The counter-revolution club
They are a shish kebab of hereditary monarchies, emirates and
outright theocracies. Most sit on oceans of oil (45% of the world's reserves).
They are addicted to the West's glitter and glamour - from London to Monte
Carlo, from the delicacies of Paris to the weaponized delicacies of the North
Atlantic Treaty Organization (NATO. They abhor democracy like they abhor
poverty. Some would be glad to topple their own people - as indeed they do. And
they view Shi'ite Iran as worse than the anti-Christ.
Welcome to the Gulf Cooperation Council (GCC), formed in 1981 by top dog Saudi
Arabia plus the United Arab Emirates (UAE), Qatar, Kuwait, Bahrain and Oman...
Der GCC ist dabei, Xe Services, vormals Blackwater, als
Söldner zu engagieren und einzusetzen...
Asia
Times, 28. Mai 2011. T:I:S, 27. Mai 2011
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Thomas Immanuel Steinberg
Krieg um Öl von Karatschi bis Triest
Wie groß sind die kaspischen Gas- und Öllagerstätten?
Geht es um mehr als um Transportinfrastruktur? Was haben deutsche Konzerne von
den Kriegen?
Für den NATO-Krieg gegen Jugoslawien warb
Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping mit der Behauptung, Deutschland müsse
humanitär intervenieren helfen. Der linkische Verteidigungsminister erzählte
vorm Fernsehen frei Erfundenes über physikalisch unmögliche Gasexplosionen,
erklärte Racak zum Ort eines Massakers, das nie stattgefunden hat, und wedelte
vor der Kamera mit einem angeblich serbischen Hufeisen-Plan, der, böse Panne,
einen kroatischen Titel trug. Wozu so viele Lügen, wozu Joseph Fischers
Auschwitz-Verharmlosung während des Krieges, wozu überhaupt dieser Krieg und
jetzt auch der gegen – ja, gegen wen eigentlich?
Kosovo-Krieg
Wer bei Jugoslawien nicht an eine humanitäre Intervention glauben mochte und
nach handfesten Interessen suchte, wurde schnell belehrt: Im Kosovo gäbe es
nichts zu holen. Einer wußte es besser: Dick Cheney, der heutige US-Vizepräsident,
war vor seinem Amtsantritt Generaldirektor der Firma Halliburton Energy und ist
immer noch ihr Teilhaber. Die britische Tochter von Halliburton heißt Brown
& Root Ltd. Sie hat die Machbarkeitsstudie erstellt für eine Ölpipeline
namens AMBO, mit deren Bau im Herbst 2001, also genau zu dem Zeitpunkt begonnen
wurde, als die amerikanisch finanzierte UCK auch in Mazedonien die Waffen ruhen
ließ. Investitionssumme, wie die FAZ vom 27. August 2001 schreibt: 1,13
Milliarden US-Dollar. Die Trasse führt vom Schwarzmeerhafen Burgas durch
Bulgarien und Mazedonien, unweit der Grenze zum Kosovo bis Vlorë an der
albanischen Adria. Mit ihrer Kapazität (750000 bbl/d) wird die Pipeline den
laufenden Durst von 20 Millionen europäischen Autos stillen können. Über sie
wacht die US-Festung Camp Bondsteel in der amerikanischen Besatzungszone des
Kosovo – die größte Militärbasis außerhalb der USA seit dem Vietnamkrieg.
Ausstattungs- und Versorgungsfirma von Camp Bondsteel: Dick Cheneys Halliburton.
Bei AMBO geht es um mehr als eine Balkan-Pipeline für das Konsortium aus den
Gruppen BP-Amoco-ARCO, Chevron und Texaco: Es geht um den transeuropäischen
Korridor Nummer 8 mit Straßen, Tunnels, Brücken, Schienen, Hafen- und
Wasserstraßenanschlüssen, Gas- und Glasfaserleitungen. Es geht um die
infrastrukturelle Erschließung aller Profitmöglichkeiten auf dem Balkan. Der
Schweizer Zeitschrift Zeit-Fragen zufolge sitzen deshalb die Konzerne Bechtel,
Enron und General Electric mit im Boot. Die öffentliche Trade and Development
Agency (TDA), der deutschen Hermes-Rückversicherung vergleichbar, hat das
Projekt abgesichert. Die »Durchlauf«-Länder Bulgarien, Mazedonien und
Albanien dagegen mußten staatliche Souveränitätsrechte an AMBO abgeben und
sich zum Schweigen über die Pläne des Konsortiums verpflichten. Michel
Chossudovsky, Ökonom an der Universität Ottawa meint: Mit AMBO sollte außerdem
Total-FINA-Elf, der italienisch-französisch-belgische Konkurrent, ausgeschaltet
werden.
Der italienische Ölgigant ENI, unter anderem mit Libyen über eine
Mittelmeerleitung gut im Geschäft, hat eine andere Balkanüberquerung für das
Öl aus dem Osten im Auge: Vom rumänischen Schwarzmeerhafen Constanca durchs nördliche
Jugoslawien zuerst nach Omisalj in Kroatien soll eine Leitung führen, später
bis zum italienischen Triest mit Anschluß an das westeuropäische Pipelinenetz.
