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Thomas Immanuel Steinberg

Was bedeutet Applaus von ungeliebter Seite?

Manchmal ziehen falsche Argumente auch bei klugen Leuten. Eins davon geht so: 

Wem schlechte Menschen zustimmen, der ist selber schlecht – oder zumindest auf dem falschen Dampfer.

Ein Beispiel: Henryk M. Broders Hetze gegen Migranten fand kürzlich Zustimmung bei einer Chemnitzer NPD-Stadträtin. Ist Broder schlecht, oder zumindest auf dem falschen Dampfer mit seiner Hetze, weil er Applaus von der – schlechten – NPD bekommt? 

Solches wurde im Netz verbreitet. Doch Broders Hetze ist Hetze, ganz unabhängig von jeder Zustimmung. Broder ist schlecht, weil er gegen Migranten hetzt, sich sozialdarwinistisch äußert, den Massakerstaat Israel in Schutz nimmt, pöbelt und schweinigelt. NPD hin oder her.

Ist die NPD schlecht, weil sie Broder zustimmt? Das wäre ebenfalls Unsinn.

Einige teilen die Meinung des schlechten Menschen Broder, daß der Zentralrat der Juden in Deutschland nicht besonders helle ist. Auch sie sind deswegen weder schlecht noch gut, sondern liegen einfach in der Sache richtig. 

Meistens allerdings dient das falsche Argument dazu, gute Menschen zu diffamieren. Hermann Dierkes etwa, der die Hetze von NPD und Broder gegen Migranten ebenso verabscheut wie den Judenhaß und den Massakerstaat Israel, der bekommt von Thomas Rodenbücher in einem offenen Brief zu lesen:

Noch erschreckender, ist die Tatsache, dass du schon von den Rechten referenziert wirst... Ist es das was du über dich lesen willst? Du als fraternisiertes Mitglied des braunen Sumpfs? Dein Buch in jeder Kammerdschaftsbibliothek, am besten neben mein Kampf? Mir würde an deiner Stelle schlecht werden, wenn ich von diesen Subjekten ein Lob bekommen würde. [Orthographie und Zeichensetzung unverändert, T:I:S]

Rodenbücher führt seine untaugliche Herleitung so ein:

ich hatte oft genug die Gelegenheit mit dir zu Sprechen, dich auf Veranstaltungen zu erleben. Deshalb kann ich für mich mit Fug und Recht behaupten, du bist kein Antisemit (wobei ich da in meinem näheren Umfeld mit dieser Meinung auf weiter Flur alleine dar stehe). Trotzdem betrachte ich deine israelkritsichen Äußerungen und Auftritte sehr kritisch. In deiner Argumentation, im ganzen Duktus, deiner Israelkritik unterscheidest du dich nicht mehr von Horst Mahler und anderen Rechten. [Hervorhebung, Orthographie und Zeichensetzung unverändert, T:I:S]

Belege bleibt er schuldig, faselt etwas von Gewalt gegen einen, der Dierkes' Auftritt in Duisburg offenbar unerlaubt per Handy mitzuschneiden versucht hatte, und empfiehlt schließlich dem Politiker Dierkes, sich um den Kiez zu kümmern und die Finger von Israel zu lassen.

Ist Rodenbücher schlecht, weil ihm alle Antideutschen applaudieren werden? Unsinn, das schafft er ganz alleine. (1)

T:I:S, 19. März 2010

Anmerkung

(1) Argumentativ ebenso untauglich wie der Verweis auf Applaus von ungeliebter Seite ist der auf Anschlußfähigkeit, passim in der Mossad-Fraktion. Beide fungieren als Unterstellungen.  

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/08argumente.htm#Applaus   

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Vergleichen


Nürnberg, U-Bahnhof Rathenauplatz, 6. März 2010                                                                       Foto: tofoto

Zum Denkverbot durch Tabuisierung von Vergleichen siehe Heiliger Adolf. Darf man Bush mit Hitler vergleichen?; Eine Analogie ist kein Vergleich; Vergleiche mit den Nazis; Uri Avnery; Vergleich, Grundlage jeder Erkenntnis

T:I:S, 8. März 2010

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/08argumente.htm#Vergleichen  

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Thomas Immanuel Steinberg

Darf man vor Burschenschaftlern reden?

