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Steinberg Recherche Referent Texte 2010 Texte 2009 Texte 2008 Texte 2007 Texte 2006 Texte 2005 Texte 2004 Texte bis 2003 Karten Bilder Suchen Home Newsletter? Marc ThörnerZur westlichen Strategie gegen die AfghanenDie Strategie ähnelt der der Franzosen in Nordafrika Anfang des vorigen Jahrhunderts. Bericht, Interview, Rezension bei German Foreign Policy, T:I:S, 26. März 2010. Siehe auch Mohn in Afghanistan URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/08thoerner.htm#Strategie *Marc Thörner"Unsere besten Kunden sind die Taliban"Eine ernüchternde Bilanz des offiziell erfolgreichen deutschen ISAF-EinsatzesDeutschlandfunk, Hintergrund, 16. Oktober 2008, 18.40 Uhr Auszüge und Verweise
Das erwähnte Institute for War and Peace Reporting wird von der britischen, der US-amerikanischen und einigen anderen westlichen Regierungen und unter anderm von der Soros-Stiftung finanziert. In seriösen Journalismus wie den von Thörner erwähnten eingebettet sind allerdings offenbar gezielte Falschmeldungen. T:I:S
Siehe Mohn in Afghanistan, T:I:S
Niels Annen wäre gern für Frieden, stimmt im Bundestag aber immer für Krieg, siehe Niels Annen, Hamburg-Eimsbüttel, T:I:S
T:I:S, 17. Oktober 2008 *Thomas Immanuel SteinbergDer falsche BartRezensionDen Sommer 1966 verbrachte ich in Tunesien, nicht als Tourist in einem Steigenberger-Hotel, sondern als Praktikant ohne Arbeitspensum. Das hieß: Ich schaute morgens in die Firma und konnte mich gleich wieder verdrücken, mit der kleinen weißen Straßenbahn an den Strand von Sidi Bou Saïd oder La Goulette; oder den Zug nehmen, nach Süden in Richtung Gabès oder nach Bizerta im Norden, für ein langes Wochenende. Tunesien in seiner Blütezeit Das Land war unter dem aufgeklärten Monarchen Bourguiba erwacht. Tunis machte kulturelle Luftsprünge in alle Weltrichtungen und sprudelte vor intellektuellen Abenteuern. (1) In Sousse oder Matmata sprachen alle Jungen und manche Mädchen Französisch, wenn sie fünfzehn Lenze zählten oder weniger. Die älteren hatten unter französischer Herrschaft deren Sprache nicht lernen können: Erst die Revolution unter Bourguibas Führung öffnete den Tunesiern die Tore zu Bildung und Reichtum. Tunesien: weder Französisch, noch Arabisch Sechsunddreißig Jahre später, 2002, besuchte ich Tunis erneut, ich träumte von einem frankophonen Wintersitz. Doch die Leute sprachen oft schlecht Französisch. Arabisch sei angesagt, erklärte mir eine junge Buchhändlerin an der Avenue Bourguiba, der westlich anmutenden Prachtstraße der Hauptstadt. Ihr arabisches Buchangebot allerdings war klein und, wie sie sagte, in schlechtem Arabisch geschrieben. Lehrreiche oder unterhaltsame arabische Bücher würden in Beirut erscheinen, im Libanon; doch sie gelangten kaum nach Tunesien. Auch französische Bücher, vor allem politische, würden öfter nicht hereinkommen. Ben Ali, Freund des Westens Ihre Erklärung hieß Ben Ali, Zine el-Abidine Ben Ali, der seit 1987 ein Terrorregime über Tunesien ausübt, ein Regime von Frankreichs und Deutschlands Gnaden. (2) Überall in Tunis trödelten junge Männer herum in kurzen Lederjacken und Schuhen für schnelle Spurts, denen niemand freiwillig zu nahe trat: Zivilpolizisten. Ihr Kampf gelte den Islamisten. "Wir mögen es ruhig in Tunesien", behauptete mein Hotelwirt, "Ben Ali sorgt dafür". Eine Friedhofsruhe, hergestellt durch Zensur, Spitzelwesen, Korruption, Folter und politischen Mord; nicht bloß geduldet, sondern vom Westen gepriesen