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Zur Lage der Menschen in Flüchtlingslagern

Stimmen und Meinungen, angeregt durch die öffentliche Meinungsäußerung des Koordinators des Flüchtlingsnetzwerks Oldenburg, Dr. Ben Khumalo-Seegelken vom 22. August 2007 unter Festung Europa

 

-  eine kleine Auswahl -

 Norbert Gesser, Oldenburg:

 (Dies)zeigt ... die Dimensionen unmenschlichen Handelns direkt vor den Toren unserer Stadt im ehemaligen Kloster Blankenburg. Ich habe es in einem Rundbrief an meine Freunde und Bekannten geschickt und der Überschrift "Und alle schauen weg..."

... Auftrag unseres Herrn: "Ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen" (Matth. 25,35). Das sollten sich gerade Christen als Beispiel nehmen.

Ich würde mich auch gern in dieser guten Sache engagieren. Teile mir doch bitte mal mit, wann sich die Teilnehmer/Mitglieder des flüchtlingsnetzwerkes wo treffen.

Weiter so!!

Hans Ph. Neidhardt,  München:

Menschen, die in Kriegs-, Hunger- und Nachkriegzeiten viele Jahre in Notunterkünften aufwuchsen, und dann ihr Leben lang arbeiteten, Steuern und Sozialabgaben zahlten, hören in ihren Mehrbettzimmern in Kur-, Kranken- und Altenheimen Ihre anspruchsvollen Worte über Migranten, die in der Regel in unser Land kamen, um wirtschaftlich besser leben zu können, Migranten, die nun unter meist besseren Wohn- und Sanitärverhältnissen unentgeltlich untergebracht und nach wissenschaftlichen Erkenntnissen angemessen und ausreichend verpflegt werden, vermutlich mit Verwunderung.

che2001@gmx.net:

Meine Stellungnahme hierzu: Als jemand, der die Tatsache seiner puren Existenz dem Umstand zu verdanken hat, dass ein Jude gnädig mit meinem Vater, einem Waffen-SS-Mann umgegangen ist, finde ich es beschämend, wenn die deutsche Vergangenheit hier in Stellung gebracht wird gegen die Armut in der sog. "Dritten Welt". Wer einmal ein Slum im Sudan, die Amputierten von Sierra Leone oder die Todesschwadronen Guatemalas erlebt hat und weiß, dass der Reichtum Europas ohne die Armut der Länder des Südens nicht denkbar ist, kann vor solch billigem Zynismus nur ausspucken.

Michael Schubek:

ich kenne die Kur-,  Kranken- und Altenheime nicht, kann mir aber vorstellen, dass das auch nicht wirklich lebenswert ist. Insofern ist die Anmerkung wichtig. 

... ich glaube nicht, dass Flüchtlinge ein Recht auf Einzelzimmer haben. Und einen individuellen Speiseplan gibt es bei Großküchen auch nicht.

Ruth Rieß:

bitte folgendes an den h e r r n  weiterleiten: "die richtigen forderungen im zusammenhang mit flüchtlingen und migrant-inn-en sind für mich: OFFENE GRENZEN! BLEIBERECHT FÜR ALLE! DIE LAGER MÜSSEN WEG! NO BORDER - NO NATION ! ABSCHIEBUNG  IST FOLTER - ABSCHIEBUNG IST MORD ! 

Ben Khumalo-Seegelken:

Ich möchte klarstellen: Ich rede von politischen Flüchtlingen  -  von Menschen also, die infolge politischer Missstände fliehen mussten und auf der Suche nach Schutz für Leib und Leben sind  -  Menschen, denen das Völkerrecht und unser Grundgesetz den benötigten Schutz zusprechen: das Asylrecht.

