teheran habe allen Grund, sich bedroht zu fühlen? Die Dislozierung von Trägern der Amerikaner, plus einsatzbereiter wirkungsvoller Waffen der Israeli im erreichbaren Zielgebiet Irans ist mehr als bedrohlich und an Angriffsdrohungen seitens Tel Avivs oder Washingtons gegen Iran hat es in den vergangenen Monaten keinesfalls gefehlt. 

Mit dem Schlusssatz führt Ihr Autor mit der Forderung nach ernsthaften und vertrauensbildenden Verhandlungen zwischen der westlichen Führungsmacht USA und Teheran in die richtige Richtung. Aber auch die Anerkennung der traditionellen Rolle Irans als regionale Mittelmacht entspricht sowohl westlichen Interessen als dem Ziel eines tragfähigen Friedens in der Region.

T:I:S, 20. Juli 2008

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Nachhilfe

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat erklärt, warum Teheran keinen Angriff auf Israel plant und wo der Unterschied zwischen Zionisten und Juden liegt.

RIA Novosti, T:I:S, 7. Juli 2008

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Hilfe für Süchtige 

Der Iran, der US-Mohnkolonie Afghanistan benachbart, hilft Heroin- und anderen Derivat-Abhängigen. 

New York Times, T:I:S, 27. Juni 2008. Dank an Knut Mellenthin. Siehe auch Mohn in Afghanistan

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Knut Mellenthin

Iran als Modell für die geplante Verschärfung des Atomwaffensperrvertrags

Erweitere Fassung eines am 15. Mai 2008 in der Jungen Welt erschienenen Artikels

Knut Mellenthin, T:I:S, 23. Mai 2008

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Kotfliegen 

Korrigiert am 25. März 2008

Bismarck, auf Kur in Bad Ems, wollte die imperialistische französische Regierung zum Krieg gegen das imperialistische Preußen provozieren. Er formulierte auf der Grundlage eines Telegramms eine den Sachverhalt verkürzende Presseerklärung, die am 13. Juli 1870 in der Norddeutsche Allgemeine Zeitung veröffentlicht wurde. Der Vorgang ging unter der Bezeichnung Emser Depesche in die Geschichtsbücher ein. Die französische Regierung flog auf den Kot und erklärte Preußen den Krieg. 220 000 Soldaten und 550 000 Zivilisten waren nach sechs Monaten verwundet oder tot. (1) 

Von einem Krieg des Westens gegen den Iran ist weit Schlimmeres zu befürchten. Zur Kriegsbereitschaft hat die Fälschung des Ahmadinedschad-Zitats vom 26. Oktober 2005 erheblich beigetragen. An der Verbreitung der Fälschung waren und sind beteiligt: 

alle westlichen Nachrichtenagenturen

alle westlichen Fernsehanstalten

alle führenden Zeitungen außer der New York Times und dem britischen Guardian und, seit dem 14. März 2008, außer dem Feuilleton der Süddeutschen Zeitung

das Bundesinnenministerium und seine Bundeszentrale für politische Bildung

die Rosa-Luxemburg-Stiftung, Stiftung Der Linken

die Bundeskoordination Internationalismus (BUKO), siehe Karl Rössel, 29.01.08 12:58 an Arbeiterfotografie, und deren Antwort

einige Unbedarfte

und zahllose Stiefellecker.

Kot zieht Fliegen an.

T:I:S, korrigiert am 25. März 2008

Anmerkung 

(1) Deutsch-französischer Krieg. Die Summen  wurden aus unklaren Angaben am Rande des Wikipedia-Beitrags gebildet. Mit Dank an Andreas Hauß. Knut Mellenthin, dem ebenso Dank gebührt, hat am 25. März 2008 gemailt: 

T.I.S. irrt. Nicht als erster, nicht als letzter. Es ist ähnlich wie mit  dem Ahmadinedschad-Zitat: Einer schreibt den Unsinn seiner Vorgänger ab. Und wenn der Fehler begangen ist, hat keiner Lust, ihn zuzugeben. Wetten?