als Zeichen des Sieges über den Terror – den islamistischen. Tunesien: Kaum organisierter Islamismus Der gelernte Islamwissenschaftler und ARD-Rundfunkjournalist Marc Thörner war vor kurzem in Tunesien. In einer seiner "Reportagen aus dem Krieg gegen den Terror" unter dem treffenden Titel "Der falsche Bart" (3) beschreibt er die Zivilpolizisten ganz ebenso, wie ich sie fünf Jahre zuvor erlebt hatte. Mit dem falschen Bart einer vermeintlichen islamistischen Bedrohung rechtfertige Präsident Ben Ali seit 20 Jahren sein autoritäres Regime: Der politisch organisierte Islamismus spiele in Tunesien kaum eine Rolle. In Wirklichkeit gehe Ben Ali gegen die Demokratie vor. Die Folge sei ein Überwachungsstaat, wie er im Maghreb seinesgleichen suche. Ein latenter Islamismus, der sich unter Jugendlichen ausbreite, werde mitunter vom Staat geschürt, weil er sich als Waffe gegen die Demokratie verwenden lasse. Der marokkanische Zauberbesen Thörners Gespräche mit Tunesiern, seine Zitate aus Folterberichten, die Angaben über westliche Polizei- und Militärhilfe ergeben ein schauerliches Bild des von der Natur gesegneten und einst multikulturellen Landes. Als etwas weniger bedrückend schildert Thörner die Lage des Königreichs Marokko, ebenfalls von den Herrschern des Westens geschätzt: Das dortige, seit langem etablierte – islamische – System sei
In den 70er Jahren machte Scheich Yassin, ein Sufi-Guru und Islamist, dem König Hassan II., dem Vorgänger des jetzigen Königs Mohammed VI., die Rolle als "Führer der Gläubigen" streitig. Hassan II.
Doch ganz ungeplant radikalisierten sich die Koranschüler. Der Zauberbesen kehrte bald in Gegenrichtung. Am vorläufigen "Ende der Entwicklung", so Thörner, "stehen die jugendlichen Selbstmordattentäter aus den Bidonvilles." The Greater Middle East Durch seine lebendig geschriebenen weiteren Reportagen über Algerien, Ägypten, den Irak (als ein bei der US-Army "eingebetteter" Journalist), über Afghanistan und Pakistan zieht sich "der falsche Bart" wie ein blutroter Strick: Im Greater Middle East spannen die Herrschenden den Islamismus für die Unterdrückung ihrer Völker ein. Doch gerade
Marc Thörner hat auf seinen Reisen genau hingeschaut, Erkenntnisse von Historikern und Soziologen an passender Stelle eingefügt und seine Kernthese durch sorgfältige Recherche untermauert. Einen winzigen Fehler habe ich entdeckt: Le Monde diplomatique ist keine Wochen- sondern eine Monatszeitschrift. T:I:S, 27. Dezember 2007 (4) Anmerkungen (1) Auf Anregung meines tunesischen Anleiters las ich abends Germaine Tillions Studie über Endogamie im Mittelmeerraum und die Texte von Albert Memmi über Kolonisateur und Kolonisierten. (2) siehe Nicolas Beau und Jean-Pierre Tuquoi: Notre ami Ben Ali. L'envers du " miracle tunisien". Préface de Gilles Perrault. Postface inédite des auteurs. Paris: Édition La Découverte & Syros 2002, 250 Seiten, 9 € (3) Marc Thörner: Der falsche Bart. Reportagen aus dem Kreig gegen den Terror. Hamburg: Edition Nautilus 2007. 160 Seiten, € (D) 13,90 / sFr 24,40 (4) Siehe auch: Auf den Straßen Arabiens. Die lebenswirkliche Vielfalt in Nordafrika ist größer, als jede Theorie wahrhaben will - Impressionen eines Flaneurs. Marko Martin in Der Welt über Tunesien und Oman im Vergleich. T:I:S, 8. Februar 2010 *Steinberg Recherche Referent Texte 2010 Texte 2009 Texte 2008 Texte 2007 Texte 2006 Texte 2005 Texte 2004 Texte bis 2003 Karten Bilder Suchen Home Newsletter?
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