Ich beschreibe und kommentiere, was ich tagein tagaus erlebe, sehe und höre, wenn ich Mitmenschen besuche, die als politische Flüchtlinge im Lager Blankenburg ("ZAAB Oldenburg") untergebracht sind.  Gar die selbstverständlichsten Grundregeln zivilen Anstands setzt das Asylbewerberleistungsgesetz für diese Menschen außer Kraft; entwürdigende Umgangsformen und menschenrechtsverachtende Praktiken werden zur Regel erhoben.  Dazu meine ich nach wie vor:  In keinem Fall  - weder  "in Kriegs-, Hunger- und Nachkriegzeiten", noch "in Kur-, Kranken- und Altenheimen" , noch in irgendeiner Sonderunterkunft für Flüchtlinge  - dürfen menschenwürdeverletzende Regelungen kritiklos  hingenommen werden!Erkenntnisse und Berechnungen liegen vor, die belegen, dass der völkerrechtlich und grundgesetzlich verankerte Schutz vor politischer Verfolgung durchaus im Rahmen einer Asylpolitik zu gewähren ist, die dem Grundsatz und der Praxis der Unverletzbarkeit der Menschenwürde uneingeschränkt verpflichtet bleibt:  Menschen müssen und dürfen überhaupt nicht in Lager gesteckt und noch mehr entmenschlicht werden, ehe entschieden wird, ob sie bei uns überhaupt Fußfassen dürfen!   Alternativen zur derzeitigen Asylpolitik gibt es, die nicht nur rechtstaatlich fundierter und vertretbarer, sondern auch wirtschaftlich empfehlenswerter sind, weil sie (was ja auch nicht unwichtig ist) dem Steuerzahler - der Steuerzahlerin -  doch günstiger zu stehen kommen als alle Abschreckungsregelungen zusammen: z.B. dezentrale Unterbringung in öffentlich-mitfinanzierten Wohnungen wie sonst für andere Gering- oder Nichtverdienende auch!  

Helga Habekost:

Flüchtlinge, die zu uns nach Deutschland kamen, betreue ich ehrenamtlich (unentgeltlich!) seit 1979. Diese kamen aus unterschiedlichen Ländern. Ihre Lebensgeschichten sind sehr unterschiedlich. Ich bin aufgrund vielfältiger Schilderungen über Fluchtgründe der Meinung, dass (zumindest von den mir bekannten Flüchtlingen) nicht ein einziger nach Deutschland aus wirtschaftlichen Beweggründen kam. 

Mag sein, dass ich derartige "Wirtschaftsflüchtlinge"nicht kenne, aber mir tut die Verallgemeinerung weh  

Diejenigen, die aus wirtschaftlichen Gründen kamen, das sind die sog. Fremdarbeiter, die in den Jahren vor 1979 hierherkamen und die dann auch dafür hier arbeiteten und hier Rentenansprüche erwirtschafteten und deren Kinder und Kindeskinder nun eben auch hier leben. Mag sein, dass von ihnen unterdessen etliche Hartz IV erhalten und somit mein Mann und ich und viele andere Deutsche keine ausreichenden Rentenbezüge erhalten werden.

Meiner Meinung nach sollten wir uns allerdings solidarisieren mit unserer Einwanderungsgesellschaft, die wir unterdessen geworden sind, anstatt z.B. bei Vorkommnisse wie in Mügeln lediglich mit einem Achseln zu zucken und dann "zur Tagesordnung" und "Stammtischgerede" zurückzukehren.  

Flüchtlinge sind geflohen - sie benötigen unsere Unterstützung / Hilfe - wir Deutschen sollten uns das m. Ea. leisten können. Was Flüchtlingen bei uns in Deutschland widerfährt ist manches Mal hässlich-gemein / unglaublich...  

Gerhard Küsel:

...  Ich bin soz. selbst Betroffener, denn 1974 wurde mir die Möglichkeit gegeben, deutscher Staatsbürger zu werden, weil ich damals als Vikar nicht zurück nach Südafrika konnte. Damals gab es die Diskussion um "Scheinasylanten" usw. noch nicht. Die Ausländer wurden ja in der Wirtschaft damals noch gebraucht. Seit dieser Zeit hat sich die Situation verändert. 

Die Politiker aller Regierungen haben sich nie bemüht, das Asylrecht wirklich als solches zu verstehen und ein zu halten, sondern seit dieser Zeit sind die Bemühungen um restriktive Ausführungsverordnungen immer unverschämter und zynischer geworden. Es ist blanker Zyniskmus, wenn heute noch jemand von der Regierung den Paragraphen überhaupt in den Mund nimmt. Es gibt ihn ja faktisch nicht mehr.

Zum Thema Wirtschaftsflüchtlinge: Da kann ich Ulrike Binias nur zustimmen. Die Ausbeutung der Rohstoffe in Afrika und anderen Ländern der Welt wird heute noch wie zur Zeit des Sklavenhandels betrieben, nur etwas raffinierter. Wenn Deutschland sich als Exportweltmeister preist, dann muß doch deutlich sein, dass irgendwo die Rohstoffe für diese Entwicklung herkommen. Und wenn der Preis für die Rohstoffe von den selben Leuten bestimmt wird, die auch die Preise für die Fertigprodukte bestimmen, dann ist doch deutlich, dass der sog. freie Welthandel eine verlogene Erfindung der G8 Staaten ist, die sich nur ihre Vorherrschaft sichern wollen.