Mein politischer Freund, der kluge und liebenswerte Elias Davidsson, hat einen Vortrag über seine Recherchen zum 11. September 2001 gehalten, und zwar im Rahmen der Ideenwerkstatt der Burschenschaft Normannia-Nibelungen zu Bielefeld am 28. und 29. November 2009. (1)

Burschenschaften, insbesondere schlagenden Verbindungen wie die Normannia-Nibelungen, sind mir zuwider. Hätte Elias Davidsson die Einladung zum Vortrag ausschlagen sollen?

Hans Christoph Stoodt, Friedenspastor in Frankfurt am Main findet: Auf jeden Fall! In einer offenen Mail schreibt er:

Erneut: Elias Davidsson als Querfrontler

Hallo liebe Leute,

Elias Davidsson ist offenbar ein Überzeugungstäter: jetzt diskutiert er mit den Burschis der „Normannia-Nibelungen“ zu Bielefeld und rechtfertigt diese Kontakte in den weit rechten Bereich ausdrücklich. Interessant, daß jemand ein Referat vor Leuten zu halten bereit ist, die sich selbst nach seiner Anschauung nicht trennscharf vom NS-Faschismus unterscheiden. Irre. Dem Mann ist nicht zu helfen.

Es ist wichtig, solche Infos weiter zu verbreiten. Sonst diskutiert dieser Herr vielleicht als nächstes wohlmeinend mit Kristina Köhler … http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=14540. Warum eigentlich nicht, findet er vermutlich. Und da hat er sogar Recht. Wer mit braunen Burschis diskutiert, kann das sicher auch mit ExponentInnen der Neuen Rechten.

Also mailt das bitte weiter, damit die linke Öffentlichkeit Bescheid weiß, mit wem Fikentscher/Neumann und „Die Bandbreite“ da neulich im Club Voltaire ihren Auftritt hatten.

Mein politischer Freund, der ebenfalls kluge und liebenswerte Hartmut Barth-Engelbart, weist Stoodts Diffamierung von Davidsson, den Arbeiterfotografinnen Fikentscher und Neumann und der Band "Die Bandbreite" in einer Antwort scharf zurück. Und macht an eigener Erfahrung deutlich: Mit allen möglichen Leuten lohnt das Gespräch. 

Das Kapital setzt viel daran, uns Linke gesellschaftlich zu isolieren. Kapseln wir uns selber ab, wie Stoodt höchst puritanisch fordert, dann wird es uns zermalmen.

T:I:S. 1. Dezember 2009. Zum Auftritt im Club Voltaire siehe Zionismus. Mehr zu Kristina Köhler 

Anmerkung

(1) Elias Davidssons Bericht über seinen Auftritt in der Ideenwerkstatt steht unter dem Mail-Wechsel zwischen Stoodt und Barth-Engelbart.

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/08argumente.htm#Burschenschaftler 

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Thomas Immanuel Steinberg

Rote Fahne, Infokrieg, Arbeiterfotografie ...

Stichworte zu einer Eine-Million-Dollar-Frage

In einer Mail, Date: Mon, 12 Oct 2009 09:50:28 +0200, verwies Frau S. auf den SteinbergRecherche-Bericht über die Frankfurter Randale vorm Club Voltaire und fragte, ob sicher sei, daß die dort verlinkte Rote Fahne nicht ebenso heimtückisch wie die Zionisten auftrete.
Denn in der Roten Fahne, hier etwa, würden einige Menschen und Web-Portale diffamiert, die ihr noch nicht negativ aufgefallen seien, z.B. Infokrieg und Prof. Schachtschneider. In ihren Augen seien das Menschen, die aufklären. Über Ulfkotte lasse sich jedoch streiten.
Sie habe den Eindruck, daß die Rote Fahne bei den deutschen Anti-Linken und Zionisten mit von der Partie sei. Oder habe sie da bei Schachtschneider und Infokrieg etwas übersehen?

Kurz: Was ist von welchem Medium zu halten, und warum?  

 

Liebe Frau S.,

Sie stellen eine Eine-Million-Dollar-Frage. Ich will versuchen, bündig zu antworten.

1. Eine Information über eine angebliche Tatsache kann richtig oder falsch sein. Da man das meist nicht direkt prüfen kann, empfiehlt sich zu schauen, ob die Information überhaupt überprüfbar ist. Wenn da immer wieder in Maintream-Medien steht: Aus Regierungskreisen verlautet..., so ist die Information nicht überprüfbar. Dann besteht der Verdacht, daß die Information ausgedacht oder gezielt gestreut wurde.
Ist die Information im Prinzip überprüfbar, sollte man prüfen, ob sie dem Interesse des Verbreiters dient oder ihm zuwider läuft. Läuft sie seinem Interesse zuwider, so ist sie plausibler als im entgegengesetzten Falle. Beispiel: Das israelische Außenministerium mit seinen Angaben über Hamas-Angriffe während der Waffenruhe 2008: Die Angaben laufen dem Interesse der israelischen Regierung zuwider, also sind sie besonders plausibel. Das ist bei mir unter Vernichtungskrieg / Goldstone-Bericht nachzuvollziehen.