Auch bei diesem, SEEL genannten, Projekt handelt es sich, wie Matthias George in
den Schweizer Zeit-Fragen schreibt, um einen der Korridore des paneuropäischen
Netzes. Mit der Gefangennahme Milosevics und der Regierungsübergabe an die
jugoslawischen Weltbankangestellten in Belgrad ist auch von Jugoslawien nun alle
Unterstützung für dieses westeuropäische Konzerngeschäft zu erwarten. Auf
der internationalen Konferenz »Adriatic pipeline – new perspectives for
transport of Caspian oil to the European markets«, die im Juni 2000 im Rahmen
des Inogate-Programms stattfand, sei genau diese Route als profitträchtigste
ausgewählt worden. Die politischen Gründe gegen diese Pipeline seien mit dem
NATO-Sieg entfallen, und Kroatien bestünde nicht mehr auf einer kostspieligen
Umgehung Jugoslawiens via Ungarn. Allerdings hat die US-Airforce im
jugoslawischen Abschnitt des SEEL-Korridors vier Brücken in die Donau gebombt
– womöglich, um dem AMBO-Konsortium den Vorsprung vor der europäischen
Konkurrenz zu sichern.
Tschetschenien-Krieg
Laut U.S. Trade and Development Agency vom Mai 2000 soll das Öl für AMBO aus Südrußland
und Zentralasien kommen, von russischen und georgischen Häfen. Es muß also über
den kaukasischen Isthmus zwischen dem Schwarzen und dem noch weiter östlichen
Kaspischen Meer. Wie auf dem Balkan war auch hier immerfort Krieg: Georgien
gegen die russisch unterstützten Separatisten in Abchasien; Armenien – um
Nagorny-Karabach – mit Rußlands Hilfe gegen Aserbaidshan; und vor allem
Tschetschenien, mit saudischer Unterstützung, gegen Rußland. Die
nordkaukasische Leitung von Baku ans russische Schwarze Meer ist seit 1994
unterbrochen. Die Tschetschenen wollten mehr Wegezoll, als die Russen zahlen
mochten.
Nun gibt es eine Umgehung sowohl Tschetscheniens als auch Rußlands: eine –
allerdings dünne – Ölleitung von Aserbaidshan nach Supsa an der georgischen
Küste. Viel wichtiger: Im Bau ist eine gigantische Trasse von den riesigen
Tengiz-Feldern in Kasachstan zum russischen Schwarzmeerhafen Noworossisk. Das Förderkonsortium
ist zwar amerikanisch dominiert, die Leitungsgebühr aber kassieren russische
Konzerne.
Auch in der Erdgasbeförderung haben russische Konzerne – hauptsächlich
Gasprom – immer noch die Nase vorn:
1. über Belarus (Weißrußland) nach Polen und Deutschland. Das ist der Grund,
weshalb die USA Michael Kozak als Botschafter nach Minsk geschickt haben. Er ist
ein alter Nikaragua-Contra aus Bush Seniors Zeiten, agitiert gegen die
belorussische Regierung und finanziert die Wahlkämpfe der prowestlichen
Opposition. Doch Belarus und Rußland halten (noch) zusammen.
2. von Noworossisk über den 2000 Meter tiefen Boden des Schwarzen Meeres nach
Samsun in der Türkei. Konsortialführer: die italienische ENI. Im Konsortium
sitzt die Ruhrgas AG. Die Meeresbodenleitung, in 2000 Meter Tiefe über Berg und
Tal, ist im Bau.
Wie können sich die US-amerikanischen Konzerne in dieser Lage den Profit
sichern?
Der Iran ist mit den USA verfeindet. Er böte sich als billigster Weg zum Meer
an, nämlich zum Persischen Golf. Die zweitbeste Wahl für Öl: von Baku über
Georgien durch das ehemals kurdisch beherrschte Ostanatolien nach Ceyhan am
Mittelmeer. Zwar ist die kurdische Bevölkerung dezimiert worden. Sie könnte
nicht mehr, wie die Tschetschenen in Rußland, »auf den Gartenschlauch treten«,
also teilhaben am Reichtum über Leitungsrechte. Aber der Weg bis Ceyhan ist
lang und die Rentabilität nur bei einem dauerhaft hohen Welt-Ölpreis gegeben.
Das Baku-Ceyhan-Konsortium setzt sich freilich genauso zusammen wie das
AMBO-Konsortium: US-amerikanisch.
Afghanistan-Krieg
Für Erdgas, zunächst einmal aus Turkmenistan, ferner auch aus Kasachstan,
bietet sich die Strecke zum Indischen Ozean durch Afghanistan und Pakistan. Rußland
wäre ausgebootet, ebenso der Iran. Aber auch hier besteht die gleiche
Konstellation: Wer bekommt wieviel Wegezoll?