Wenn Menschen aus den ausgebeuteten Systemen hier ein Teil ihres Wohlstandes holen möchten, dann kann ich das ganz nachvollziehen. Wer geht nicht dahin, wo Arbeit und Wohlstand zu finden ist. Wieviele Menschen sind nicht aus Deutschland in vergangenen Jahrhunderten ausgewandert und haben sich ihren Wohlstand auf dem Rücken anderer "verdient". Ich komme aus Südafrika und kenne diese Diskussion "Das haben wir alles selbst erarbeitet!" (so die Weißen in SA) In Wirklichkeit ist die Arbeit doch von den schwarzen Arbeitern gemacht worden - und schon 1974 war der Slogan Südafrikas "The world in one country" und so sehe ich das heute noch - Beispielhaft für die Welt ist Südafrika in seinen z.T. noch vorhandenen Ausbeutungsstrukturen. Die Arbeit von der auch wir in Deutschland profitieren wird z.T. und Menschenunwürdigen Bedingungen in Afrika und Südamerika gemacht.

Soviel kurz zu den Anmerkungen. 

Ruth Rieß:

"wirtschafts"flüchtlinge kommen hierher, weil die länder der sogenannten "ersten" welt ihre länder so stark ausbeuten, daß in ihren herkunftsländern elend HERRscht! es gibt einen richtigen und guten spruch der flüchtlinge: WIR SIND HIER, WEIL IHR UNSERE LÄNDER ZERSTÖRT"!  

Hans Ph. Neidhardt:

ideologisch geschlossene, im seltenen Extremfall psychopathologische Denkgebäude sind unschwer an der Hybris zu erkennen, mit der ihre Dogmen gegen von außen kommende, selbst vorsichtigste Kritik verteidigt werden. Etliche der mir zugänglich gemachten Antworten sind für mich überaus aufschlussreich, mitunter gerade wegen ihrer spezifischen Realitätsferne; ...  .... 

Nach sorgfältiger Lektüre möchte ich freilich auf weitere Versuche verzichten, Denkanstöße zu diesem tabubedrohten Thema zu geben. 

Ben Khumalo-Seegelken:

Die Forderung im Interview vom 22.08.2007, dass die derzeit regierungspolitisch betriebene Entmenschlichung von Zufluchtsuchenden durch eine menschenrechtseinhaltende Asylpolitik ersetzt werden soll, blieb im Meinungsstreit unkommentiert.  Vielmehr beschäftigten sich die Diskutierenden mit der zynisch-anmutenden rhetorischen Rückfrage eines distanziert Mitredenden und landeten dabei schnell bei den uralten Grundpositionen, bei denen es schlicht und ergreifend nur darum geht und gehen muss, "für oder gegen die Solidarität" mit Zufluchtsuchenden zu sein!

Es zeigt: Der Bedarf am Meinungsaustausch über und Sensibilisierung für Alternativen zur aktuellen Asylpolitik ist unverändert groß. 

28.08.2007 

T:I:S, 28. August 2007. Um einen Beitrag gekürzt, T:I:S, 13. Januar 2008

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Ben Khumalo-Seegelken

Einschüchtern und Abschrecken sind Regierungspolitik

Bettina Behrens von Radio oeins interviewte am 22. August 2007 den Koordinator des Flüchtlingsnetzwerks Oldenburg, Dr. Ben Khumalo-Seegelken

 

? Herr Dr. Ben Khumalo-Seegelken, Sie sind Koordinator des Flüchtlingsnetzwerks Oldenburg. Was genau tun Sie, um die Not der Asylsuchenden hier bei uns zu lindern?

! Das Flüchtlingsnetzwerk Oldenburg ist ein offener Solidaritätskreis und besteht einerseits aus Menschen aus dem Lager für Asylsuchende in Oldenburg-Blankenburg ("ZAAB Oldenburg") und andererseits aus Interessierten aus Oldenburg und Umgebung.

Durch Begegnungen und gemeinsame Unternehmungen wollen wir denjenigen unter uns, die als Flüchtlinge nach Schutz und einer Zukunft bei uns in Deutschland suchen, Gastfreundlichkeit und gute Nachbarschaft gewähren, während wir gleichzeitig auf politischer Ebene Initiativen und Aktionen anstoßen und unterstützen.