2. Eine Information kann richtig sein, aber irreführend deshalb, weil die zur Tatsache führenden Umstände ungenannt bleiben. Ausgedachtes Beispiel: Mann aus Ghana schlägt Polizisten. Kann wahr sein, und trotzdem irreführend, weil die Information fehlt, daß der Polizist den Mann aus Ghana zuvor Nigger genannt hat.

3. Ganz viele angebliche Fakten werden aufgezählt, aber Fakt sind nur die Meldungen über angebliche Fakten. Udo Ulfkotte arbeitet so. Er stellt Meldungen zusammen, die ein bestimmtes Vor-Urteil zu bestätigen scheinen, unterzieht aber die Meldungen nicht der Prüfung. Er selbst hat nicht gelogen. Was für ein Schelm.

4. Medienbetreiber verfolgen immer auch ein Ziel mit dem Betrieb ihres Mediums. Einfachster Fall: Sie wollen damit Geld machen. Dann werden sie zu Sensationsmeldungen greifen, um Auflage und Zugriffe zu steigern, wobei die Fakten und deren Prüfung ins Hintertreffen geraten. Das scheint mir z.B. bei Infokrieg der Fall zu sein, die sich offenbar durch Anzeigen (teil)finanzieren.

5. Medien mit einem politischen Ziel mischen häufig zutreffende Meldungen mit Falschmeldungen. Die zutreffenden Meldungen machen die Falschmeldungen plausibler. So arbeitet die New York Times seit Jahrzehnten vor jedem Krieg. Die Leser haben Vertrauen, weil viele Meldungen zutreffen und glauben dann den Meldungen über Massenvernichtungswaffen im Irak oder Atombomben im Iran. Wenn der Krieg läuft, entschuldigen sie sich für die Falschmeldungen und entlassen eine angeblich schuldige Journalistin. Die kommt dann prima woanders unter.
So arbeitete auch die Springer-Presse mit ihren Meldungen über angebliche serbische Greueltaten vor der Zerschlagung Jugoslawiens durch die Nato einschließlich Deutschland. Sie stützte ihre Meldungen auf Scharping, der ununterbrochen gelogen hatte. Dann wurde Scharping gegangen, und die Springer-Presse korrigierte sich nicht einmal.

6. Schachtschneider hat sich mit der EU und dem sogenannten Lissabon-Vertrag befaßt. Er ist ein Konservativer. Was er zum Lissabon-Vertrag juristisch sagt, dürfte stimmen; dennoch lehnt die Rote Fahne ihn ab, weil sie nicht konservativ ist, sondern sich für kommunistisch hält. Wahrscheinlich unterscheidet sie die juristischen Ausführungen und die politischen Ansichten auch voneinander. Die Rote Fahne versteht sich kommunistisch-internationalistisch. Ihr Standpunkt wird doch hier durchaus deutlich: Der Zionismus wird, meines Erachtens zutreffend, als Faschismus-Variante bezeichnet - sie sind also stramme Gegner der (anti-linken) Zionisten, wie ich. (1)

7. Infokrieg wirbt für Sensationsbücher: "Rote Lügen in grünem Gewand. Der kommunistische Hintergrund der Öko- Bewegung"? Meines Erachtens ein ausgemachter Schmarren. Er allein diskreditiert Infokrieg vollständig.

8. Auf gegnerische Medien zu verweisen, oder auf Medien mit anderer Meinung, sei es zustimmend, sei es ablehnend, ist für sich genommen überhaupt nicht verwerflich. Es beweist vor allem überhaupt keine politische Nähe. Ich verweise manchmal auf Muslim-Markt, habe denen sogar ein Interview gegeben und die Gebrüder Özoguz gegen den judäophoben und islamophoben Polterer Hans-Peter Raddatz verteidigt, halte aber ihre politische Position zum iranischen Regime für völlig falsch. Das liegt daran, daß Muslim-Markt, was die Fakten anlangt, sorgfältig ist. Dito oft die Frankfurter Allgemeine auf den hinteren Seiten: gute Hintergrundberichte, und vorne in den Kommentaren und Darstellungen reaktionäres Gewäsch. Dito NachDenkSeiten. Das sind Keynesianer, ich teile die Thesen überhaupt nicht, aber sie lügen nicht. 