Bismarck hat kein Telegramm gefälscht, sondern eine Presseerklärung  formuliert. Dazu war er, wie aus dem Telegramm unmissverständlich hervorgeht, von König Wilhelm I. ausdrücklich bevollmächtigt worden. Bismarck hat diese Presseerklärung auf besagtem Telegramm aufgebaut und dieses zu seinem Zweck mit großem Geschick so redigiert, dass eine  Provokation daraus wurde. Ich denke, er hat damit die Absicht seines  Königs richtig interpretiert oder ihr den letzten Schliff gegeben.

Von einer Fälschung des Telegramms kann überhaupt keine Rede sein, da  Bismarck keineswegs behauptete, in der Presseerklärung das Telegramm zu  zitieren oder gar vollständig wiederzugeben. Vielmehr wird das Telegramm in der Presseerklärung gar nicht erwähnt. Die Frage kann also lediglich sein, ob Bismarck in seiner Presseerklärung die in dem Telegramm geschilderten Vorgänge verfälscht wiedergegeben hat. Ich denke, das war nicht der Fall, oder jedenfalls nicht mehr als in fast jeder beliebigen anderen Presseerklärung auch. Ich schlage zur Klärung der Angelegenheit vor, sich den Wikipedia-Artikel zur Emser Depesche anzusehen, auf den T.I.S. in seinem Text verlinkt hat.

Ich habe deshalb den Text korrigiert. T:I:S, 25. März 2008  

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Willy Wimmer, MdB, CDU, im iranischen Rundfunk: 

"Bei den Briten und den Amerikanern scheinen das Überlegungen aus der alten Kolonialzeit zu sein, oder sie haben etwas mit künftigen Konflikten in der Region unter Einschluß von China und Indien zu tun."

 Audio-Datei, ca. 9 Minuten, T:I:S, 11. Februar 2008. Dank an Dr. B.

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Thomas Immanuel Steinberg 

Bush und die UFOs 

Nicht alle stellen sich beim Lügen so doof an wie Scharping. Der Unglücksradler hatte vor laufender WDR-Kamera behauptet, serbische Soldaten würden im Dachstuhl kosovo-albanischer Häuser eine brennende Kerze aufstellen und unten den Gashahn aufdrehen. Bald danach flöge das ganze Haus in Luft.

Die Journalisten entblößten Scharping. Das Gas sei schwerer als Luft: Es bleibe am Boden und könne sich nie an der Flamme unterm Dach entzünden. (1) Bombardiert hatte Scharping anyway. Jugoslawien gibt es nicht mehr.

Irak

Bush log besser, bevor er den Irak zerfetzen ließ. Der Behauptung, Saddam habe irgendwo Massenvernichtungswaffen, konnte so leicht kein Naturgesetz in die Quere kommen.

Außerdem aber hatte Bush die logische Form einer Es-gibt-Aussage gewählt, ohne handhabbare örtliche Eingrenzung. Wenn zum Beispiel einer behauptet: Es gibt Autos mit fünf Rädern – dann kann das stimmen, selbst wenn er nirgendwo eines aufweist.

Die logische Form seiner Behauptung erlaubte Bush, die Beweislast umzukehren: Er wisse natürlich nicht, wo Saddam die Waffen verberge. Saddam aber kenne sich zu Hause aus, er müsse daher beweisen, daß bei ihm keine Massenvernichtungswaffen versteckt seien.

Was Saddam da beweisen sollte, hat die logische Form einer Es-gibt-nicht-Aussage. Am Auto-Beispiel: Jemand könnte widersprechen; es gebe keine Autos mit fünf Rädern. Der kann dann auf noch soviele Autos mit drei, vier oder sechs Rädern zeigen; er wird seine Behauptung nicht beweisen können. Vielmehr muß, aus denklogischen, nicht faktischen Gründen der, der ihre Existenz behauptet, auf mindestens ein Auto mit fünf Rädern verweisen können; also Bush auf Waffen an bestimmter Stelle im Irak. Dann wäre Saddams – von vorneherein absolut unbeweisbare –  Es-gibt-nicht-Aussage widerlegt. Dem Iraker blieb aus denklogischen, nicht faktischen Gründen nur übrig, Bush zurückzufragen: Was denn, wo denn sollen diese angeblichen Massenvernichtswaffen sein? Zeig’ sie mir!