1979 gelang es den US-amerikanisch finanzierten Mudschaheddin, die Sowjetunion
zu einem Krieg zu provozieren. Nach großen Verlusten zogen die Sowjets zehn
Jahre später ab, und die verbliebenen afghanischen Gruppen zerfleischten sich
untereinander. Die Taliban wurden ins Land gebracht, von Saudi-Arabien, Pakistan
und den USA finanziert. Sie schienen die Leitungs- und Transportsicherheit
jedenfalls soweit gegen rivalisierende Gruppen garantieren zu können, daß der
argentinische Konzern Bridas einerseits, die texanische Unocal und die saudische
Delta andererseits eine transafghanische Erdgasleitung in Angriff nehmen
wollten. Bridas wurde ausgestochen und unterlag bei einer Klage vor einem –
texanischen – Gericht. Unocal und Delta handelten 180 Millionen Dollar jährlich
mit den Taliban als Wegezoll aus. Die Taliban haben dann aber 1998 die
US-Amerikaner, angeblich mit Attentaten, verprellt und wohl das Geschäft allein
mit den Saudis machen wollen. Was genau passiert ist, liegt noch im dunkeln. Im
August 1998 jedenfalls zog sich Unocal aus den Afghanistan-Plänen zurück,
einen Tag, nachdem die USA Stützpunkte der Taliban in Afghanistan bombardiert
hatten. Die italienische Zeitung Il Manifesto meint: Die Taliban wollten eine
Konkurrenzfront zu den Amerikanern aufbauen. Jedenfalls wurde erst einmal nichts
aus der Pipeline. Dafür setzen die Amerikaner jetzt offenbar auf die
Nordallianz.
Doch stellen sich mindestens drei Fragen: Um wieviel Öl und Gas geht es überhaupt?
Geht es nur um Transportinfrastruktur? Was haben die deutschen Konzerne damit zu
tun?
Die kaspischen Lagerstätten
Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Hannover, schätzte das
Gesamtpotential des Kaspischen Raumes (ohne Iran) 1998 für Erdöl auf gut 18
Milliarden Tonnen, für Erdgas auf zirka 24 Billionen Kubikmeter. »Damit ist es
etwa doppelt so groß wie das Potential der Nordsee, steht aber deutlich hinter
dem Nahen Osten (137 Milliarden Tonnen Erdöl, bzw. 78 Billionen Kubikmeter
Erdgas) ... zurück.« Da eine Milliarde Tonnen Erdöl etwa den gleichen
Brennwert hat wie eine Billion Kubikmeter Erdgas, bedeuten die kaspischen Öl-
und Gasvorkommen: noch mal ein Fünftel auf den Nahen Osten drauf.
Transportinfrastruktur heißt ökonomisch sehr viel: Man denke an die Erschließung
des amerikanischen Kontinents durch die Eisenbahn – Rockefeller baute sein
Imperium auf dem Öltransportmonopol per Eisenbahn auf, nicht auf dem Öl. In
diesem Sinne konnte ausgerechnet Clintons Energieminister, Bill Richardson, die
jetzt begonnene Eroberung des kaspischen Raumes quasi ankündigen: »Es geht um
Amerikas sichere Energieversorgung. Und auch darum, strategische Querschläge
durch die zu verhindern, die unsere Werte nicht teilen. Wir versuchen, die
neuerdings unabhängigen Länder nach Westen zu bewegen. Wir möchten, daß sie
sich auf westliche wirtschaftliche und politische Interessen ausrichten, statt
andere Wege zu gehen. Wir haben politisch erheblich in die kaspische Region
investiert, und für uns ist es sehr wichtig, daß die Pipelinekarte und die
Politik zusammenpassen.« (Monbiot:
A discreet deal in the pipeline. Guardian, 15.02.2001)
Die lebendige Internetseite www.emperors-clothes.com (www.tenc.net, auch
deutsch) geht weiter. Ihr zufolge versuchen die Vereinigten Staaten nach der
gelungenen Auflösung der Sowjetunion nun das russische Umfeld zu
destabilisieren und letztlich Rußland zu zerlegen. Dorthin mag die Hoheit über
die Rohstofftransportwege, über die Rußland die Hälfte seines Staatshaushalts
finanziert, ein wichtiger Schritt sein.
Deutschlands industrielles Schwergewicht liegt auf Maschinenbau, Chemie, Straßenfahrzeugbau,
Elektroindustrie. Alles, alles davon wird gebraucht für die geplanten
Verkehrskorridore, Rohstoffextraktionen, zivilen und militärischen
Sicherungsanlagen. Der einzige Kriegsgrund dürften Gas, Öl und Straßen für
unsere regierungsamtlichen Exekutoren des Konzernwillens dennoch nicht sein. Es
geht auch um die – nun erneute – Teilnahme Deutschlands an einer
imperialistischen Schlacht. Das muß auch erst einmal sacken in Volkes Kopf.
T:I:S, 2003. Erschienen in der jungen Welt vom 10. November
2001
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