Ein anderes Beispiel: Arbeiterfotografie hat den Tod von Haider für merkwürdig gehalten, und das war er auch. Also hat sie recherchiert und weitere Merkwürdigkeiten festgestellt. Arbeiterfotografie hat nie mit dem Halbfaschisten Haider sympathisiert, seine Sprüche gelobt oder dergleichen. Sie hat aber nach einem Interessengegensatz zwischen dem Halbfaschisten Haider und den israelischen / US-amerikanischen Halbfaschisten gesucht, weil Haiders Tod Merkwürdigkeiten aufwies; und ist fündig geworden. Das hat nichts mit Sympathie für Haider zu tun, sondern ist journalistische Recherche.

9. Ob die Rote Fahne diffamiert, kann ich nicht recht ermitteln. Sie haben eine Meinung, und sie stützen die Meinung mit weitgehend überprüfbaren Angaben. Das klingt eher nach Parteilichkeit.
Und Parteilichkeit, wenn offen ausgewiesen, ist ganz normal. (2) Es sei denn, man macht seine Arbeit nur für Geld.

10. Daß gegnerische Medien sich auf das eigene berufen, ist nicht schändlich, sondern auch normal und nicht zu verhindern. So berufen sich Nazis manchmal auf meine Texte. Die Nazi-Ziele sind vom allerschlimmsten, doch auch Nazis können nicht auf Fakten und jede Logik verzichten.

Herzlich, tis

Nachtrag

Anonym betriebene Internetseiten, wie Lizas Welt, auf der Alex Feuerherdt sein Mitteilungsbedürfnis erledigt, und wie die meisten zionistischen und nazistischen Blogs, entbehren jeder, aber auch jeder Glaubwürdigkeit.

T:I:S, 12. Oktober 2009

Anmerkung

(1) und (2) Stephan Steins, Verfasser dieses Artikels und (Mit-)Betreiber der Roten Fahne, teilt per Mail mit:

Die Rote Fahne ist ein OpenPress-Medium, welches strömungsübergreifend Linken die Möglichkeit zur Publikation einräumt. Artikel geben die Meinungen ihrer jeweiligen Autoren wieder, siehe Autoren-Name am Anfang des Artikels. Redaktionelle News sind durch unser Kürzel (drf) ausgewiesen. Die Rote Fahne ist also kein "Zentralorgan" oder dergleichen, welches dem Dogma eines engen Zirkels folgt, sondern eine Medien- und Kommunikationsplattform für ein linkes, emanzipatorisches und gewerkschaftliches Spektrum. Einzelne Artikel können von jedermann/frau aus diesem Spektrum (nach kurzer Registrierung) selbst und direkt in der Roten Fahne - vom heimischen Computer aus - publiziert werden. Diese Artikel können dann direkt darunter diskutiert werden - wie auch im Falle des besagten Artikels "Infokrieg - Rechte nutzen 9/11 zur Islamhetze" geschehen.

T:I:S, 13. OKtober 2009 

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/08argumente.htm#RoteFahne

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Thomas Immanuel Steinberg

Immun mit vier Silben

Wann immer sich irgendwo auf der Welt Widerstand gegen die US-Politik regt, haut ein vaterlandsliebender Journalist in die Tasten: Why do they hate us? Und antwortet dann dies und das. Aber letztendlich wisse man’s nicht. Man müsse halt den Widerstand brechen, mit Freedom and McDonald’s, und notfalls mit gezielten oder halt auch ungezielten Morden.

Regt sich Widerstand gegen die zionistische Politik, so wissen zionistische und, was aufs Gleiche hinausläuft, judäophile Journalisten sogleich: dieser Widerstand kommt vom Judenhaß. Selbst eine widerständige Jüdin ist für Zionisten kein Problem. Auch sie handle aus Haß, aus Selbsthaß nämlich. Juden seien ja bekannt für ihren Selbsthaß, ihren jüdischen.