Bush zeigte sie ihm nicht, überfiel den Irak und ließ Saddam henken. Er hatte gut gelogen.

Iran

Bushs nächste gute Lüge, der Iran verfüge über ein Atomwaffenprogramm, ist ebenfalls aus rein logischen Gründen nicht widerlegbar. Die sechzehn US-Geheimdienst-Chefs haben zwar erklärt, ihrer Meinung nach habe der Iran 2003 die Aktivitäten in dieser Richtung eingestellt; aber sie könnten nicht ausschließen, daß nicht doch irgendwo irgendwann etwas Atomwaffenprogrammatisches im Iran passiere. Diese Einschränkung ist völlig richtig: Sie ist aus rein logischen Gründen richtig. Sie ist, wie man in der Logik sagt, eine Tautologie. 

Aus einer tautologischen Aussage kann man jedoch alles ableiten: ebenso A wie auch Nicht-A. Das heißt zugleich: Aus einer Tautologie kann man nichts ableiten, was irgendeine Aussage über die Wirklichkeit erlauben würde. Die sechzehn Agenturchefs haben nur den denklogische Gemeinplatz angefügt, daß eine Es-gibt-nicht-Aussage im strengen Sinne unbeweisbar ist. Anti-Palästina- und Rüstungslobbyisten machen daraus: Die Sechzehn sind sich nicht sicher. Und ausschließen kann man nichts! Stimmt. Ebenso wie rein logisch nicht auszuschließen ist, daß es einen Teufel gibt, ein Ungeheuer von Loch Ness, oder UFOs.

UFOs 

UFO-Gläubige liegen besonders richtig. Der Name „Unbekanntes Flug-Objekt“ sagt ja schon: sie sind unbekannt. Wären diese Objekte bekannt, dann wären sie keine UFOs. Also gibt es UFOs, es gibt Flugobjekte, die uns nicht bekannt sind. (2)

Da bin ich mir völlig sicher.

T:I:S, 5. Dezember 2007 

Anmerkung 

(1) Luft wiegt ungefähr 1,3 Kilo je Kubikmeter. Propangas ist etwa doppelt so schwer.

(2) Leser P.S. aus Wiesbaden macht mich darauf aufmerksam, daß UFO für "Unidentifiziertes Flug-Objekt" steht. Schade, daß er Recht hat. T:I:S, 12. Dezember 2007

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US-Basen rund um den Iran, Dossier mit Video und Landkarten bei Yvonnne Schmidt, Universität Graz. T:I:S, 21. März 2007

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Thomas Immanuel Steinberg 

Die geopolitische Lage des Iran 

        Handzettel zum Vortrag bei attac Hamburg, Zimmerpforte 8, St. Georg, am Mittwoch, dem 12. April 2006 um 19.30 Uhr 

1. Grunddaten 

65 Millionen Einwohner  (D: 82 Mio.); 50% Perser, 20% Azeri, 10% Luren und Bachtiaren, Kurden, Araber, Turkmenen, Balutschen, Armenier
1, 6 Mio qkm – Luftlinie Nord-West bis Süd-Ost 2 300 km = Hamburg bis Tanger 

2. Hydrokarbon 

Ölreserven 130 Mrd. Barrel = 11% der Weltreserven (nach Saudi-Arabien mit 25% und vor dem Irak); Ölförderung bis 4 Mio Barrel pro Tag (viertgrößter Produzent); davon 30% Eigenverbrauch, 50% Export nach Japan, China, Südkorea, Indien u. Südostasien