Eigeninitiative

Wir fördern die Eigeninitiative der Asylsuchenden, z.B. indem wir ihnen die Teilnahme an einem jeweils 10-wöchigen Intensivkurs ermöglichen, damit sie die deutsche Sprache erlernen und somit sich besser zurechtfinden können. In einigen Fällen muss ihnen das Lesen und Schreiben mit den von uns verwendeten lateinischen Buchstaben überhaupt erst mal vermittelt werden.

Der Weg zum Rechtsanwalt – zur Rechtsanwältin – und zu Ämtern muss oft gegangen werden. Wir geben Auskunft und gehen oft mit.

Wir brechen – wie neulich – mit einem Sonderbus auf zum Lager, kommen mit einigen Asylsuchenden langsam zu Fuß bis zur Innenstadt zurück, machen unterwegs Pausen, essen, trinken und erzählen von uns und von der Stadt, lernen uns dadurch immer besser kennen und vergewissern uns, dass wir uns nicht gleichgültig sind. Das tut not. 

Arbeiten verboten

? Im ersten Verfahrensjahr dürfen die Flüchtlinge hier bei uns in Deutschland nicht arbeiten. Welche weiteren Einschränkungen ergeben sich zudem noch für einen Asylsuchenden? 

! Menschen, die erstmal als Asylsuchende erfasst wurden, unterliegen den Bestimmungen des Asylbewerberleistungsgesetzes, das ihnen erhebliche Einschränkungen auferlegt: Arbeitsuchen dürfen sie nicht - geschweige denn arbeiten, um Geld zu verdienen – sie dürfen somit den eigenen Lebensunterhalt nicht selber finanzieren, auch wenn sie gesundheitlich und willens dazu in der Lage wären. Das Gesetz verbietet es. 

Wohnen dürfen Asylsuchende nur in für sie vorgesehenen Sonderunterkünften – Flüchtlingslagern wie in Blankenburg, Bramsche, Braunschweig - mit bis zu 5 anderen zusammen in einem engen Raum ohne sich je privat und intim alleine zurückziehen zu können. Zu jeder Tages- und Nachtzeit wird hin und wieder nachgeschaut. Gegessen wird, was die Lagerverwaltung für angemessen und ausreichend hält. Wer kann da noch halbwegs gesund bleiben!? Ausgang ist nur in die nähere Umgebung innerhalb des Landkreises erlaubt, sonst müssen Asylsuchende endlos viele Fragen beantworten und Auskünfte liefern, ehe sie mal kurz jemanden außerhalb des eingeschränkten Bewegungskreises besuchen dürfen. 

Lager

Wachposten kontrollieren Besucher und Besucherinnen am Eingangstor, behalten Personalausweise als Pfand und speichern die Daten über sie. Abschreckung, Isolierung, Einschüchterung, Kontrolle – von früh bis spät! So verläuft der Alltag für Menschen, die zu uns flüchten und bei uns in Niedersachsen auf Schutz hoffen.

 ? Arbeit ist ein wichtiger Punkt im Leben, ein anderer ist die Wohnungssuche. Wie gestaltet sich diese für die Flüchtlinge? 

Wohnen verboten

! Das Gesetz verbietet es, dass Asylsuchende sich selber eine Wohnung suchen. Womit würden sie denn auch die Miete zahlen, wenn sie eine Wohnung fänden? Sie dürfen doch nicht Arbeit suchen – dürfen nicht selber Geld verdienen! Wenn sie das denn doch täten, haben sie auf dem Wohnungsmarkt als Menschen, von denen auch in der Zeitung nur Schlechtes geschrieben wird, keine guten Karten. Oft bekommen sie nur überteuerte Angebote, die ihre Lage als Schutzlose ausnützen. 

? Soziale Leistungen erhalten die Asylsuchenden in Deutschland kaum. Im Krankheitsfall wird ihnen zum Beispiel nur geholfen, wenn ihre Gesundheit akut gefährdet ist oder sie chronisch krank sind. Und zum anderen können Flüchtlinge im Supermarkt nicht einfach mit Geld bezahlen... 