Ein mäßig schlauer Trick, denn in beiden Zirkelschlüssen klafft eine Lücke: die zwischen Regierung und Volk; oder die zwischen Parteigängerschaft und Ethnie. Der US-Journalist selbst ist es, der sich erst einmal Regierung und Bürger als Einheitspampe zusammenlügen muß. Der Zionist selbst ist es, der nicht zwischen seinesgleichen und Juden allgemein unterscheidet. Ein Jude, der den Zionismus bekämpft, so der Zionist, ist gar kein Jude, jedenfalls kein gesunder. (1)

Durch die Gleichsetzung – im einen Falle von Volk und Regierung, im anderen von Ethnie und Parteigängerschaft –  wird die eigene Überzeugung gegen restlos jede widersprechene Tatsache abgeschottet. Ein US-Journalist der beschriebenen Art kann auf noch so viele freiheits- und Cheeseburger-liebende Taliban treffen: Sie kämpfen gegen „uns“, also hassen sie Amerika. Die Zionisten können auf noch soviele Felicia Langers und gesittete Bürgermeister wie Boris Palmer in Tübingen stoßen: Sie kämpfen gegen uns, also sind sie Judenhasser; oder Selbsthasserinnen.

Eine derartige Abschottung der eigenen Überzeugung gegen Tatsachen nennt man Immunisierungsstrategie. Dank ihrer wird man immun gegen jedes Gegenargument. Immer liegt der Abdichtung gegen Tatsachen eine Tautologie zugrunde. Harmlos kommt sie daher im: Es ist, wie es ist. Oder auch bösartig: Ich hab’ nichts gesagt! 

Das klassische Beispiel für Immunisierung gegen Tatsachen ist die Judäophobie, auch Antisemitismus genannt. Eingefleischte Judenhasser kommen mit drei Silben aus: Jud’ ist Jud; letztlich, zum Beispiel im Fußballstadion, reichen zwei: Jude! Die Zionisten eifern ihnen nach, brauchen aber vier: Antisemit!

T:I:S, 30. Juli 2009

Anmerkung

(1) wie kürzlich Benjamin Weinthal: Jüdischer Selbsthass. Die Welt, 28. Juli 2009

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Thomas Immanuel Steinberg

You can influence friends and win people*

Über Meinungsbildung

Demonstrationen, egal wofür oder wogegen, dienen der Selbstvergewisserung nach dem Motto: 

Andere teilen meine Meinung... und äußern sie. 

Doch kaum einer ließ sich je durch eine Demonstration von seiner Meinung abbringen. Mit Flugblättern, Büchern oder Internetseiten wie dieser steht es ähnlich: Wer anderer Meinung ist, wirft den Zettel seines Kontrahenten in den Papierkorb, meidet dessen Schwarte und ignoriert SteinbergRecherche.

Wozu also argumentieren?

Wegen Ihrer Freunde. Nur sie hören Ihnen zu. Nur sie werden sich einem Argument stellen, das Sie selbst vielleicht aus einem Blatt, einem Buch oder dieser Internetseite gewonnen haben. Die Freundin wird widersprechen, der Freund Prüfung zusichern - bis Sie und Ihr Gegenüber sich eine Meinung über das Argument gebildet haben. Die mag anders ausfallen als vom Autoren gewünscht, aber Sie haben sich schließlich eine Meinung gebildet, und Ihr Gegenüber auch.

Mit Glück erreicht das Argument nicht nur Sie, sondern auch Ihre Freunde, vielleicht sogar deren Freunde. Leute also, die anders nie zu erreichen wären.

Deshalb diese Internetseite.

T:I:S, 12. November 2008 

*Auf Deutsch: Sie können Freunde beeinflussen und damit Leute erreichen. Angelehnt an "How to Win Friends and Influence People", Dale Carnegies Manipulations-Bestseller von 1936. Zur Stoßrichtung von SteinbergRecherche siehe Recherche/Herrschaft

URL dieses Beitrags: http://www.steinbergrecherche.com/08argumente.htm#Meinungsbildung 

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Thomas Immanuel Steinberg

Israel-Debatte

Der Schluß aus dem Nichts

Watzlawicks Geschichte mit dem Hammer erzählt von einem Mann, der ein Bild aufhängen will, aber keinen Hammer zur Hand hat. Als er beschließt, sich beim Nachbarn einen Hammer zu borgen, kommen ihm Zweifel, ob der ihm seinen Hammer überhaupt leihen würde. Der Nachbar habe neulich auch nur flüchtig gegrüßt und vielleicht nur so getan, als habe er es eilig... und bildet sich vielleicht noch ein, man sei auf seinen Hammer angewiesen! Zornig stürmt der Mann zum Nachbarn und brüllt ihn an: „Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!“

Was hier an der Geschichte interessiert, ist das Argument, auf dem die Entscheidung zum Brüllen beruht: der Schluß aus der Abwesenheit, der Nicht-Existenz einer Sache. Der Nachbar hat dem Mann keine Aufmerksamkeit geschenkt. Viele Gründe kommen dafür in Frage; der Mann aber hält denjenigen Grund für den wahren, der seiner eigenen Befindlichkeit entspricht.