Gasreserven, englisch: 940 trillion cubic feet (Tcf) = 27 Billionen Kubikmeter = 15% der Weltreserven (nach Rußland); Gasförderung gegenwärtig, englisch: 3 – 4 trillion cubic feet (Tcf); Öl und Gas erbringen bis zu 90% der Exporteinnahmen, 50% der Staatseinnahmen und 20% des Volkseinkommens 

3. Umzingelt von US-Streitkräften  (farbige Übersicht)

US-Streitkräfte in der Türkei, dem Irak, Kuweit, Saudi-Arabien, Bahrain, Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Oman, Pakistan, Afghanistan; nur von Norden (Turkmenistan, kaspisches Meer, Aserbaidschan, Armenien) weniger bedroht. Öllagerstätten in Khuzestan und Lorestan nahe Irak oder Off-shore, Gaslagerstätten (South Pars) Off-shore im Persischen Golf. 

4. Engpaß Bosporus 

Für kaspisches Öl ist der Iran ein einfacher, billiger, sicherer Weg nach Asien. 

Alternative 1: Rohrleitungen, 800 km durch den Iran;
Alternative 2: Swap-Geschäft, 300 km Rohölleitung Neka – Teheran (Erweiterung auf 300 000 Barrel pro Tag und mehr im Gange);
Alternative 3:
Baku-Tbilissi-Ceyhan, 1 700 km, siehe Karte; Leitung wird zur Zeit gefüllt; teuer und vielleicht gefährlich;
Weitere Alternativen:
Constanţa – Omisalj (Triest); AMBO Burgas – Vlorë; Burgas – Alexandroupolis; Odessa – Brody (Umkehrung) 

... dito für Gas. 

Alternativen: Durchleitung durch den Iran aus Turkmenistan an die Türkei (aktiv); Belieferung Armeniens (aktiv); Blue Stream Novorossijsk – Samsun (aktiv); Baku – Tbilissi – Erzurum (im Bau), nach Eröffnung russisches Erdgas für Libanon und Israel, Liquified Natural Gas (LNG) oder Mittelmeer-Pipeline (Planung; siehe auch Ashkelon - Eilat). 

5. Gas nach Pakistan und Indien – Off-shore 

Die Gasleitung nach Indien ist vermutlich in die Ferne gerückt durch den US-indischen Atomvertrag. Die Alternative Turkmenistan – Afghanistan – Pakistan (ehemals Unocal-Taliban-Plan) ist offenbar vorerst aussichtslos, da Afghanistan nicht befriedet ist. Turkmenistan liefert vor allem ins russisch-ukrainische Gasnetz, über Kasachstan. 

6. Kasachisches Öl nach China? Jedenfalls nicht durch den Iran

Zum kasachsich-chinesich-russischen Interessengeflecht siehe Kasachstan (mit Karten)  

Alle Zahlenangaben gerundet / Schätzwerte; Quellen: Philippe Sébille-Lopez, Géopolitiques du pétrole. Paris: Armand Colin 2006 [Fondation Prometheus – ALSTOM, EADS, SANOFI-AVENTIS, THALES u.a.]; Energy Information Administration, Department of Energy, US Government, Iran Natural Gas

Einheiten: 1 Barrel = 159 l; 1 Kubikmeter = ca. 35 Kubikfuß; englisch: 1 billion = deutsch: 1 Milliarde; englisch: 1 trillion

Brennwert: 1000 Kubikmeter Erdgas = 0,9 t Erdöläquivalent; die Dichte (das spezifische Gewicht) von Rohöl differiert von Sorte zu Sorte: 

Liquid (Temp. 60° Fahrenheit)              kg/cu.m
Crude oil, 48° API                         790
Crude oil, 40° API
                          825
Crude oil, 35.6° API
                       847
Crude oil, 32.6° API
                       862
Crude oil, California
                       915
Crude oil, Mexican
                        973
Crude oil, Texas
                           873

 API = Maßeinheit des American Petroleum Institute; Quelle. Ein Kubikmeter Gas hat den Brennwert von etwa einem Liter der Sorte California 

T:I:S, 7. April 2006

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