Mit dem Taschengeld von knapp 40 Euro monatlich hat der Asylsuchende – die Asylsuchende – all das zu finanzieren, was er zum Leben braucht. Alleine die Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln fressen einen großen Teil auf – das Lager liegt ja weit außen, und es gibt keine Fahrpreisermäßigung. Statt Taschengeld wird oft ein Lebensmittelgutschein bewilligt – für Einkäufe in bestimmten Läden. Wird der Warengutschein nicht auf den Cent aufgebraucht, gibt’s nichts zurück – „Systemtechnische Probleme“ (so wird gesagt) hindern den Einkaufsladen an der Geldrückgabe. Flüchtlinge, die ohnehin fast nichts haben, verlieren auf diese Weise schnell mal ein paar Euro, wenn sie nicht punktgenau einkaufen.

Kein richtiges Geld 

Wie diskriminierend diese ganze Praxis ist, zeigt die Reaktion eines kleinen deutschen Mädchens, als es eine Asylsuchende mit ihren Kindern beim Einkaufen beobachtete: „Mama, warum haben diese Leute kein richtiges Geld?“ 

? Als Asylsuchender hat man es in Deutschland nicht leicht. Welche Probleme zeigen sich insbesondere in Niedersachsen und noch lokaler in Oldenburg?

Regierungswille: Einschüchtern und Abschrecken 

Das grundlegende Problem in Niedersachsen – in Deutschland – sehe ich darin, dass all diese Missstände nicht irgendwelchen Entgleisungen zuzuschreiben sind, sondern gewollte Maßnahmen der derzeitigen Regierungspolitik sind. 

Es ist die derzeitige Rechtslage in unserm Land, Menschen regelrecht einzuschüchtern und sie davon abzuschrecken, bei uns weiter auf Schutz und Zukunft zu hoffen – eine verfehlte und durch und durch menschenrechtsverletzende Asylpolitik! Das Grundrecht auf die Unverletzbarkeit der Würde wurde für diese Personengruppe einfach per Gesetz außer Kraft gesetzt. 

Da muss sich was ändern - im Rathaus, im Landtag, im Bundestag, im Europarat – damit auch für Asylsuchende derselbe Grundsatz der Unverletzbarkeit der Menschenwürde gilt wie für jede und jeden von uns in Oldenburg – in Europa – heute. Einzelpersonen auch in Oldenburg können dazu beitragen – gemeinsam als offenes Netzwerk der Solidarität.

? Herr Dr. Ben Khumalo-Seegelken, wir danken Ihnen für das Gespräch.

! Ich danke ebenfalls.

T:I:S, 23. August 2007. Dank an Dr. Matthias Gockel  

 

Das Flüchtlingsnetzwerk Oldenburg unterhält kein eigenes Büro. Der Theologe und Sozialwissenschaftler Dr. Ben Khumalo-Seegelken, der das Netzwerk koordiniert, ist zu erreichen unter fluchtwege1(at)t-online.de . Fon: 0 44 87-75 02 85

Siehe auch Robert von Lucius: Vom Widerstandskampf zur Bibelübersetzung. Ben Khumalo-Seegelken – ein ungewöhnliches Leben, .pdf-Datei, und Ben Khumalo-Seegelkens Homepage

Zum Lokalsender oeins Oldenburg-Eins mit Lifestream via Internet – gute Musik in mp3-Qualität

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Von wegen Hindukusch!

Die Freiheit der Hamburger ist am Hauptbahnhof gefährdet. 

Innensenator Nagel schiebt Frauen, Männer und Kinder ab in den Krieg – nach Afghanistan.


Demonstrantinnen am Hamburger Hauptbahnhof                                                                 Foto: tofoto

Der Hamburger Senat, berüchtigt durch seine Brechmittelfolter, schiebt immer mehr Hamburgerinnen und Hamburger nach Afghanistan ab,  wo deutsche Tornado-Flugzeuge den USA bei der völligen Zertrümmerung des Landes helfen sollen. 

An die tausend Hamburgerinnen und Hamburger demonstrierten am 23. Dezember 2006 rund um den Hauptbahnhof gegen die Abschiebung ihrer Mitbürgerinnen und gegen die drohende eigene Verschickung in Elend und Gefahr. Omid war einer der Ordner. Er ist 19 Jahre alt und lebt seit dem 17. Dezember 2001 im Lande. Er hat eine Ausbildung  als Hotelfachmann im Hamburger Ortsteil Nettlenburg begonnen. Ob er den Bomben von Warlord Bush und seinen afghanischen Gesinnungsgenossen ausgeliefert wird, soll Ende Januar 2007 die hiesige Härtefallkommission entscheiden.  


Omid, 19, angehender Hotelfachmann, an der Ecke Rosen- und Lilienstraße in der Hamburger Altstadt / tofoto

Unter den demonstierenden Schülerinnen gut vertreten war die Erich-Kästner-Gesamtschule in Farmsen.