Mit der Abwesenheit, dem Fehlen von etwas, wird häufig auch politisch agitiert. Gegner der Staats- und Regierungspolitik Israels werden des Judenhasses verdächtigt, weil sie die Staats- und Regierungspolitik anderer Länder nicht ebenso scharf angreifen wie die Israels. 

Dabei kann die Beschränkung auf Israelisches ganz einfach dem Interesse an Erkenntnis dienen, das stets zu Abgrenzung und Beschränkung zwingt.

Vorliegen kann aber auch

  1. eine besondere Zuneigung zu Israel, und daher eine besondere Sorge um das Land, siehe Wehe dir, Israel !

  2. wegen Israels formaldemokratischer Struktur die gerade an dieses Land geknüpfte Hoffnung auf Beeinflußbarkeit 

  3. eine entgegengesetzte Meinung über die Staats- und Regierungspolitik der angeblich grundlos verschonten Länder

  4. Widerstand gegen die eigenen Herrschenden, die auch den israelischen Staat und die israelische Regierung unterstützen; um ihre Gegner kümmern sich die Herrschenden schon selber. 

Zu 1. Eine besondere Zuneigung zu Israel liegt vor allem bei Gegnern der israelischen Staats- und Regierungspolitik nahe, die selber Juden sind. Wohl gerade deswegen ergänzen Anhänger der israelischen Staats- und Regierungspolitik ihr argumentum ex nihilo, den Schluß aus dem Nichts, um die Behauptung, bei jüdischen Gegnern liege Selbsthaß, und zwar jüdischer Selbsthaß vor. Nun sitzen in der Tat Liebe und Haß nah beieinander. Indes: Jüdische Gegner mögen zwar die Anhänger der israelischen Staats- und Regierungspolitik im Extremfall regelrecht hassen; aber wohl kaum ihre jüdischen Mitstreiter. Und derer sind viele, in Israel, in den USA, in Frankreich; und einige sogar in Deutschland.

Zu 2. Israelis können in Internetforen diskutieren, demonstrieren, Parteien gründen und wählen gehen. Viele Israelis bekämpfen ihre Regierung; am wirkungsvollsten die Kriegsdienstverweigerer.  Das nährt die Hoffnung auf Änderbarkeit der israelischen Politik. Die Regierungen von Ländern wie Ägypten, Jordanien und Tunesien, prowestlich wie Israel, verhindern vergleichbare Aktivitäten durch Gefängnis und Folter. Sie durch Meinungsäußerungen beeinflussen zu wollen, erscheint hoffnungslos. 

Zu 3. Warum, so fragen Anhänger der israelischen Staats- und Regierungspolitik ihre Gegner, greift ihr zwar die israelische Regierung an, nicht aber den weißrussischen Präsidenten Lukaschenko oder die sudanesische Regierung? Die Antwort: Weil wir über Belarus und den Sudan anderer Meinung sind als ihr. Das ist alles.

Zu 4.  Deutsche Regierung und deutsches Kapital versorgen den israelischen Staat mit Waffen, unterstützen seine Besatzungspolitik und erheben gar dessen Unterstützung zur deutschen Staatsdoktrin. Deutsche, israelische und US-amerikanische Herrschende konkurrieren zwar miteinander, stehen aber zusammen in dem Versuch, bei der Beherrschung und Aufteilung der Welt einen gehörigen Happen abzubekommen. Wer hierzulande die Regierung bekämpft, kann nicht anders, als 

die Vorreiterrolle der israelischen Regierungen herauszustellen: 

bei der atomaren Rüstung

bei der Führung von Präventivkriegen

bei Entwicklung und Einsatz von Überwachungs-, Repressions- und Segregationstechniken

bei der  Mißachtung von Völkerrecht und Bürgerrechten. 

Wer aus dem Fehlen von Angriffen auf die Politik anderer Länder auf Judenhaß schließt, zieht aus nichts einen Schluß.

Mit Schlüssen aus dem Nichts trommeln auch Gegner der israelischen Staats- und Regierungspolitik für ihre Sache. Mir fällt bloß grad kein Beispiel ein.

T:I:S, 1. Oktober 2008

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