Viele Hamburger Kinder erleben dieses Jahr angstvolle Weihnachten.                                    Foto:tofoto


Eine der vielen Lehrerinnen der Erich-Kästner-Gesamtschule, die an der Demonstration teilnahmen / tofoto

T:I:S, 23. Dezember 2006

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Thomas Immanuel Steinberg

Nous, dans les beaux quartiers  

Ein paar Jahre nach dem Fall der Mauer saß ich in der Grunewald-Villa meines alten Klassenkameraden. Der Steinway-Flügel stand verloren in einer fernen Salonecke. Von der Wand des Nebengemachs, durch die offene Flügeltür, überwachten uns strenge Rabbiner in Öl. Die wallonische Gattin entschwebte über das Treppenhaus zum Gute-Nacht-Kuß ins Kinder-Schlafzimmer. Die Schule, verriet mein Gastgeber, habe er gehaßt, außer Griechisch. Ich haßte vor allem Griechisch. Dann ärgerte er mich mit der Auskunft, für seine 120 Angestellten in Berlin und München brauche es keinen Betriebsrat; er selbst sorge am besten für sie. 

Wie das denn jetzt so liefe im vereinten Berlin. Eh bien, nous, dans les beaux quartiers…, nuschelte er. Wir in den schönen Vierteln haben keine Sorgen, aber drüben – 

Das versöhnte mich, und es versöhnt mich mit ihm aufs Neue, sobald ich Kommentare lese zu Ceuta und Melilla, zu Clichy-sous-Bois: Ja, der Islam. Ihr Haß auf den Westen. Integration müsse man auch selber wollen. Einfach eine andere Kultur. Psychoanalytisch. Renaissance und Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten. Aber doch die Chinesen, mit ihren Fast-Food-Restaurants  – gewiß, harte Arbeit. 

Mein nuschelnder Kapitalist hatte sich wenigstens im Blick, und mit sich die Anderen, die Ärmeren. Ärmere sammeln sich zur Zeit in Agadez, einer Stadt 200 Kilometer vor den Uran-Bergwerken am Südrand der Sahara; die, die etwas zusammenkratzen konnten, um die Fahrt auf offener Ladefläche durch die Wüste zu bezahlen, und für die Nußschale nach Lampedusa. 

In Agadez umgrenzte im Januar 1987 eine Mauer neben dem Kamelmarkt ein sandiges Rechteck – das war der Bahnhof für die Überland-Taxis. Wohlgenährte Männer in bunten Gewändern kassierten das Fahrgeld, bis für einen Elfsitzer nach Niamey achzehn Gäste zusammen waren. Ein Einbeiniger und Einarmiger robbte durch den Sand an einen Kassierer heran und streckte ihm seine eine Hand entgegen. Der Dicke holte ein gewaltiges Geldbündel aus der Brusttasche, schien einen Schein auszuwählen, grinste zum Gewürm herunter und warf schließlich eine winzige Münze in den Sand. Der Wurm buddelte sich zum Almosen durch und murmelte Dank, auf Haussa, Fulbe oder Tamaschek. 

Niger ist ärmer als je zuvor. Arm, weil die französischen Kolonialherren eine Clique zu Aufsehern ernannt haben - sie stellen die Regierung; arm, weil die Armen alles Brennbare aus der dürren Erde gerupft haben, um kochen zu können; arm, weil die Kolonialherren das Uran nicht bezahlen, sondern rauben, und damit ihre Atomkraftwerke betreiben. 

Nur die korrupte Clique, eine winzige Minderheit in der Minderheit der Songai-Djerma-Sprachigen, lebt gut in Niger; und die Entwicklungshelfer. Die Wirtschaftsflucht nach Europa müsse gestoppt werden? Die Sozialhilfe reiche doch nicht für alle, die noch durch die Sahara gerumpelt kommen? 

Wüsten-LKW

Allah sei uns gnädig. Wir, wir und die, die wir als Konzernherren, Politiker und Journalisten ertragen, fressen den Armen das Fleisch von den Knochen. Aufklärung? Psychoanalyse? Integration?  Was für ein Gewäsch. Solange wir den Plünderern der Welt nicht in den Arm fallen, sei es, weil wir dazu gehören, sei es, weil wir zu feige sind, so lange haben wir jeden aufzunehmen. Als erstes die Würmer mit einem Bein und einem Arm.

T:I:S, 19. November 2005

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